Das Deutsche Weininstitut (DWI) ortet verstärkte Nachfrage nach Cuvées, obwohl in Deutschland verbreitet Vorbehalte gegenüber cuvetierten Weinen bestehen. Nur bei Bordeaux und Chianti haben die Deutschen keine Berührungsängste.

Anlässlich der erstmaligen Vergabe eines Sonderpreises für Rotwein-Cuvées zur Bundesweinprämierung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) in diesem Jahr sagte die Geschäftsführerin des Weininstituts, Monika Reule, Weine aus unterschiedlichen Rebsorten würden in Deutschland immer noch mit dem unschönen Wort „Verschnitt“ bezeichnet. „Dabei ist die Herstellung einer Cuvée eigentlich die höchste Kunst der Weinproduktion“, so Reule.

Unter „Verschnitt“ versteht man landläufig etwas Geringwertiges, das ist in Deutschland so und in Österreich auch. Für viele Konsumenten ist es da nicht weit, vom Verschnitt zum gepantschten Wein. Dass fast alle Bordeaux und Chianti-Weine, die in Deutschland sehr verbreitet sind, ebenfalls und schon immer Cuvées sind und waren, ist den Konsumenten dort nicht so recht bewusst.

Eine Cuvée ist wegen ihrer Möglichkeiten beim Arrangement komplexer Aromen viel mehr als die Summe der beteiligten Rebsorten, es erfordert viel Können und Fingerspitzengefühl der Winzer. Eigentlich, so das DWI, die hohe Kunst des Weinmachens.

In den vergangenen zehn Jahren nahm der Anteil der Cuvées bei den zur Bundesweinprämierung in Deutschland eingereichten Weinen von 3,5 auf 8 Prozent zu. In diesem Jahr waren es 267 Cuvées insgesamt, darunter 148 Rotwein-Cuvées. In die Endrunde für den Sonderpreis des Deutsches Weininstitut, der Ende Oktober vergeben wurde, kamen die 30 besten Rotwein-Cuvées.

Den ersten Preis errang dabei die 2017er „Cuvée I – Christophe Meyer“ des Winzerkellers Hex vom Dasenstein aus dem badischen Kappelrodeck. Diese Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot entspricht der klassischen Bordeaux-Cuvée.

In Österreich gibt es diese Vorbehalte gegen Cuvées überhaupt nicht. Im Gegenteil, viele Konsumenten schätzen gerade diese Weine, weil sie oft in der Jugend zugänglicher und geschmacklich ausgewogener sind als reinsortige Rotweine.