Eine Weinreise an den Neusiedler See

Eine Weinreise an den Neusiedler See

Eine Weinreise an den Neusiedler See


Postkarte in echt. Der Neusiedler See berauscht mit seiner Melange aus Weingärten, Wasser und Wärme. Gar nicht anders möglich bei dieser Harmonie, abgerundet mit einzigartiger Tierwelt und herzhafter Esskultur. Die Palette der Weine ist maximal – in allen drei Disziplinen – Weiß, Rot und Süß –entstanden Weinmonumente. Beim Weinfrühling kann man viele davon mit den Winzern verkosten. Eine Entdeckerreise nach Gols, Podersdorf, Mönchhof und Frauenkirchen.
Dilemma oder Segen? Weiß, Rot, Süß – alle drei fühlen sich am Neusiedler See zu Hause. Bleibt die Frage, worauf man sich konzentrieren soll. Mitte der 1990er-Jahre lag der Weißweinanteil noch bei 80 Prozent. „In Gols gab es nach dem Weinskandal mehr Riesling als in der Wachau“, erinnert sich René Pöckl. Mittlerweile hat sich die Region zu einem Rotweinzentrum gewandelt.

Begonnen hat alles Mitte der 80er. Der Weinskandal lastete schwer. Viele Winzer, die mit Glykol nie etwas am Hut hatten, sammelten eine ordentliche Wut im Bauch. Und sie wünschten sich nichts mehr, als es dem Rest der Welt zu zeigen, was im Burgenland möglich war. Die französischen Sorten wie Merlot und Cabernet Sauvignon waren die Zauberwörter, und so setzte man auf diese Zugpferde.

Trendgebiet Gols - In den letzten Jahren wächst aber wieder das Bewusstsein für die heimischen Sorten. Vor allem Zweigelt, aber auch St. Laurent und immer öfter Blaufränkisch wachsen in den Weingärten. Die Weißen behalten ebenfalls noch ihren Stellenwert, die Süßen sowieso. „Gols ist ein Trendgebiet. Ganz hat es seinen Weg aber noch nicht gefunden“, meint René Pöckl. Für sein Weingut ist die Richtung klar, die bereits sein 2011 viel zu früh verstorbener Vater vorgezeichnet hat.

Ab 1990 prägte er die Szene mit dem Admiral, eine Cuvée, die vom Zweigelt geprägt ist, dazu kommen Cabernet Sauvignon und Merlot. Mit dem Admiral begann der Aufstieg des Weinguts in Mönchhof. Dazu kam die Cuvée Rosso e Nero, quasi der „kleine Admiral“.

Der nächste spektakuläre Wein war der Rêve de Jeunesse, den sein damals 17-jähriger Sohn René 1997 erstmals vinifizierte. Wieder ein Wein, der Maßstäbe setzte. Eine Cuvée zum größten Teil aus Merlot und Syrah, Cabernet Sauvignon und Zweigelt. Allen Weinen gemeinsam ist die typische Handschrift: festes Tannin, fleischig, strukturiert, immer wieder blitzt die Pöckl-Würze durch.

Pannobile als Trend - Prägend für die Region war auch die Pannobile-Vereinigung, entstanden in Gols. Sieben Weingüter schlossen sich 1994 zusammen: Paul Achs, Matthias Beck, Hans Gsellmann, Gernot Heinrich, Matthias Leitner, Hans Nittnaus und Helmuth Renner, später kamen Gerhard Pittnauer und Claus Preisinger dazu.

Streben nach höchster Qualität stand an erster Stelle, und statt ausschließlich ab Hof zu verkaufen, suchte man neue, weltweite Märkte. Die Weine sollten aber keine Kopien sein. Von Anfang an juckte es die Winzer, ob ein internationaler Vergleich mit heimischen Sorten möglich wäre. Ein Pannobile-Wein darf daher nur aus Zweigelt, Blaufränkisch und St. Laurent bzw. den weißen Burgundersorten und Neuburger bestehen. Cuvées spielen am Neusiedler See generell eine zentrale Rolle. Judith Beck sieht das Burgenland als einen großen Gemischten Satz: ein positives Neben- und Miteinander von Rebsorten und Lagen.

