Das hohe Niveau der am Markt befindlichen Jahrgänge wurde bei der aktuellen Vinaria-Degustation der Premium-Rotweine nachdrücklich bestätigt. Beachtliche Resultate lieferte dabei der Jahrgang 2020.

Ludwig Follner im Weingarten. © Weinmanufaktur Follner

Was nicht nur auf die nahezu durchwegs sehr günstigen Voraussetzungen zurückgeführt werden kann, welche die aktuellen Weinjahre geboten haben. So stand ja diesmal der durchaus schwierige Jahrgang 2020 im Fokus, der alles in allem beachtliche Resultate geliefert hat, darunter auch einige Gewächse, die es in die Toplisten der allerbesten geschafft haben. Dabei brillieren die besten 2020er weniger durch Dichte und schiere Power, obgleich es sogar das hie und da gibt, sondern mit Eleganz und kühler Frische sowie fein gezeichneten, zuweilen wie gemeißelt anmutenden Fruchtaromen.

Ebenfalls sehr gut reüssiert haben die auf dem Prüfstand stehenden 2021er, von denen allerdings erst wenige der bekanntesten Blaufränkischen und Cuvées verfügbar waren, darunter die beiden hervorstechenden Kraftpakete namens Cuvée Admiral von René Pöckl und Perwolff von Reinhold Krutzler. Insgesamt war das von den 2021ern erreichte Niveau recht hoch, wenngleich sich vielleicht abzeichnet, dass sie punkto Eleganz und Vielschichtigkeit nicht ganz an die 2019er heranreichen.

Einige Topweine aus 2019 präsentierten die überragende Frühform dieses Ausnahmejahrgangs einmal mehr. Mittlerweile sind sie aufgrund ihrer Harmonie und Eleganz wohl den noch eine Spur dichteren, ebenfalls hochgelobten 2017ern vorzuziehen, aber dies wird auch unter Experten Ansichtssache bleiben.

Ausgeglichene Verhältnisse bei den Rebsorten

Die führende österreichische Rotweinsorte Blaufränkisch war naturgemäß an der Spitze prominent vertreten, aber nicht mehr so tonangebend wie in manchen Vorjahren. Denn die besten Rotwein-Blends scheinen immer besser zu reüssieren, vor allem jene, die auch Anleihen bei den Bordeaux-Rebsorten genommen haben, wobei der Merlot die wichtigste Rolle spielt.

Freilich haben die günstigen Reifeverhältnisse der letzten Rotweinjahre auch reinsortige Cabernet Sauvignons und Cabernet Francs von hoher Qualität ermöglicht.

Damit aber noch ein Sidestep zur vielfach noch unterschätzten Rotweinrebe Zweigelt, die vor allem aus der Hand der besten Carnuntiner Weingüter wie Grassl, Glatzer, Pitnauer und Andreas Muhr überzeugt hat, und zwar vor allem aus dem jüngsten marktgängigen Jahrgang 2021. Aber auch der zartgliedrige Hallebühl von Josef Umathum, der überaus balancierte 2017er von Harald Schindler und die besonders prägnante wie tanninreiche Reserve von Schloss Gobelsburg gehören hier dazu.

Völlig unterschiedliche Weinstile an der Spitze 

Gleich das Trio der Höchstbewerteten der Verkostung erbringt drei völlig unterschiedliche Weinstile aus drei verschiedenen Herkünften. Da wäre zunächst der ungemein fruchtsüße und finessenreiche 2018er Bordeaux-Blend von Ludwig Follner hervorzuheben, der unstrittig den ersten Platz errungen hat und natürlich immer noch im Verkauf steht, wobei die Lagerfähigkeit eben dieses Crus bereits legendär ist. 

Selbstbewusst in der Magnum präsentiert sich die punkto Holzeinsatz und feiner Struktur unübertreffliche Golser Cuvée von Werner Achs, die den Jahrgang 2020 quasi Lügen straft und deren wohlverdienter Erfolg sich schon in den Vorjahren abgezeichnet hat. Bereits als erfolgsverwöhnten Ausnahmewinzer kennen wir Albert Gesellmann, der zwar auch nach der Bio-Zertifizierung seinem kraftvollen und rassigen Stil treu geblieben ist, aber die Komplexität und Individualität seiner besten Tropfen noch gesteigert hat, wie der vermutlich beste „G“ aller Zeiten demonstriert. 

