Bordeaux 2007: Fluch der Siebener-Jahrgänge

Bordeaux 2007: Fluch der Siebener-Jahrgänge

Bordeaux 2007: Fluch der Siebener-Jahrgänge


Weit besser als erwartet hat sich bei der Vinaria-„Ten years after“-Degustation der schwierige Bordeaux-Jahrgang 2007 präsentiert, dem einst kein langes Leben vorausgesagt wurde.

Nach den großartigen 2005ern und dem wechselhaften Jahrgang 2006 hat der Wettergott dafür gesorgt, dass auch im viel gerühmten Bordelais die Reben (und Preise) mit dem Jahrgang 2007 nicht in den Himmel wuchsen. Mit der Sieben haben die Bordelaiser seit Jahrzehnten wenig Glück. Seit dem Jahrgang 1947 gab es keinen einzigen Jahrgang mit dieser Endziffer, der wirklich überzeugen konnte. Auch 2007 reihte sich in diese unrühmliche Tradition ein: ein Jahr mit sehr problematischem Wetterverlauf von Mai bis August. Erst dann kam die Erlösung in Gestalt eines herrlichen Spätsommers und Herbstes, was den qualitätsorientierten Betrieben doch noch einen vinophilen Turnaround gestattete.

Bei den damaligen En-Primeur-Verkostungen im April 2008 war die Stimmung gedämpft: es gibt viele Enttäuschungen, aber auch eine erkleckliche Anzahl bemerkenswert gut gelungener Vertreter. Es war zweifellos ein Winzerjahrgang, den eben jene meisterten, die der Qualität alles andere unterordneten.

Wetter spielte verrückt – Im Großen und Ganzen begann das Jahr gut. Der Winter 2006/2007 gab sich von den Temperaturen her mild; je nach Region wechselten sich trockene und feuchte Phasen ab, wobei sich die Niederschläge im Lauf der Wintersaison steigerten. Im Februar regnete es dann fast überall ziemlich kräftig, und auch in dem im Verlauf recht warmen März gab es genügend Niederschläge, was der Wasserversorgung der Reben guttat.

Es folgte der heißeste und trockenste April seit 1947, was zu einer flotten Entwicklung der Vegetation führte. Ab Mai spielte das Wetter verrückt: Viel Regen, dazu schwankende Temperaturen sorgten vielerorts für eine gegen Ende hin verzögerte Blühphase, bei den späteren Lagen bzw. Sorten wie Cabernet Sauvignon kam es zum Verrieseln.

Besonders wichtig waren Laubarbeit und Grünernte sowie Pflanzenschutz, denn im feuchten, zwischen kalt und warm changierendem Wetter feierten diverse Pilzkrankheiten wahre Urstände: Neben Oidium- und vor allem massivem Peronospora-Befall (einer der schlimmsten der letzten 30 Jahre) setzte in der zweiten Augusthälfte teilweise auch noch Botrytis ein.

Ende August geschah das nicht mehr erwartete Wunder und es gab zwei Monate strahlendes Wetter, wodurch der bereits verloren gegangene Jahrgang doch noch ein Comeback feierte. Der herrliche September – einer der sonnigsten seit dem Zweiten Weltkrieg – sorgte für rasches Voranschreiten der Reife sorgte.

Lange Vegetationsperiode – Die Qualitätsbetriebe ließen sich mit dem Beginn, aber auch mit der Dauer der Lese Zeit: Je nach Gebiet – das rechte Ufer war früher dran – begann die Merlot-Ernte frühestens im letzten Septemberdrittel und endete um den 5. oder 6. Oktober, Cabernet wurde danach bis etwa Mitte Oktober gelesen. Daraus ergab sich eine für Bordeaux ungewöhnlich lange Vegetationsperiode von oft 125 bis 130 und mehr Tagen (110 Tage wird als Norm angesehen).