Jung und mutig - Die neue Generation ist bereits nachgerückt. Sie ist Mitte 30 und mutig. Enduro-Fahrer Werner Achs etwa oder Kitesurfer Claus Preisinger, der schon früh einen neuen Keller wie einen Designertempel aufbaute. Preisinger ist innerhalb der Pannobile-Winzer überhaupt ein Spezialfall. Seine Rebflächen sind innerhalb von 18 Kilometern rund um seinen Betrieb in Gols verstreut. Auf 64 Parzellen arbeitet er, daher auch sein Landrover, mit dem er ordentlich Kilometer macht. Die Weingärten sind in allen Konfektionsgrößen vorhanden, von Bonsai mit 7 Ar bis zu 2 Hektar.

Die Weinwelt teilt sich für Preisinger wie für einige andere Golser auch in zwei Hemisphären: die rund um Gols mit Kiesel, Lehm und Sand und die am Leithaberg mit Kalk und Schiefer. Leicht zu erkennen an den Namen: Zweigelt Kieselstein und Blaufränkisch Kalkstein. KalkundKiesel aus Weißburgunder und Grünem Veltliner vereint beide Welten.

Auch der Pinot Noir hat seinen fixen Platz am Neusiedler See. Claus Preisinger bemüht sich um ihn, Gernot und Heike Heinrich, Judith Beck, Paul Achs, Josef Lentsch, Gerhard Pittnauer oder René Pöckl. Einige Winzer halten den hitzebeständigen St. Laurent am Neusiedler See für den besseren Pinot Noir. Axel Stiegelmar vom Weingut Juris hält beide Sorten für prädestiniert, regionaltypische Weine zu erzeugen. 60 Prozent seiner Rebfläche widmet er deshalb Pinot und St. Laurent.

Massiv erfolgreich - Ein Faible für französische Sorten haben auch Robert und Marietta Keringer. 2004 brachten sie ihren ersten Jahrgang heraus, aber erst seit fünf Jahren ist der Mönchhofer Vollerwerbswinzer. Mit seiner außergewöhnlichen Rotweincuvée Massiv hat er sich bereits etabliert. Der Massiv aus Blaufränkisch, Rathay, Zweigelt und Cabernet Sauvignon wird aber nur in den besten Jahren in die Flasche gebracht. Der große Erfolg motivierte Robert Keringer nun zu einem weißen Massiv. Der Jahrgang 2013 ist am Markt, eine gehaltvolle Cuvée aus 90 Prozent Chardonnay und 10 Prozent Traminer. Ein weiteres Projekt sind die 100-Days-Weine. Der Name ist hier Programm, denn die Trauben sind 100 Tage auf der Maische. Zweigelt, Shiraz, Merlot und Cabernet Sauvignon werden jeweils reinsortig auf diese Art ausgebaut.

Johannes Kummer, ebenfalls ein Mönchhofer, arbeitet bereits in fünfter Generation mit dem Wein. Sein Ururgroßvater zog in den Streckhof mitten im Ort ein. Bei der Weißweinabteilung leuchtet der Chardonnay mit Kraft und Quittenaromen heraus. Bei den Roten dominiert der Zweigelt, allen voran der Zweigelt DAC, der im großen Holzfass reift, ein kräftiger Wein mit milden Tanninen. Das zweite Flaggschiff ist der Zweigelt Zeiselberg.

Ein Quereinsteiger wie Robert Keringer ist auch Franz Pirker, früher in der Elektrotechnikbranche mit Schwerpunkt Mobilität. Mit dem befreundeten Helmut Preisinger gründete er 2012 das Weingut Amsee in Gols. Das Ziel: kompromisslos Topweine hervorzubringen. Vorerst denkt der 48-Jährige nur an reinsortige Weine, die weder konzentriert noch aufgezuckert werden. Ergebnis ist etwa der dichte Cabernet Sauvignon Alter Satz 2012, 36 Monate in neuem Barrique gelagert, zum Teil in 150-Liter-Fässern. Auch Blaufränkisch und Chardonnay gelingen bestens.

