Sloweniens Gastroszene jubelt über den ersten Guide Michelin für das kleine Land im Herzen Europas. Für Österreich selbst gibt es weiter keinen eigenen Guide Michelin. Die letzte Ausgabe des Guide Michelin Österreichs erschien 2009, es gab nur wenige Ausgaben seit Gründung des Ablegers für die Alpenrepublik. Seither werden lediglich die besten Restauraunts aus Wien und Salzburg im Guide Michelin Main Cities of Europe gelistet.


Einziger Dreisterner im Lande ist seit dem Vorjahr Juan Amador mit seinem gleichnamigen Restaurant in Wien-Döbling. Das Steirereck hat zwei Sterne, ebenso wie Silvio NIckol im Coburg, Mraz & Sohn und Konstantin Filippou in Wien sowie das Senns Restaurant und Ikarus im Hangar 7 in Salzburg.

„Seit dem Erscheinen des allerersten Guide Michelin vor fast 120 Jahren bestand unsere Mission darin, die besten kulinarischen Reiseziele auf der ganzen Welt zu entdecken“, erklärt Gwendal Poullennec in einer Aussendung weiter: „Slowenien gehört unbestreitbar dazu, vor allem dank seiner reichhaltigen natürlichen Ressourcen, die es ermöglichen, äußerst hochwertige Zutaten zu produzieren und diese dann von Köchen im ganzen Land verfeinern zu lassen“.

Mit demselben Argument müsste der Michelin-Chef allerdings seit langem einen dicken, fetten Österreich-Guide herausgeben. Warum dem nicht so ist, ist leicht erklärt: Mit Ausgaben für kleinere Länder kann Michelin aus dem Verkauf der Guides die Kosten nicht decken.

Eine Ausnahme bildet da die reiche Schweiz, wo sich der Guide locker rechnet. Andere kleinere Länder sind oft zusammengefasst, wie die Benelux-Staaten Niederlande, Belgien und Luxemburg oder die nordischen Staaten Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island. Irland wird in Kombination mit Großbritannien abgedeckt, Portugal mit Spanien.

Aus diesem Grund fordert Michelin für Solo-Ausgaben von kleineren Ländern finanzielle Unterstützung. Diese hat Slowenien offenbar auf die Beine gestellt. In Österreich ist es bisher nicht dazu gekommen – und das ist gut so. Dem Vernehmen nach fordert Michelin informell rund eine Million Euro an Unterstützung für die Wieder-Herausgabe eines Guide Michelin Österreich.

Sternegeile Küchenchefs würden diese Forderung lieber heute als morgen erfüllt wissen, allerdings aus Steuergeld. Das ist aber entschieden abzulehnen! Es kann nicht sein, dass öffentliche Mittel für die Subvention eines Restaurantführers ausgegeben werden. Schon gar nicht in Zeiten wie diesen. Noch dazu würde so eine einseitige Zuwendung eine glatte Wettbewerbsverzerrung darstellen und andere, am Markt befindliche Produkte und Medien nachhaltig schädigen, wenn nicht gar in ihrer Existenz gefährden.

Daher wird es wohl weiterhin keinen Guide Michelin Österreich geben. Das Land ist damit seit elf Jahren gut zurecht gekommen. Und wird es auch in Zukunft tun. Zudem gewinnen andere Gastro-Rankings zunehmend an Bedeutung, etwa „The World’s 50 Best Restaurants“. Auch der generalsanierte Gault&Millau Österreich bildet dis Szene ganz gut ab, seit dem Vorjahr mit einer fünfstufigen Haubenskala.