Der Himmel wurde schwarz, schweres Donnergrollen kam langsam vom Waldviertel näher Richtung Donau. Dann schlug die Natur mit einem gewaltigen Hagel-Wolkenbruch zu. Am Ende standen 100 Hektar total zerstörte Weingärten in Spitz.

Der Nachmittag des Samstag, 22. August 2020, hat in und um Spitz in den Weingärten alles verändert. Binnen Minuten waren rund 100 Hektar beste Rebflächen in bekanntesten Lagen zerstört. Das meiste zur Gänze, der Rest so geschädigt, dass kaum Hoffnung auf eine Restlese besteht.

Die besten Rieden der Wachaustadt wie Axpoint, Setzberg, Steinporz und Singerriedel nahmen schweren Schaden. Das Epizentrum des Hagelunwetters lag in Spitz ausgerechnet rund um und hinter der Kirche. Nach dem Sturm war in zahllosen Weingärten kein Blatt mehr an den Rebstöcken und keine unbeschädigte Traube.

Wer eine Hagelversicherung hat, kann noch auf Schadenersatz in Form des durchschnittlichen handelsüblichen Traubenpreises hoffen. Schwacher Trost für die Spitzenwinzer der Region, die entsprechend hochpreisige Weine gerade aus den betroffenen Rieden keltern. Wer keine Versicherung hat, geht überhaupt leer aus.

Die Schäden sind derart enorm, dass die Spitzer Winzer auch noch im kommenden Jahr (2021) mit Ertragseinbußen rechnen. Franz-Josef Gritsch vom Mauritiushof in Spitz nach einem Lokalaugenschein: "Die Triebe sind so schwer angeschlagen, dass wir im Winter den Rebschnitt mittels Zapfenschnitt machen werden müssen, anstatt des üblichen Streckerschnitts. Das bedeutet in jedem Fall weniger Ertrag im nächsten Jahr."

Jetzt muss aber ohnehin gehandelt werden: Die verbliebenen Trauben müssen rasch mit einer Backpulverlösung gespritzt werden, damit sie trocknen können und geschützt werden vor den gefürchteten Essigbakterien, die die Trauben faulen lassen.

Durch das abgeschlagene Laub und die Substanz, die dieser Eingriff der Natur den Rebstöcken abverlangt, wird sich die Reife der verbliebenen Trauben um etwa drei Wochen nach hinten verschieben. "Wichtig wäre jetzt trockenes Wetter, damit wir der Fäulnis entkommen", so ein betroffener Winzer.

Spitz war das Zentrum des schweren Hagelunwetters am 22. August 2020, die Rebstöcke danach kahl. © Franz-Josef Gritsch
Schwer verletzte Trauben in Spitz: Die Beeren der verbliebenen Trauben sind aufgeplatzt. © Franz-Josef Gritsch
Kein Blatt mehr am Stpck, meist auch keine Trauben: Die Reben werden ein Jahr zur Erholung brauchen. © Franz-Josef Gritsch