Der junge Veltliner-Jahrgang 2019 rechtfertigt alle Vorschusslorbeeren. Seine Premium-Weine sind jetzt schon herausragend. Das bewies die große Vinaria Verkostung und präsentiert die besten Grünen Veltliner des Landes!

Die Traditionsweingüter aus dem Kremstal und dem Kamptal spielen diesmal die erste Geige. Aber auch aus der Wachau kommen wieder starke Töne. Bei diesem Jahrgang kommen Österreichs Winzer und Winzerinnen schnell ins Schwärmen: „2019 wird sich unter die ganz großen Jahrgänge einreihen, und die Weine werden lang haltbar sein“, sagt etwa die Kremstaler Winzerin Silke Mayr vom Weingut Buchegger / Vorspannhof Mayr.

Michael Moosbrugger von Schloss Gobelsburg sieht das Jahr ebenso positiv: „2019 war für uns Winzer der perfekte Jahrgang. Könnte man sich einen Jahrgangsverlauf aussuchen, wäre es 2019.“ Und auch sein Kamptaler Winzerkollege Willi Bründlmayer spannt den Qualitätsbogen weit auf: „2019 war ein sehr guter Jahrgang – im Vergleich erinnert er mich an 1997.“

Dieses Top-Winzer-Trio steht heuer auch für die drei besten Grünen Veltliner der diesjährigen Vinaria-Premium-Wein-Verkostung: Ganz oben auf dem Siegerpodest ist Silke Mayrs Veltliner Ried Vordernberg vom Weingut Buchegger – ein straffer, bildhübscher Kremstaler mit viel Esprit und Gewicht. Nur einen Hauch landete Willi Bründlmayer mit seinen schon kultigen „Langenloiser Alten Reben“ – einem Ortswein, den der Winzer bereits seit Beginn der 1990er-Jahre macht. Es ist eine Selektion der ältesten, hoch vitalen Reben und bündelt die Vielschichtigkeit des Langenloiser Terroirs in einem Wein. Ebenso toll präsentierte sich Michael Moosbruggers Veltliner aus der Kammerner Ried Renner.

Was in der Verkostung offensichtlich und schmeckbar wurde, waren die hohe Qualität und die Homogenität. Fast kein Wein fiel nach unten aus. Dafür war oben die Dichte groß. Im Finale schafften 20 Weine die ausgezeichneten 17 Punkte und mehr – was in der Vinaria Empfehlungswelt nichts weniger als „herausragende Weine mit Tiefgang, Komplexität, Körper und Rasse“ bedeutet. Rund 70 Weine erreichten zumindest 16 Punkte.

2019er Velltiner mit toller Frucht

Daneben sind vor allem Reintönigkeit und Fruchtbrillanz der Weine aufgefallen. Vor allem die schon bei den mittelkräftigen Veltlinern angemerkte herausgestellte Birnenfrucht war wieder enorm präsent. Die ebenso typischen Apfel- und Zitrusnoten vervollständigten das Veltliner-Fruchtbild. Dunkle Würze und eine appetitliche Säurestruktur sorgten für viel Zug. Kaum zu finden waren hingegen breite Botrytis-Noten und gebrannte Gerbstoffnoten.

Viel Sonnenschein lag über dem Kamptal und Kremstal – denn deren Weine dominierten das Finale. Der Kamptaler Karl Steininger schaffte es mit seinem Ersten-Lagen-Wein Kogelberg ins Scheinwerferlicht. Und der Kremstaler Franz Proidl brachte gleich seine beiden Top-Lagen-Veltliner – Ehrenfels und Pellingen – an die Spitze. Die Überraschungen lieferten der Schönberger Gerhard Deim mit seinem Kamptaler Riedenwein Bernthal und Josef Edlinger aus Furth mit seinem Ausflug über die Gemeindegrenze nach Mautern in der Wachau mit seinem Veltliner aus der Ried Silberbichl.

Die Fahnen aus der Wachau hielten Franz Josef Gritsch aus Spitz sowie Emmerich Knoll aus Unterloiben hoch. Die besten Weine sind der ungemein mineralische Atzberg Smaragd, der dunkelwürzige und mächtige Singerriedel Smaragd, beide von Gritsch, sowie die äußerst präzise Schütt Smaragd und die üppige elegante Veltliner Vinothekfüllung, beide von Knoll. Und auch Fritz Rixinger aus dem Spitzer Graben punktete mit seinem imposanten Singerriedel Smaragd.

