Knalleffekt in der Weinregion Wachau: Das Flaggschiff-Weingut F.X. Pichler tritt mit sofortiger Wirkung aus der Vinea Wachau aus! Zudem wird F.X. Pichler die Begriffe Smaragd, Federspiel und Steinfeder bei seinen Weinen nicht mehr verwenden. Kern des Konflikts: Herkunft vor Zucker!

"Wachau DAC ersetzt die alten Weinkategorien", so die Pichlers unisono. So überraschend der Schritt der Familie Pichler auch erscheinen mag: für Insider kommt dieser nicht von ungefähr. Das Weingut F.X. Pichler in Loiben, für viele internationales Aushängeschild des Wachauer und des österreichischen Weißweins, steht hinter der neuen Wachau DAC-Verordnung und wollte dies zum Anlass nehmen, die Qualitätskriterien des Vereins Vinea Wachau neu zu definieren.

Zwei Forderungen des Weinguts F.X. Pichler standen dabei im Vordergrund: die hochwertige Smaragd-Kategorie nur noch für Weine aus den besten Lagen oder – besser: und – die Abschaffung der Zuckergrade, die die Abstufungen zwischen Steinfeder (leicht), Federspiel (mittel) und Smaragd (kräftig) bilden. Dem wollte der Vorstand des Gebietsschutzverbands Vinea Wachau Nobilis Districtus nicht folgen. Wie die über 200 Mitgliedswinzer des Vereins dazu stehen, ist im Moment nicht bekannt.

Adieu, Smaragd!

Auf den Etiketten des international renommierten Weingutes werden ab dem Jahrgang 2020 die Vinea Wachau-Kategorien wie Federspiel oder Smaragd nicht mehr Verwendung finden. Es ist eine Entscheidung, die beide Generationen – Franz-Xaver Pichler mit seiner Frau Rudolfine sowie Lucas und Johanna Pichler - gemeinsam getroffen haben.

Mit dem Jahrgang 2020 tritt für die Weine der Wachau die neue DAC-Verordnung in Kraft, welche die Bezeichnung von Herkunftsweinen reglementiert. Das Ringen um Wachau DAC zog sich, wie von Vinaria oftmals berichtet, über ein Jahrzehnt dahin und sorgt bis heute für Streit und heftige Diskussionen. Nicht zuletzt der diplomatischen Kompetenz und Ausdauer von Topwinzer Toni Bodenstein, Chef im Weingut Prager, war es geschuldet, dass es letztlich zu einer für die Wachau sehr guten DAC-Lösung kam. Bodenstein ist aktuell auch Obmann des Weinkomitees Wachau.

Für die Wachau ist nun eine dreistufige Kategorisierung in Gebiets-, Orts- und Riedenweine vorgesehen. Die wichtigsten Qualitätskriterien der Gebietsvereinigung Vinea Wachau (etwa verpflichtende Handlese und Verbot der Mostanreicherung) wurden in die DAC-Verordnung übernommen. „Wir sind mit der DAC-Regelung insgesamt durchaus einverstanden, wenngleich wir es bedauern, dass Traditionssorten wie Gelber Muskateller oder Neuburger keine Lagenbezeichnungen mehr tragen dürfen, sondern nur als Gebiets- oder Ortswein ohne Lage gefüllt werden dürfen.“, meint Lucas Pichler.

Lucas Pichler: „Herkunft statt Zucker!“

Wesentlicher aber ist für Pichler, dass es nun zu einer Doppelgleisigkeit kommt, da die DAC-Regelungen vollständig auf Herkunftsvermarktung abzielen, während die Vinea-Regelungen auf Zucker-Gradationen basieren. „Die Einführung der DAC-Verordnung wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, die Vinea-Regelungen zu novellieren – etwa eine Limitierung der Bezeichnung Smaragd auf die besten Lagen oder die Abschaffung der Zuckerkategorien, die aufgrund des Klimawandels ohnehin obsolet geworden sind.“, so Pichler.

Da er den Vinea Vorstand von diesen Neuerungen nicht überzeugen konnte, legte Lucas Pichler bereits im Frühjahr 2020 seine Funktion im Vorstand der Vinea zurück und tritt mit heutigem Tag (14. Oktober 2020) aus der Vereinigung aus. „Dies ist ein sehr schwieriger Schritt“ so Pichler, „denn meine Familie hat viele Jahre in der Vereinigung mitgearbeitet, wir haben dem 1983 geschaffenen System sehr viel zu verdanken und es verbinden uns sehr enge Freundschaften mit vielen der Mitglieder“. 1983 wurde der Verein Vinea Wachau gegründet, dessen Regularien im für alle Mitglieder verbindlichen „Codex Wachau“ festgeschrieben sind.

Dennoch hat die Familie Pichler generationsübergreifend den Austritt aus der Vinea beschlossen, da gerade für die Arbeit auf den internationalen Märkten die Kategorie-Begriffe nicht mehr zeitgemäß sind und aufgrund des Klimawandels auch ihre Bedeutung verloren haben. „Wir danken allen Kollegen, mit denen wir in den letzten Jahrzehnten gemeinsam die Wachau international bekannt gemacht und positioniert haben, für die gute und konstruktive Zusammenarbeit.“, so Lucas Pichler.

Die Vinea Wachau – Obmann: Emmerich H. Knoll - setzt jedenfalls auf das Beibehalten der weltbekannten, stilbeschreibenden Bezeichnungen Steinfeder, Federspiel und Smaragd neben dem erst kürzlich eingeführten, dreistufigen DAC-Herkunftssystem“, wie es in einer Aussendung heißt. Die Brücken zur Familie Pichler will man aber nicht abbrechen: „Die Gemeinschaft der Vinea Wachau bedauert besonders, dass Lucas Pichler seine Erfahrungen nicht mehr bei der Etablierung eines Nachhaltigkeitskonzeptes für den Weinbau in der Welterberegion Wachau einbringen wird. Auch wenn Lucas Pichler künftig nicht mehr Teil der Vinea-Familie ist, zeigt sich der Vorstand überzeugt, dass das Weingut auch weiterhin durch die hohe Qualität der Weine zum hervorragenden Ruf der Wachau beitragen wird.“

Weingut F.X. Pichler
3601 Oberloiben 57
weingut@fx-pichler.at
 

Vinea Wachau Nobilis Districtus
Schlossgasse 3
3620 Spitz
office@vinea-wachau.at

Lucas Pichler betrachtet die alten Vinea-Kategorien als obsolet. © Marcus Rössle
© FX Pichler
Die Ried Loibenberg, neben dem Kellerberg ein Herzstück der Rieden des Weinguts F.X. Pichler. © Marcus Rössle