Die Siege der großen Vinaria Verkostung der „mittelgewichtigen“ Grünen Veltliner mit 12,5% vol. Alk. gehen an Birgit Eichinger aus Straß (Kamptal) und Tom Dockner aus Theyern (Traisental). Heute im doppelten word rap.

BIRGIT EICHINGER

Vinaria: Was charakterisiert die Strasser Lage Ried Hasel?

Birgit Eichinger: Die Ried Hasel ist leicht süd-abfallend und ist ein reiner Lössboden – dadurch hat sie eine gute Wasserversorgung. Unsere Rebstöcke dort sind 25 bis 50 Jahre alt und wurzeln tief, somit gibt es auch in warmen Jahren keinen Trockenstress. Wir haben im Hasel fünf verschiedene Weingärten, die alle im Mittelteil sind, insgesamt 3,5 Hektar.

Was war 2019 bei der Weingartenarbeit besonders wichtig?

Was immer wichtig ist, ist das saubere Arbeiten, und die Beschattung der Trauben war die vergangenen Jahre das Um und Auf. Die Jahre 2017, 2018 und 2019 war es warm. Ich habe daher wenig entblättert, nur auf der Nordseite. Auf der Südseite haben wir nichts gemacht. Wir haben auch gewusst, wir müssen früh lesen. Wir haben 2019 die Weinlese in 14 Tagen durchgehabt. Man hat nichts auslesen müssen, alles war gesund. Im Hasel haben wir alles auf einmal runtergenommen. Das Traubenmaterial von dort hat 18,5 KMW gehabt, jeden Tag mehr warten, wär die Säure weggegangen.

Wie lange hält sich der Veltliner Hasel 2019?

Den warmen Jahrgang hat unser Hasel 12,5 Prozent plus, ist also im oberen Bereich. 2019 war das Traubenmaterial supergesund und superreif. Im Normalfall muss der Veltliner Hasel locker zehn Jahre aushalten. Kürzlich war ich wo dabei, wo Hasel 1994 aufgemacht wurde – und der war noch immer gut. Ich hatte damals gerade begonnen, Vinaria schrieb damals über mich und diesen Wein als „ersten Achtungserfolg“.

Sie werden von Ihrer Tochter Gloria im Betrieb unterstützt?

Wir verstehen uns gut. Wir machen im Keller viel miteinander, und sie ist auch draußen im Weingarten voll mit dabei. Was sie mir Gott sei Dank schon voll abnimmt, ist die englische Korrespondenz – sie war ja, bevor sie zu Hause eingestiegen ist, in Neuseeland praktizieren. Auch lass ich sie immer mehr Präsentationen machen.

Wie muss für Sie ein typischer Kamptal-DAC-Veltliner schmecken?

Unser gebietstypischer Veltliner muss nicht nur fruchtig sein, sondern auch Würze haben. Er muss unbedingt diesen sprichwörtlichen Pfeffer und darf auch Kräuterwürze haben. Viel macht auch aus, die Weine lang auf der Vollhefe zu haben. Ich lasse meine Einstiegsweine, wie den Hasel, bis Ende Jänner auf der Vollhefe. Und es ist wichtig, die Weine nicht eiskalt zu vergären.

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TOM DOCKNER

Vinaria: Der Theyerner Berg iom Traisental ist noch wenig bekannt. Was zeichnet die Ried aus?

Tom Dockner: Fährt man von Inzersdorf ob der Traisen zu uns nach Theyern rauf, kommt man auf ein Hochplateau mit sanften Hügeln. Der Theyerner Berg ist gemeinsam mit der Lage Brunndoppel die höchste Riede des Traisentals und geht von 360 auf 410 Meter hinauf. Weingärten auf 400 Meter, das ist generell relativ hoch für den Donauraum. Aber die Höhe ist jetzt, da wir viele heiße Sommer haben, ein Vorteil. Durch das kühlere Klima sind wir sieben bis zehn Tage später dran als unten in Nußdorf ob der Traisen, wo Theyern als Katastralgemeinde dazugehört. Klimatisch wären wir bezüglich Reifezeitpunkt vergleichbar mit Spitz an der Donau. Zu Krems, wohin es nur wenige Kilometer Luftlinie sind, haben wir im Tagestemperaturvergleich in Theyern um 1,5 Grad Celsius weniger. Von der Bodenbeschaffenheit hat die Ried Theyerner Berg einen hohen Aktivkalkgehalt, darunter ist Konglomerat, die Lössauflage beträgt ein bis vier Meter.

Welche Bedeutung hat die Lage für Sie?

Die Lage umfasst 35 Hektar, aber nur 20 Hektar sind mit Reben bepflanzt. Die Ried gibt es schon seit 1389, war aber zwischenzeitlich komplett verschwunden. Wir haben wir vor zwölf Jahren angefangen am Theyerner Berg Weinstöcke zu setzen. Heute haben wir dort mit acht Hektar die größte Fläche. Der Vorteil hier oben in Theyern ist, dass die physiologische Reife normal vorangeht, die Zuckerreife aber hinten nach ist. So sind die Weine supersaftig, haben eine schöne Säure, und es geht sich mit 12,5 Volumsprozent aus.

Welche Schwerpunkte setzen Sie im Keller?

Ich bin Anhänger des langsamen Ausbaus. Da wir spontan oder mit sehr wenig Hefe arbeiten, gären bei mir die Weine lang, oft einen Monat. Es gibt daher bei uns auch keinen Jungwein, die ersten Weine kommen frühestens ab März, der Theyerner Berg ab April und die Top-Lagen ab September.

Sie sind seit Kurzem Mitglied der Österreichischen Traditionsweingüter.

Ja, seit zwei Monaten und es ist schön, mit einer so tollen Gruppe gemeinsam zu arbeiten. Wir sind ein Familienweingut und betreiben seit vier Generationen in Theyern Weinbau. Ich habe im Alter von 25 Jahren 2007 die Verantwortung fürs Weingut bekommen. Damals hatten wir sieben Hektar Wein und einen Obstbau, den wir aber aufgegeben haben. Heute bewirtschaften wir 21 Hektar Weingärten. Der Grüne Veltliner macht 65 Prozent aus, der Riesling 15 Prozent. Mit den Rieden Pletzengraben und Hochschopf haben wir zwei Erste Lagen (Anm.: 1ÖTW).

Das Traisental steht für „Kalk“. Wie wirkt sich das auf den Charakter der Weine aus?

Ja, der Kalk prägt schon unsere Weine, und so schmeckt das Traisental durch das kreidig-mineralische und die frische Frucht auch anders. Der Kalk macht die Weine jedenfalls straffer, und das sorgt für Trinkfreude. Durch den hohen Kalkgehalt im Boden werden die Weine nicht so opulent – auch in einem warmen Jahr, wenn es auf 13,5 und 14 Prozent raufgeht, schmecken die Weine dadurch leichter.