Europas Weinbaugebiete stehen vor dem Beginn der Hauptlese und in Erwartung eines durch die Bank ausgezeichneten Jahrgangs 2020, in Qualität und Quantität. Aber Die Weinlager sind voll, Europa ertrinkt im Weinsee.

Corona hat den europäischen Winzern und Weinhändlern den Rest gegeben. Durch die guten Jahrgänge in jüngerer Vergangenheit waren die Lager schon vor der Pandemie gut gefüllt, Corona gibt den Rest: der monatelange Ausfall der Gastronomie, Totalausfall bei größeren Events und Catering, Einbruch des asiatischen und da wieder vor allem des chinesischen Marktes, dem größten Weinmarkt der Welt.

Zu allem Überdruss streitet US-Präsident Donald Trump mit Gott und der Welt, überzieht Wein-Europa mit Strafzöllen bis zu 25%. Der US-Markt ist dabei ohnehin schon vom Lockdown hart getroffen. Hunderte Millionen Euro stellten die EU-Regierungen in diesem Jahr bereits als Sonderhilfen für den Aufkauf großen Weinmengen zur Verfügung. Bei der folgenden „industriellen Verwertung“ werden meist Desinfektionsmittel genannt. In Wahrheit landen die Altweine aber in der Biosprit-Produktion; soviel Desinfekt braucht die ganze Welt nicht.

„Green harvesting“, vereinfacht gesagt: das Ausdünnen des Rebertrages durch Wegschneiden von Trauben vor der Reifephase, wird mittlerweile ebenfalls gefördert und auch im Massenweinsegment eingesetzt. Bei hohen Weinqualitäten ist die Ertragsreduktion ohnehin ein Muss.

In der Champagne einigten sich Produzenten und Trauben liefernde Winzer im letzten Moment auf einen Hektarertrag von 8.000 Kilogramm im sehr guten Weinjahr 2020. Die Rebanlagen geben mitunter das doppelte her. Der Mehrertrag muss anderweitig verwertet werden, vom Traubensaft bis zum Biosprit.

In der Toskana einigten sich die Konsorzien etwa auf eine Reduktion der Brunello-Produktion um 12,5 %. Italien fördert zudem mit einem eigenen Programm das Downsizing teurerer – und noch schwerer vermarktbarer Weine – auf die Stufen darunter.

In Spanien, wo eine um 14% höherer Ernte erwartet wird als 2019, stellte die Regierung 92 Mio Euro zur Ertragsreduktion zur Verfügung, in Form von Ausgleichszahlungen. In ganze Europa wird die Lagerkapazität knapp. Selbst bei Produzenten, die ihre Weine von Haus länger lagern, etwa Rotweine.

Das Consorzio Chianti Classico in der Toskana rief zur gemeinsamen Nutzung freier Weinlager auf und erlaubt den Mitgliedern, für maximal ein Jahr den Wein auch außerhalb der genau festgelegten geografischen Region zu lagern.  Bislang durfte das nur in den Provinzen Florenz und Siena geschehen.

Frankreich stellte, wie berichtet, ein Hilfsprogramm für Winzer über 250 Mio Euro zusammen, steht vor einer erwarteten Erntemenge von über 45 Mio Hektoliter Wein.