Exzellente Weine im hohen Fünfsterne-Bereich

Unmittelbar dahinter folgen vier exzellente Weine im hohen Fünfsterne-Bereich, deren genaue Vorstellung sich wohl erübrigt, zu oft hat etwa der Mariental von Ernst Triebaumer, der als erster österreichischer Rotwein zur Ikone geworden ist, schon für Furore gesorgt. Gleichauf liegt mit dem Plachen von seinem Neffen Günter ein wesentlich massiverer, doch ebenso beachtlicher Blaufränkischer aus einer gänzlich anders gearteten, aber genauso bemerkenswerten Ruster Riede. Und die Vorzüge des nunmehr eine ultrafeine Merlot-Stilistik widerspiegelnden Comondor von John Nittnaus zu preisen, hieße wohl ebenfalls Störche nach Rust und Gols zu tragen. Vierter in diesem Quartett ist der mit Abstand beste Pinot Noir aus der Lage Kästenbaum, mit dem die Gebrüder Reinisch wieder einmal ihre diesbezügliche Kernkompetenz bewiesen haben.

Wenig Eingriffe während der „Weinwerdung“ 

Insgesamt scheint aber eine erfreuliche Besinnung auf eine einigermaßen behutsame Vinifikation eingetreten zu sein, die sich unter anderem durch den Verzicht auf allzu starke Eingriffe während der „Weinwerdung“ manifestiert. Eine Haltung, die eigentlich für biologisch wirtschaftende Betriebe, und das sind mittlerweile mehr als die Hälfte der im Vorderfeld platzierten Weingüter, selbstverständlich sein sollte.

Keine Beeinträchtigungen gab es durch die früher regelmäßig kritisierten Weinfehler: So waren oxidative Ansätze äußerst selten zu beanstanden, Böckser oder starke Brettanomyces-Noten überhaupt nicht mehr. Überaus positiv zu registrieren und auch durchaus überraschend ist die Entwicklung bei den Verschlüssen, denn die Anzahl der Korkfehler ist im Verhältnis zum Vorjahr erneut stark zurückgegangen und befindet sich nun auf einem absoluten Minimum, und dies, obwohl die Zahl der mit Drehverschluss oder Glaspfropfen versehenen Flaschen deutlich weniger geworden ist.

 

TOPLISTE Premium Rotweine 2021

18,2 Weingut Günter + Regina Triebaumer 2021 Blaufränkisch Ried Plachen BG
17,9 Weingut Pöckl 2021 Admiral (ZW/CS/ME) BG
17,8 Weingut Krutzler 2021 Perwolff Blaufränkisch BG
17,5 Weingut Anita und Hans Nittnaus 2021 Perwolff Blaufränkisch BG
17,5 Weingut Günter + Regina Triebaumer 2021 Cabernet Franc Ried Gillesberg BG
17,3 Weingut Paul Achs 2021 Blaufränkisch Golser Ried Ungerberg BG
17,3 Weingut Anita und Hans Nittnaus 2021 Blaufränkisch Ried Altenberg Jois LB
17,2 Weingut Philipp Grassl 2021 Ried Bärnreiser Höflein 1ÖTW (ME/BF/ZW) CA
17,2 Weingut Philipp Grassl 2021 St. Laurent Alte Reben NÖ
17,1 Bio-Weingut Ettl 2021 Podersdorfer Alte Reben (ME/BF) BG
17,0 Weingut Andreas Muhr 2021 Blaufränkisch Ried Gaisberg CA
17,0 Weingut Werner Achs 2021 XUR (BF/ZW/SL) BG
17,0 Weingut Walter Glatzer 2021 Rosenberg 1ÖTW CA
17,0 Weingut Kerschbaum 2021 Cuvée Impresario (BF/ZW/ME/CS) BG
17,0 Weingut Anita und Hans Nittnaus 2021 Pannobile (ZW/BF) BG
17,0 Weingut Walter Glatzer 2021 Ried Haidacker 1ÖTW Göttlesbrunner Zweigelt CA
17,0 Weingut Umathum 2021 Ried Hallebühl Zweigelt BG

 

