Gleich zwei Premium-Rieslinge unter den Top 4 der großen Vinaria Sortenverkostung, das macht Franz-Josef Gritsch aus Spitz in der Wachau so schnell niemand nach. Heute im Word Rap.

Vinaria: Sie waren diesmal gleich mit zwei Weinen ganz vorne, aus völlig unterschiedlichen Lagen. Was zeichnet die Ried Kalkofen aus dem Spitzer Graben aus, der Sieger Bronze in der großen Verkostung mit 18,5 Punkten und 5 Sternen?

Franz-Josef Gritsch: Der Name der Ried leitet sich vom weißen, kalkhaltigen Boden und der dort herrschenden sommerlichen Hitze ab. Zwei Hektar Rebfläche haben wir schon rekultiviert, die sich zur Gänze auf Steinterrassen befinden. Die Ried liegt auf 400 Meter Höhe, direkt unterhalb eines schönen Eichenwaldes, und ist daher eingezäunt. Folgerichtig reift der Riesling hier auch in heißen Jahren zur Hochform heran.

Vinaria: An der Dürnsteiner Burgmauer herrschen vermutlich andere Verhältnisse, wenn man an so manche hochreife Weine der vergangenen Jahre zurückdenkt?

Franz-Josef Gritsch: Zweifellos, denn dort setzt die Traubenreife schon zwei bis drei Wochen früher ein. Die Terrassen befinden sich ja innerhalb der Stadtmauern in besonders geschützter Lage. Der Boden aus verwittertem Gföhler Gneis ist durchaus mit jenem auf dem Kellerberg vergleichbar. Wir haben aber auch den Stil ein wenig verändert und versuchen nun durch frühere Lese das Auftreten von Botrytis zu vermeiden, die für opulente Weine mit natürlichem Zuckerrest gesorgt hat. Wahrscheinlich handelt es sich um die bekannteste österreichische Lage, denn sie ist seit Jahrhunderten auf jeder Stadtansicht von Dürnstein zu sehen.

Vinaria: Haben Sie neue Pläne für diese beiden Lagen?

Franz-Josef Gritsch: Im Kalkofen werden wir im kommenden Frühjahr beginnen, auf einem Viertel Hektar neue Terrassen aufzumauern. In Dürnstein werden wir den in unmittelbarer Nachbarschaft liegenden Clarissinen-Weingarten vom Buschwerk befreien und gemeinsam mit Eigentümer Gottfried Thiery wiederherstellen.

Vinaria: Wie sind die Aussichten für den Jahrgang 2020 in diesen Spitzenlagen?

Franz-Josef Gritsch: Eigentlich sehr gut: Im Spitzer Graben gab es im Unterschied zu vielen Spitzer Lagen keine Hagelschäden, die Trauben konnten völlig gesund geerntet werden. Was übrigens auch für unsere andere Spitzer Riesling-Lage, den Tausendeimerberg, gilt. Der Burg-Weingarten in Dürnstein ist mit Hagelnetzen geschützt, die auch gegen Wildfraß und Vögel helfen; dort hatten wir hohe Traubenreife.