Mehr als ein Fingerzeig aus dem Weinviertel

Mit Klasse zeigten ebenso zwei Weinviertler auf: das Weingut Hofbauer-Schmidt aus Hohenwarth im Westen mit seinen Alten Reben DAC und das Weingut Weinwurm aus Dobermannsdorf im Osten mit seiner „Hommage Reserve“, die im 500-Liter-Holzfass ausgebaut ist. Ein ungewöhnlicher, aber Klasse-Veltliner kommt vom Weingut Kemetner aus Etsdorf im Kamptal. Der Wein aus der Ried Karl hat nur 12,5 Volumsprozent, konnte sich aber mit seiner von klirrender Säure geprägten Zitrusfrische im Konzert der stoffigen Veltliner bestens behaupten.

Bei den Premium-Weinen gibt es eine leichte, aber spürbare Tendenz, diese länger auf dem Weingut zu behalten und erst im zweiten oder dritten Jahr nach der Ernte am Markt aufzuzeigen.

Dass trotz der üppigweichen Ausformung des Jahrgangs 2018 die besten Weine durchaus spannend daherkommen, zeigen die besten drei – und hier vor allem der Siegerwein von Petra Unger aus Furth mit ihren Alten Reben aus der Ried Oberfeld 1ÖTW. Bei diesem wuchtigen Wein kommt keine Sekunde Langeweile auf. Der zweite Siegerwein ist bei Karl Lagler in Spitz zu finden mit seinem Axpoint Reserve – ein lössbetonter Wachauer Veltliner.

Die dritte Jahrgangempfehlung kommt von Leopold Figl aus Wagram im Traisental mit seinem Rosengarten-DAC-Veltliner. Dass 2017 zu den besten Jahrgängen der Dekade gehört, stellt der Hollenburger Meinrad Forstreiter unter Beweis: Sein Veltliner mit dem langen Namen „Das weiße Mammut, Ried Kreuzberg Kremstal-Reserve“ reifte zwölf Monate im Barrique und lag zwölf Monate auf der Feinhefe.

Ob am Ende 2017 oder 2019 als größeres Jahr in die Weingeschichte eingehen wird – da werden noch viele Jahrgänge durchs Land ziehen. Zweifelsfrei gehören beide zu den großen Veltliner-Jahren. Beide, 2019 und 2017, machen jetzt schon Spaß – haben aber merkbar Reserven für ein langes Leben. Somit ist alles angerichtet für zweimal großes Veltliner-Kino! Dem Jahrgang 2018 nimmt man dieses Potenzial im Allgemeinen nicht ab. Wobei wenige – die allerbesten Veltliner, wie wir sie im Vorjahr an dieser Stelle gesehen haben – auch in diesem Jahr reüssieren. Und wer säuresensibel ist, wird an den milden 2018er-Weinen sowieso viel Freude haben.

INFO:
Zur Verkostung waren Grüne Veltliner der Premium-Kategorie, Reserven und Einzellagenweine aus dem Jahr 2019 und den Jahrgängen davor, sofern aktuell, zugelassen. Vom Restzuckergehalt her mussten die Weine trocken sein. Die Proben stammten überwiegend aus Niederösterreich. Drei Viertel der Weine waren mit Schraubverschluss verschlossen, der Rest mit Naturkork. Alle Weine wurden verdeckt verkostet. Für Vinaria degustiert und bewertet haben: Dietmar Bruckner, Peter Schleimer, Adi Schmid und Hans Pleininger.

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Topliste Grüner Veltliner Premium 2019 (Auszug)

