Schweiz zahlt Millionen für Wein-Vernichtung

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Der Wein wird in Fonduemischungen und Fertigsuppen verwertet oder zu Essig verarbeitet. 10 Millionen Franken bezahlt der Schweizer Bund, damit die Weinproduzenten ihre hochwertigen Weine der letzten Jahre vernichten. Pro Liter AOC-Wein, der zu Tafelwein deklassiert wird, gibt es maximal zwei Franken. Im Gegenzug müssen die Traubenproduzenten ihre Erträge pro Quadratmeter Rebfläche drosseln. Gefordert wird in der Schweiz auch, das Einfuhrkontingent von derzeit 170 Mio Liter Wein pro Jahr zumindest befristet zu senken.

Es sind schwere Zeiten, welche die Weinbranche in der Schweiz gerade durchmacht; das Corona-Virus ist nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: die Absätze brachen während des Lockdowns um rund 40 Prozent ein. Die Krise aber war schon vorher da. 2018 und 2019 waren hervorragende Jahrgänge mit überdurchschnittlich hohen Ernteerträgen. Mit den Mengen kann der Konsum nicht mithalten. In der Schweiz fürchten viele Winzer um ihre Existenz.

Wein zu Desinfektionsmittel - Schweizer Wein könnte bald zu Desinfektionsmittel verarbeitet werden. Marco Romano, Präsident des Branchenverbands Wein und Reben, forderte den Wiederaufbau des nationalen Ethanollagers, das vor einigen Jahren geschlossen wurde. Am Höhepunkt der Pandemie aber wurden die Desinfektionsmittel knapp. Es sei zwar erniedrigend, Wein in Desinfektionsmittel zu verwandeln, sagte Romano in einem Interview. Aber das sei immer noch besser, als diesen in die Rhone zu schütten.

Zuletzt taten dies französiche Winzer, die rund 2 Mio Hektoliter Wein zur Verarbeitung zu Desinfektionsmittel lieferten. Das ist exakt jene Menge an Überschusswein, auf dem – wie mehrfach berichtet – auch die österreichischen Winzer sitzen. Und eine weitere Rekordernte 2020 droht auch in Österreich.

Trauben des Zorns - Viel Schuld an der Misere sehen die Schweizer Winzer bei der EU und deren Mitgliedsländern. Diese würden den Markt durch Förderhilfen für Wein massiv verzerren, kritisieren etwa junge Westschweizer Winzer, die sich zum Protestkomitee „Les raisins de Colère“ (Die Trauben des Zorns) zusammengeschlossen haben. Weil der Absatz auch in den großen Weinländern Italien, Frankreich und Spanien wegen der Pandemie einbrach, haben diese Länder ihre Unterstützungsbeiträge für den Weinmarkt kräftig aufgestockt. Damit gelangt Wein auf den Markt, der zu Preisen verkauft wird, die nicht annähernd die Kosten deckten.

Auch an den Verarbeitern geht die Krise des Schweizer Weins nicht vorüber. So rettete sich die Winzergenossenschaft Provins schon im Vorjahr vor der Pleite in die Übernahme durch den Agrarkonzern Fenaco. Provins verarbeitet ein Zehntel der Schweizer Trauben zu Wein, konnte bei der Ernte 2019 ihre Traubenlieferanten nicht mehr bezahlen.