Während in Deutschland wegen des neuerlichen Lockdowns die Wogen in Gastronomie und Hotellerie hochgehen, planen Österreichs Gastgeber derzeit keine Kampfmaßnahmen. Alle Hoffnung gilt der Rettung der Wintersaison ab Dezember.

Für die Weihnachtsmärkte hingegen scheint es wenig Hoffnung zu geben. Besucherbeschränkungen, hohe Auflagen und vor allem ein Ausschankverbot drohen, welches die Märkte ins Herz treffen würde. Salzburg hat schon abgesagt, Wien möchte vorerst verschieben und verkürzen.

In Deutschland ist die Lage ähnlich trist. Dort gehen allerdings die Wogen in Gastronomie und Hotellerie hoch. Klagen mit Eilanträgen gegen die Gastro-Schließung sind anhängig (wohl ohne Erfolg), Wut-Wirte lassen in Shitstorms und auf Videoplattformen Dampf ab und die Sau raus. Gasströmen haben über „alle Politiker Hausverbot verhängt“ (Ständige Vertretung, Berlin), für die Zeit nach dem Lockdown wohlgemerkt.

Vor allem die Branchenverbände DEHOGA in den deutschen Bundesländern laufen Sturm gegen den Lockdown, attackieren die Bundesregierung scharf, befürchten Pleitewellen und finden die Maßnahmen völlig überzogen. Demnach stimme es nicht, dass die meisten Corona-Ansteckungen in Beisln und Restaurants erfolgen, sondern im Privatbereich.

Große Hotels schreiben mittlerweile horrende Verluste infolge der Corona-Pandemie. Alleine dem Münchener Bayerischen Hof, dem umsatzstärksten Hotel Deutschlands mit zuletzt über 80 Millionen Euro Jahresumsatz, fehlen bis dato 32 Millionen Euro Umsatz. Der Hotelkette Motel One fraß das Virus bis Ende September 116 Millionen Euro weg. Nur zwei Beispiele von tausenden.

In Österreich ist die Lage ähnlich ernst: Wenn die deutsche Reisewarnung für Österreich nicht fällt – wonach es nicht aussieht – stehen die Wintersaisonen in Salzburg, Tirol Vorarlberg und Kärnten an der Kippe. Dazu kommt die europaweit unselige Erinnerung an das Thema „Ischgl“ – und die bornierte Haltung der Tiroler Behörden dazu, bis hinauf zum Landeshauptmann.

Heute müssen zum Teil ausgebuchte Hotels schließen aufgrund der neuen Verordnung zum Lockdown. Etwa der bekannte Stanglwirt in Tirol, bei dem dem Vernehmen nach 360 Gäste abreisen müssen. Man verstehe aber die Situation und hoffe für Dezember auf das Beste.

Wirtschaftskammer nimmt Regierung in die Pflicht

Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich, sieht noch Verständnis bei ihren Kollegen, nimmt aber die Bundesregierung in die Pflicht: „Derzeit haben wir seitens der Fachgruppe als auch seitens des Fachverbands keine rechtlichen Schritte vor, wie etwa in Deutschland. Auch hat der jüngste Call mit vielen führenden Kollegen am vergangenen Samstag abend keine derartigen Tendenzen gezeigt. Sogar jene, die gutes Geschäft haben, hatten Verständnis dafür gezeigt.“

Aber die Versprechen der Regierung (80% Umsatzentgang werden an die Betriebe, die schließen müssen, ausbezahlt) müssen halten: „Die geplanten Kompensationen, die wir gefordert haben, sind hoffentlich nicht nur Absichtserklärungen, da warten wir noch auf die Details, viele Fragen sind offen, die sehr schnell geklärt werden müssen. Unsere Betriebe brauchen Planungssicherheit ab Dezember.“

Die „verbotene Frage“: Wer soll das bezahlen?

Offen bleibt generell in Österreich die Frage, wer das alles bezahlen soll beziehungsweise wie die Kosten der Pandemie finanziert werden sollen. Da ist der Unterschied zu Deutschland nämlich grundsätzlich: die deutschen Haushalte erwirtschaften seit gut zehn Jahren hohe Haushaltsüberschüsse, sitzen daraus auf Reserven von hunderten Milliarden(!) Euro. Deutschland zahlt den Lockdown aus der Portokasse, braucht keinen Schutzschirm, keine EU-Hilfen und keine zinsenfreien EZB-Kredite.

In Österreich hingegen werden laufend Budgetdefizite geschrieben, scheitern Regierungen am Nulldefizit und sind Schulden in dreistelliger Milliardenhöhe zu bedienen. Der Frage, wer das wie bezahlen soll, weichen sowohl der Bundeskanzler wie auch sein Intimus, der Finanzminister, in großem Bogen aus. Die sondermediengeförderten Massenmedien verstehen sich seit Beginn der Pandemie sowieso als reine Verkündigungs-Organe der Regierungspropaganda und stellen keine unangenehmen Fragen.

Sebastian Kurz © Reuters/L.Föger
Susanne Kraus-Winkler © Mischa Nawrata/WKO
© Shutterstock