18,3   Buchegger | 2019 Ried Vordernberg 1ÖTW Gedersdorf
18,0   Weingut Bründlmayer | 2019 Langenloiser Alte Reben
18,0   Schloss Gobelsburg | 2019 Ried Renner 1ÖTW Kammern
17,9   Steininger | 2019 Ried Kogelberg 1ÖTW Terrassen
17,7   Proidl | 2019 Senftenberg Ried Ehrenfels 1ÖTW
17,6   Atzberg | 2019 Ried Atzberg Obere Steilterrassen Smaragd
17,6   Schloss Gobelsburg | 2019 Ried Grub 1ÖTW Kammern
17,5   Gerhard Deim | 2019 Ried Schönberger Bernthal
17,5   Josef Edlinger | 2019 Mautern Ried Silberbichl
17,5   Franz-Josef Gritsch | 2019 Ried Singerriedel Smaragd
17,5   Knoll | 2019 Loibner Ried Schütt Smaragd
17,5   Proidl | 2019 Senftenberg Ried Pellingen 1ÖTW
17,4   Birgit Eichinger | 2019 Ried Lamm 1ÖTW
17,4   Hofauer-Schmidt | 2019 Alte Reben WV-R
17,4   Knoll| 2019 Vinothekfüllung Smaragd
17,4   Rixinger | 2019 Ried Singerriedel Smaragd
17,4   Georg Weinwurm | 2019 Hommage Reserve NÖ
17,2   Kemetner | 2019 Ried Karl
17,0   Alfred Markus Deim | 2019 Ried Bühel Terrassen
17,0   Franz-Josef Gritsch | 2019 Ried Loibenberg Smaragd
16,9   Niki Windisch | 2019 Ried Sonnleithen Alten Reben WV-R
16,7   Domäne Wachau | 2019 Ried Achleiten Smaragd
16,7   Kemetner | 2019 Ried Karl Etsdorf Alte Reben
16,7   Ludwig Neumayer | 2019 Der Wein vom Stein Inzersdorf TR
16,7   Josef Schmid | 2019 Kremser Gebling 1ÖTW
16,7   Richard Walzer | 2019 Ried Gebling Krems NÖ
16,7   Wieninger | 2019 Ried Kaasgraben Sievering WI
16,6   Allram | 2019 Ried Rosengartl
16,6   Markus Huber | 2019 Getzersdorfer Ried Berg 1ÖTW TR
16,5   Atzberg| 2019 Ried Atzberg St. Michael Steilterrassen Smaragd
16,5   Erich Bayer | 2019 Sophie Smaragd
16,5   Domäne Wachau | 2019 Ried Kellerberg Smaragd
16,5   Josef Edlinger | 2019 Optimas
16,5   Franz-Josef Gritsch | 2019 Ried Hochrain Smaragd
16,5   Haimerl | 2019 Ried Gobelsburger Spiegel
16,5   Leth | 2019 Ried Scheiben 1ÖTW WG
16,5   Prager | 2019 Wachstum Bodenstein Smaragd
16,5   Setzer | 2019 „8000“ Ried Laa WV-R
16,5   Wieninger | 2019 Ried Preussen 1ÖTW Nussberg WI

Topliste Grüner Veltliner Premium Reserven

17,4   Forstreiter | 2017 Das Weiße Mammut Ried Kreuzberg KR-R
17,1   Petra Unger | 2018 Ried Oberfeld 1ÖTW Alte Reben KR-R
16,6   Lagler | 2018 Ried Axpoint Reserve WA

Topliste Grüner Veltliner Premium Best Buy bis 10,00 Euro (Auszug)

17,5   Josef Edlinger | 2019 Mautern Ried Silberbichl, € 9,00
17,2   Kemetner | 2019 Ried Karl, € 9,00
17,0   Alfred Markus Deim | 2019 Ried Bühel Terrassen, € 5,90
16,5   Haimerl | 2019 Ried Gobelsburger Spiegel, € 8,00
16,3   Völkl | 2019 Ried Fuchsloch, € 9,50
16,2   Blaha | 2019 Ried Reipersberg NÖ, € 6,40
16,2   Herzinger | 2019 Ried Kirchbergen TR, € 7,50
16,2   Niki Windisch | 2019 Ried Hofweingärten NÖ, € 9,00
16,1   Herwald Hauleitner | 2019 Parapluiberg TR, € 9,00
16,0   Fuhrgassl-Huber | 2019 Schönherr Alte Reben WI, € 9,90
16,0   Leo & Dagmar Wunderer | 2019 Alte Rebe NÖ, € 8,50
15,9   Weingut Wien Cobenzl | 2019 Grinzing WI, € 8,90
15,9   Markus Redl | 2019 Ried Holzgasse Reserve NÖ, € 4,70
15,9   Sax | 2019 Ried Panzaun, € 10,00
15,7   Winzerhof Stift | 2019 Methusalem NÖ, € 9,00

Silke Mayr vom Vorspannhof © POV / Robert Herbst
Willi Bründlmayer © Weingut Bründlmayer
Michael Moosbrugger © Schloss Gobelsburg
Karl, Eva, Peter Steininger © Weingut Steininger
Patrick Proidl © ART75 Edwin Dullinger
Franz-Josef Gritsch © Georg Semrad
Gerhard jun. und Gerhad sen. Deim © Weingut Deim