TOPLISTE Premium Rotweine Reserven

18,8 Weinmanufaktur Follner 2018 Liebe pur (CS/ME/CF) BG
18,5 Weingut Gesellmann 2019 „G“ (BF mit 5 % SL) BG
18,5 Weingut Werner Achs 2020 Werner Achs Reserve (BF/ME) BG
18,2 Weingut Ernst Triebaumer 2020 Blaufränkisch Ried Mariental BG
18,2 Weingut Anita und Hans Nittnaus 2019 Comondor (ME/BF/ZW) BG
18,2 Johanneshof Reinisch 2019 Pinot Noir Ried Kästenbaum TH
18,1 Weingut Dorli Muhr 2019 Ried Spitzerberg Kobeln 1ÖTW Liebkind Blaufränkisch CA
18,0 Weingut Dorli Muhr 2020 Ried Spitzerberg Kobeln 1ÖTW Liebkind Blaufränkisch CA
17,7 Weingut Silvia Heinrich 2019 Cupido BG
17,7 Weingut Kollwentz 2019 Blaufränkisch Ried Point BG
17,6 Weingut Krutzler 2018 Ried Weinberg Blaufränkisch BG
17,6 Weingut Philipp Grassl 2020 Grassl Reserve (ME/BF/ZW) NÖ
17,6 Weingut Kollwentz 2019 Steinzeiler (BF/CS/ZW) BG
17,5 Weingut Josef und Maria Reumann 2019 Blaufränkisch Altes Weingebirge Limited Edition MB-R
17,5 Rotweine Lang 2020 Cuvée Excelsior (BF/CS/ME/SY) BG
17,5 Weingut Günter + Regina Triebaumer 2021 Cabernet Franc Ried Gillesberg BG
17,5 Weingut Heinrich Hartl III 2020 Pinot Noir Ried Kräutergarten Reserve TH
17,4 Weingut Kollwentz 2020 Blaufränkisch Ried Setz BG
17,4 Weingut Silvia Heinrich 2019 Elegy BG
17,3 Weingut Prieler 2020 Blaufränkisch Ried Goldberg LB
17,3 Weingut Günter + Regina Triebaumer 2020 Blaufränkisch Ried Plachen BG
17,3 Heribert Bayer – Kellerei In Signo Leonis 2020 In Signo Leonis (BF/CS/ZW) BG
17,3 Weingut Günter + Regina Triebaumer 2020 Cabernet Franc Ried Gillesberg BG

 

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Von Günter und Regina Triebaumer kam der beste 2021er-Rotwein. © Steve Haider
Ludwig und Dagmar Follner © Weinmanufaktur Follner
Albert Gesellmann © Alex Lang
Melanie und Reinhold Krutzler lieferten mit Perwolff den Topwein aus dem Südburgenland. © Michael Königshofer
Herbert und Gerhard Triebaumer machten einen herausragenden Marienthal in 2020. © Mang Stefan
Werner Achs © Weingut Werner Achs
Hannes Reinisch © Julius Hirtzberger
Mit Comondor im Spitzenfeld: Anita & Hans Nittnaus aus Gols. © Julia Geiter
Die Spitzerberg-Ikone Dorli Muhr überzeugte mit ihrem „Liebkind“ gleich zwei Mal. © Anna Stöcher
Immer unter den allerbesten ist René Pöckl – diesmal wieder mit Admiral. © Steve Haider
Mit Cupido und Elegy gleich zwei Mal im Ranking: Silvia Heinrich © Bernd Möderl
Christian und Michael Ettl © Bio-Weingut Ettl
Niki Windisch © Alexander Seidl
Mette Schuller-Nareyka und Markus Schuller © Weingut Markus Schuller
Brigitte und Gerhard Schaller von Schaller vom See © Steve Haider
Andreas und Christine Glück vom Weingut Dankbarkeit © Weingut zur Dankbarkeit
v.l.n.r.: Anna, Martin, Regina und Katharina Schwertführer © Melanie Melchior
.l.n.r. Barbara, Christina, Eva Maria, Andi und Heidi Kollwentz: heuer mit Blaufränkisch Point und Setz in der Spitzengruppe. © Bernhard Angerer
Die Grassl-Reserve von Philipp Grassl überzeugte auch im kniffeligen Jahrgang 2020. © Weingut Grassl
Josef Reumann präsentiert seinen Töchtern den neuen Jahrgang. © Weingut Josef u. Maria Reumann
Stefan, Stefan Andreas und Andrea Lang aus Neckenmarkt glänzten mit Excelsior. © Thomas Schmid
Heinrich Hartl III mit Sophie-Marie Lodron überzeugten mit Pinot Noir. © Anna Stöcher
Eisenberg-Spezialist Uwe Schiefer in seinem Keller im Südburgenland. © Weingut schiefer.pur
Patrick Bayer begutachtet den neuen Jahrgang. © Monika Jungwirth | Karma + Pitch
Der Golser Paul Achs ist für seine charaktervollen Lagen-Blaufränkisch bekannt. © Franz Helmreich
Blaufränkisch-Könner Georg Prieler zählt zu den Top-Rotweinmachern Österreichs. © Thomas Schmid