Den Voraussetzungen entsprechend fiel die Rotweinqualität in Bordeaux sehr heterogen aus: Am unteren Ende der Skala gab es nicht wenige dünne, schlanke und grünlich-bittere Weine ebenso wie aufgeblasene, überkonzentrierte und schlappe Vertreter. Ihnen gegenüber stand aber auch eine ansehnliche Anzahl an Weinen, bei denen der Jahrgangscharakter im positivsten Sinne herausgearbeitet wurde: Diese Weine zeigten Eleganz, betörende Fruchtigkeit und feine Struktur, mit schöner Balance und seidiger Stoffigkeit; sie versprachen relativ frühe Antrinkbarkeit mit gutem Trinkfluss wie viel Trinkgenuss.

Nun, zehn Jahre später, haben erfreulicherweise etliche Weine dieses Versprechen eingelöst – sie punkten mit Fruchtigkeit, Eleganz und Harmonie. Für die Weißweine war der Jahrgang sogar insgesamt sehr gut.

Triumvirat vom rechten Ufer – Nach der Auswertung der Vinaria Verkostung Bordeaux 2007 lagen schliesslich drei Weine vom rechten Ufer ganz vorne. Allen voran der meisterliche Clinet aus Pomerol, der punkto Fruchtintensität, Power und Finessereichtum eine Klasse für sich darstellte und den Jahrgang quasi verleugnete. Ebenfalls als besonders fein strukturiert erwies sich La Mondotte, der einst sagenumwobene, luxuriöse „Garagenwein“ von Graf Neipperg hat den Weg zum Superstar mit beständig höchster Qualität geschafft. Dann gab es einen kleinen Respektabstand, bis unser Sieger des Jahrgangs 2005 folgte, nämlich der einen ungemein verlockenden, fruchtsüßen Cocktail bietende Troplong-Mondot, der wiederum Saint-Emilion in seiner feinsten Gestalt verkörperte.

Danach ein dichter Pulk bekannter und renommierter Gewächse, wobei auch die gute Performance der Topweine von Pessac-Léognan und Margaux aufgefallen ist. Weitere Präferenzen hinsichtlich der engeren Herkunft waren aber nicht auszumachen. Von den erwähnten Pessac-Léognan lagen Haut-Bailly, Smith Haut Lafitte und Pape Clément nahezu gleichauf, wobei Ersterer vielleicht für die feinste Linienführung und Letzterer für das meiste Volumen stand, während Smith Haut Lafitte eher mit rotbeerigem Fruchtcharme punktete.

Von den Margaux war der erstaunlich junge und pointierte Palmer wieder einmal als Primus inter Pares zu bezeichnen, aber auch der viel Trinkspaß bereitende Lascombes und der saftige, rundum sympathische d’Issan, den wir noch nie in dieser Hochform kennengelernt hatten, besaßen ihre Meriten. Aus Saint-Julien überzeugten diesmal vor allem der mit kernigem Cabernet-Feeling auftrumpfende Léoville Poyferré sowie der lebendige, präzise definierte Branaire-Ducru.

Von den weniger namhaften Herkünften bestach diesmal Château d’Aiguilhe aus Castillon nicht nur mit dem bekannt kräftigen Körperbau, sondern auch mit feiner Struktur und jugendlichem Schwung – offensichtlich auch ein Wein mit beachtlichem Stehvermögen, wie auch ein kürzlich verkosteter lupenreiner 2001er nachdrücklich bestätigt hat. Die allerbesten Gewächse werden auch noch in der nächsten Zeit für Trinkvergnügen sorgen, verbessern werden sie sich allerdings nicht mehr.

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Toplist Bordeaux 2007 (Auszug)


  • 18,2 Clinet 
  • 17,8 La Mondotte 
  • 17,4 Troplong-Mondot 
  • 17,3 Haut-Bailly 
  • 17,3 Palmer 
  • 17,2 Lascombes 
  • 17,2 Pape Clément 
  • 17,2 Smith Haut Lafitte 
  • 17,1 Léoville Poyferré 
  • 17,0 d’Aiguilhe 
  • 17,0 Branaire-Ducru 
  • 16,9 d’Issan 
  • 16,9 Pavie Macquin
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