Wer an Alkohol denkt und an Russland, hat meist sofort das Nationalgetränk Vodka im Sinn. Jetzt nimmt Putins Riesenreich den weltweiten Weinmarkt ins Visier. Und hat sich erstmals ein Weingesetz verpasst.

Auch die Fassbindereien in Russland sollen stark ausgebaut werden. Hier die Binderei des Weinguts Fanagoria, einem der bekanntesten des Landes. © Fanagoria Estate Winery

Rot-und Weißweine aus dem warmen Süden Russlands, aus den Regionen an der Wolga und am Schwarzen Meers, sollen die Weinkarten erobern. Anbaugebiete sind vor allem die an die östliche Schwarzmeerköste angrenzenden Gebiete und die Provinz Krasnodar, angrenzend an die Region rund um die Olympiastadt Sotchi.

Die Wiege des Weinbaus liegt, so Historiker, ohnehin im angrenzenden Kaukasus, wo vor mehreren tausend Jahren schon im heutigen Georgien und Armenien Wein gepflanzt wurde. Von dort stammen auch die derzeit bei vielen Winzern gehypten Amphoren zur Weinproduktion.

Die russischen Winzer spezialisieren sich - mit Hilfe von Experten aus Italien und Frankreich, aber auch aus Österreich - auf erstklassige Weine. Die Rebfläche wächst, für einige Sorten liefern Rebschulen aus Österreich widerstandsfähige Setzlinge. Eine große Rebschule aus dem Burgenland ist schon seit längerem dick im Geschäft mit den russischen Weinbauregionen.

Das erste Weinbaugesetz Russlands legt den russischen Wein als Marke fest. Die ersten Tropfen vor allem aus der Region Krasnodar punkteten bereits bei internationalen Verkostungen; auch wenn es sich dabei nicht um die wichtigsten handelt. Auch auf großen Weinmessen bis hin zur ProWein waren Stände gebucht, ehe Corona den Ambitionen einen Strich durch die Rechnung machte.

Das neue Weingesetz trat im Sommer 2020 in Kraft und regelt vorerst einmal elementare Dinge: Etwa, dass russischer Wein nur noch aus russischen Trauben gekeltert werden darf. Die Verwendung von importiertem Traubenmost ist nunmehr verboten. Weiters wurden Regeln für die Herstellung von Wein festgelegt, die Qualitätskontrolle verbessert und geografische Bezeichnungen geschützt.

Geplant ist, die gesetzlichen Richtlinien weiter voran zu treiben und in die Tiefe zu gehen mit dem Regelwerk. Dieses hat in der aktuellen Form noch wenig zu tun mit den ausgefeilten Weingesetzen etwa aus Österreich, Deutschland oder Italien.

Bisher hatte Russland nur sehr wenig Weinbautradition, sieht man von der 2014 einverleibten Halbinsel Krim ab, die schon zu Stalins und der Zaren Zeiten für den Krimsekt bekannt und gefürchtet war. Für diesen wurde allerdings aufgezuckert und dosiert, was das Zeug hielt. Krimsekt war in seiner mildesten Form meist haltrocken, sonst geradezu picksüß. Von dem Billig-und Weinpanscher-Image möchte Russland wegkommen.

Die eigene Bevölkerung soll zudem motiviert werden, von dem in großen und nachhaltig gesundheitsschädlichen Mengen konsumierten Vodka auf verträglicheren Wein umzusteigen. In den vergangenen Jahren produzierte Russland rund 30 Millionen Hektoliter Wein, aber höchstens ein Drittel aus russischen Trauben. Den viel größeren Rest aus importiertem Traubenmost. Die Winzer wissen noch nicht, wie sie die Gesamtmenge produzieren sollen. Die Rebflächen sind viel zu klein, Produktions- und Lagerkapazitäten reichen bei weitem nicht aus.

Zum Vergleich: Österreich produziert bei durchschittlicher Erntemenge rund 2,5 Mio Hektoliter, Deutschland weitaus mehr als Russland. In Russland selbst wird der Wein trotzdem bestenfalls um Platz 3 am Stockerl kämpfen. Bei der Produktion alkoholischer Getränke liegt Bier mit 676 Mio HL weitaus voran, gefolgt von Vodka mit 80 Mio HL.

Russlands Vorzeige-Patriot Dmitri Konstantinowitsch Kisseljow (66), der Propadandachef des Kreml, ist neuer russischer Weinbaupräsident, Chef des jungen Weinbauverbandes. Er selbst ist – auch – Winzer, auf der Krim, wo er Sekt unter der Marke „Cock t’est belle“ erzeugt. Kisseljow sieht jedenfalls großes Potenzial: „100 Jahre ist in Sachen Weinbau in Russland nichts passiert.“ Im Hauptberuf ist Dmitri Kisseljow Generaldirektor der staatlichen Nachrichtenagentur Rossija Sewodnja, zu der auch das Nachrichtenportal Sputnik gehört.

Das sind die 6 wichtigsten russischen Weinbaubetriebe:

1. Abrau-Dyurso
2. Myskhako
3. Fanagoria
4. Massandra
5. Solotaja Balka
6. Nowyj Swet

Weitere Informationen zu diesen Betrieben finden Sie in deutscher Sprache und nicht ganz frei von Propaganda in den Downloads.