Gastro: Steuersenkung setzt Umsatz voraus!

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Um die nach den Corona-Maßnahmen aufgebrachte Wirtschaft zu besänftigen, werden derzeit mit Hochdruck „Entlastungen“ erfunden. Zuletzt eine Mehrwertsteuersenkung für Gastronomie, Hotellerie und andere Branchen befristet auf fünf Prozent. Dieser Satz soll, so Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) vor dem Wochenende, von 1. Juli bis Jahresende 2020 gelten.

Damit wird der Steuersatz für Speisen von zehn, bei Getränken von 20 auf fünf Prozent gesenkt. Das soll der Gastronomie rund 700 Millionen Euro bringen, so die spitzfindige Rechnung von Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Allerdings stimmt die Rechnung nur unter zwei Voraussetzungen: vor allem brauchen die Wirte und Hoteliers erst einmal die Umsätze, um sich Mehrwertsteuer zu ersparen. Daran zweifeln viele noch zu Recht, sieht man sich die Auslastungen der vergangenen vier Wochen an, seit Ende des Lockdowns in der Gastronomie am 15. Mai 2020.

Zweitens darf es nicht zu einem Preiskampf kommen, also zu überhasteten Preissenkungem im Kampf um jeden Gast. Das würde zwar die Gäste freuen, dann bringt die Steuersenkung aber den Gastgebern nichts. Auch Kunst- und Kulturbetriebe, etwa Theater oder Kinos, sollen von der temporären Maßnahme der Mehrwertsteuersenkung profitieren. Der vergünstigte Steuersatz gilt ab Juli auch für Zeitungen und Bücher. Diie EU-Kommission muss den Plänen noch zustimmen, was aber als sehr wahrscheinlich gilt.

Geschäftsessen erleichtern - Weiters geplant zur Entlastung der Gastronomie: die Pauschalierung sowie die steuerliche Absetzbarkeit von Geschäftsessen soll ebenfalls verbessert werden. Diese ist in Österreich so restriktiv wie kaum in einem anderen Land geregelt, hat der Gastronomie seit Einführung schwerst geschadet und ist ewiger Streitpunkt bei Betriebsprüfungen in allen Branchen.

Zu guter Letzt fällt im Zuge der „Entlastungen“ auch die Schaumweinsteuer. Das ist aber eher Kosmetik: diese beträgt pro Liter Schaumwein einen Euro, pro Flasche also 75 Cent und ist somit für die meisten Gastronomen bestenfalls ein Körberlgeld. Der jahrelanger Streit um diese kuriose Steuer nahm immer wieder kabarettistische Züge an, was in der Geschichte der Abgabe begründet liegt. Diese wurde zu Zeiten der unseligen Großen Koalition aus SPÖ und ÖVP auf Drängen der Sozialdemokraten eingeführt. Es war der letzte verbliebene Rest der diskutierten „Reichensteuern“. Die SPÖ hatte damals Vermögens- und Kapitalsteuern verlangt, was von der ÖVP abgeblockt wurde.

Wein: 23 Mio Liter Absatz fehlen - Von all den Maßnahmen werden indirekt auch die Winzer profitieren. Einfach, in dem die Nachfrage und damit der Absatz wieder steigen sollen. Der Chef der Österreichischen Weinmarkting, Chris Yorke, hat im jüngsten Vinaria Interview den Absatzentfall an Wein während des Lockdowns alleine in der Gastronomie mit 23 Millionen Liter beziffert. Das gesamte Interview ist in der aktuellen Vinaria Ausgabe 3/20 nachzulesen.