Wieder einmal hat der Langenloiser Willi Bründlmayer eine große Vinaria Verkostung gewonnen, diesmal die Königsdisziplin Riesling. Warum Reben älter werden als Menschen und warum Lyra sein Favorit ist, sagt er im Intervierw.

Vinaria: Sowohl beim Veltliner als auch beim Riesling liegt das Weingut Bründlmayer mit den „Alten Reben“ weit vorn? Was ist unter dieser Bezeichnung genau zu verstehen?

* Willi Bründlmayer: Bei uns sind die Alten Reben nicht 30 Jahre alte Rebstöcke, sondern 50 Jahre alt. Am Heiligenstein sind sogar Anteile mit 100 Jahren dabei. Meist handelt es sich um Nachkriegsanpflanzungen. Und beim Alter von 50 plus spürt man die Qualität richtig – nur an der geringen Menge zwickt es. Wenn alte Reben schon wirklich alt sind, bekommen sie auch eine andere Struktur. Sie sind robuster – trotz Klimawandel, bei starken Niederschlägen und bei Trockenphasen. Alte Reben sind mit ihren Wurzeln weit unten und dadurch abgeschirmt. Die Rebe ist intelligent, in der größten Trockenphase können ihre Wurzeln ihre Beeren noch exzellent versorgen.

Bis zu 100-jährige Reben, wann tauscht man alte Rebstöcke aus?

* Möglichst überhaupt nicht. Wir haben gesehen, dass Reben deutlich älter werden können, als wir Menschen. Bei uns gibt es eine eigene Mitarbeitergruppe, die an den alten Reben arbeiten darf. Sie sind speziell eingeschult und schneiden erkrankte Teile raus.

Die Alten Reben vom Riesling kommen ausschließlich vom Heiligenstein, beim Veltliner ist es ein Ortwein?

* Ja. Beim Veltliner sind sie nicht räumlich gebündelt wie beim Riesling am Heilgenstein. Da mischt sich Vieles zusammen: Alte Reben vom Käferberg, Kittmannsberg, vom Spiegel, Steinmassl – aber es sind auch viele Lagen, die nicht am Markt sind, aber gut sind, wie Schlickenpfennig und Bockshörndl. Mit dem Ortswein Langenloiser Alte Reben kommt eine Mischung aus Urgestein und Löss heraus – dadurch bekommt der Wein auch schnell viel Ausdruck.

Bei der Riesling-Premium-Verkostung hat heuer allerdings Ihr Lyra vom Heiligenstein den Sieg davongetragen…

* Die Lyra-Stöcke am Heiligenstein sind auch nicht mehr ganz so jung. Die ersten Lyra-Stöcke wurden Anfang der 1980-er Jahre gesetzt Der große Vorteil der Lyra-Erziehung ist in heißen Jahren wie 2017, 2018 und 2019, dass durch die zwei geneigten Laubwände am heißen Nachmittag einen natürlichen Sonnenschirm bildet. Denn Riesling ist eine sensible Sorte, die gegen Überhitzung mit Aroma- Verlust und Verlust von Finesse reagiert. Durch die große Blattlaubfläche muss man aber schauen, dass man genug Blattoberfläche freistellen kann, damit die Luft durchziehen kann. Halbschatten und Halblicht sind somit optimale Voraussetzungen.

Wenn die Lyra-Erziehung so ein tolles System ist: warum machen Ihnen das nicht mehr Winzerkollegen nach?

* Weil die Nachteile evident sind. Viele trauen sich nicht drüber wegen der vielen Handarbeit. Die Lyra-Erziehung ist arbeitsaufwändiger. Man braucht doppelte Steher und Drahtrahmen. Man muss zwei- bis dreimal im Jahr öfter durchgehen, um den Luftkanal frei zu halten. Und die Lyra kannst du nicht maschinell ernten. Unsere Mitarbeiter lieben die Lyra nicht, weil sie mühsam ist, aber am Ende des Jahres, wenn wir im Keller schauen, wo sind die spannendsten Fässer, ist die Lyra überproportional vertreten. Auch unser schönster Chardonnay und auch Pinot Noir stehen in der Lyra-Erziehung, aber das haben wir nicht ausgewiesen, so wie beim Riesling am Heiligenstein.