Der renommierte Schweizer Weinkritiker René Gabriel hat erstmals einem Rotwein aus Österreich seine Höchstnote 20 (von 20) Punkten verliehen: dem 2011 Blaufränkisch Reihburg Reserve des südburgenländischen Ausnahmewinzers Uwe Schiefer.

René Gabriel kennt die Winzerszene in Österreich sehr gut, daher hat sein Urteil Gewicht, nicht nur in der Schweiz. Er verkostet analog zu Vinaria im seriösen und fairen 20 Punkte-System – wie etwa auch die Schweizer Fachzeitschrift Vinum, das führende französische Weinmedium „La Revue du Vin de France“ oder die global renommierte Kritikerin Jancis Robinson.

Die reinsortigen Reihburg-Blaufränkischen verkostete Gabriel schon oft; auch den nunmehr geadelten 2011er Reserve, den er als jungen Wein auch selbst kaufte. Bei seiner aktuellen Nachkost geriet der Schweizer Topkritiker ins Schwärmen. Vinaria schwärmte auch: exakt dieser Wein eroberte in der Verkostung der reinsortige Premium Rotweine Ende 2014 den 3. Platz. Dafür gab es bei der Trophy-Gala im Folgejahr Bronze. Damals war dieser Reihburg noch sehr jung und lange nicht in Höchstform.

René Gabriel im O-Ton: „Im Norden von Burgendland sind die Blaufränkisch sehr gross und so populär, dass diese kommerziell mehrheitsfähig sind. Je südlicher das Anbaugebiet, desto grösser wird das Freak-Potential. Hier wirken die Blaufränkisch’ autochthoner für mich, gehen mehr in die Tiefe und werden zu vinösen Weltklasse Persönlichkeiten. Wenn auch letzteres eigentlich aus „Local-Hero-Gründen“ gar nicht möglich ist …

Eigentlich wollte ich warten bis er nächstes Jahr. Dann wäre er 10jährig geworden. Die Fassprobe war damals so emotionell, dass ich mir einen wunderschönen Stock zulegte. Ich liess ihn aber in Ruhe. Entkorkte ihn nie. Bis heute. Ein Jahr zu früh? Zum Glück nicht. Es ist der allererste Rotwein aus Österreich, der von mir 20 von 20 Punkten bekommt!

2011 Blaufränkisch Reihburg, Schiefer, Welgersdorf: Die Farbe ist immer noch unglaublich jung. Aussen ins rubine drehend – innen schier Violett. Das Bouquet zeigt dunkle Frucht; so in Richtung Brombeeren und Heidelbeeren. Die Würze ist pfeffrig, fein mineralisch und deutet auf frisch geknackte Rosmarinzweige hin. Und da ist auch die berühmte Kombination von dunkler Schokolade und Minzespuren reichlich zu finden. Dies ist oft eine Indikation für legendäre Klasseweine. Bevor ich einen Schluck nahm, verfolgte ich ihn gut 20 Minuten lang in der Nase. Die Evolution lag im Bereich zwischen «höchst interessant bis berauschend». Unterlegt ist diese Reihburg mit Pumpernickel und schwarzen Oliven. Im Gaumen satt auftretend, was seine Konzentration dokumentiert. Die Adstringenz ist noch erheblich, hat aber die Harmonie gefunden und proklamiert ein weiteres Reifepotential. Intensives, gebündeltes nach schwarzen Kirschen schmeckendes Finale mit dramatischer Länge. Aufgrund seiner Komplexität und Grösse ist dies der allerbeste, reife Blaufränkisch den ich je im Glas hatte. Schade, dass es in anderen Teilen der Weinwelt so wenige Blaufränkisch gibt und schon gar nicht in dieser Liga. Bravo Uwe! 20/20 Punkte.“