Auch in Gols zu Hause ist Markus Iro. Jung, fröhlich, locker. Nach Wanderjahren in Deutschland und Neuseeland übernahm er 2011 zu Hause. Seine Hauptsorte ist der Zweigelt, den er reinsortig in drei Varianten ausbaut, an der Spitze steht der Zweigelt Ungerberg. Die Lieblingssorte des 33-Jährigen ist der St. Laurent. „Eine Hassliebe. St. Laurent ist eine Zicke, fäulnisanfällig, aber er besticht mit Würze und Finesse.“

Der Golser Georg Schmelzer schwört auf die Biodynamie, auf die er 2007 umstellte. Auf seiner Website schaut uns ein bildschirmfüllender, imposanter Winzer entgegen. Im persönlichen Gespräch zeigt sich ein freundlicher Typ. „Am Anfang war es hart“, erzählt er, „die Stammkunden meiner Eltern mussten sich erst umgewöhnen.“

Spritzige Oberliga - Eine ganz andere Abteilung bedienen die Brüder Szigeti aus Gols. 1991 gründeten sie den Sektkeller, heute spielt man in Österreich qualitativ in der Oberliga. Rund 800.000 Flaschen werden pro Jahr produziert, hergestellt nach der klassischen Flaschengärung. Einen positiven Impuls für das Image brachte die Einführung der Sektpyramide mit Klassik, Reserve (mindestens 18 Monate Lagerzeit auf der Hefe) und Großer Reserve (30 Monate), sagt Peter Szigeti.

Eine breite Palette hat auch das sympathische Podersdorfer Weingut von Franz und Elisabeth Lentsch anzubieten. Vor allem die Burgunder sind eine Spezialität, die klassische Linie von Zweigelt und Blaufränkisch ist angenehm sortentypisch und trinkig. Bei den Lagenweinen ragt der Blaufränkisch Lüss heraus, mit schöner Würze und fein unterlegtem Holz. Gelungen ist auch die Cuvée Remanenz aus Zweigelt (gibt Frucht), Blaufränkisch (Struktur) und St. Laurent.

Pure Urlaubsfreude verbreiten die Podersdorfer Gerhard und Brigitte Schaller, das vermittelt schon der Name des Weinguts: Schaller vom See. Die Weine von den sandigen Böden sind frisch, fruchtig, leicht – „wie eine sanfte Brise vom See“. Die Schallers können aber noch mehr als leichte Weine, das zeigt der Chardonnay Uferlos. Im Premiumbereich sind die roten Patfalu (Cabernet, Zweigelt, St. Laurent) und der gelungene St. Laurent pur.

Zwei, die den burgenländischen Wein schon sehr lange mitbegleiteten und -fördern, sind Sepp und Annemaria Sailer. 1989 initiierte Sepp Sailer das Martiniloben im Herbst, 1990 eröffneten die Sailers ihre Vinothek am Kirchenplatz in Frauenkirchen. Von Mittwoch bis Sonntag gibt es die besten Weine des Burgenlands und auch Geheimtipps zu verkosten und zu kaufen.

Perfekt Weineinkaufen kann man auch in der Vinothek WeinKulturHaus Gols. Das älteste Golser Gebäude wurde liebevoll restauriert und mit zeitgenössischer Architektur zu neuem Leben erweckt. Im historischen Gewölbekeller warten über 400 Golser Spitzenweine von über 100 Golser Winzern, 120 Weine stehen zur Verkostung bereit. Und das alles zu Ab-Hof-Preisen.

Den Neusiedler See auf dem Teller hat man im Fischrestaurant Varga in Gols, vor allem auf der Terrasse unter den Bäumen fein. Für die Fische sorgen Vater und Sohn Varga. Was sie in der Früh aus dem Wasser ziehen, wird zu Mittag serviert: Zander, Karpfen, Aal, je nach Fang auch Wels, Wildkarpfen, Hecht und Schleie.

Im Alten Brauhaus in Frauenkirchen haben sich Katarina und Daniel Hickel perfekt eingelebt. In originalen Stuben mit Wandvertäfelung und Holzdecke und im blühenden Hof mit Arkadengang wird feine pannonische Küche serviert. Halászlé (ungarische Fischsuppe), Bakonyíer (Putengeschnetzeltes mit Paprikarahmsauce und Butternockerln) oder Hortobagyer Palatschinken (mit Fleischfülle und Sauerrahm) .

Eine Institution ist die Dankbarkeit in Podersdorf. Seniorchef Josef Lentsch gilt als einer der Wegbereiter für eine hochwertige Pannonien-Küche. Ein uriger Schankraum, knarzender Boden und eine Pendeluhr sind die Ingredienzien für das gute Gasthaus. Die Zutaten werden nur in der unmittelbaren Umgebung groß. Auf der Weinkarte findet man eine Auswahl österreichischer Spitzenvertreter. Probierenswert sind der hauseigene Grauburgunder und der Pinot Noir.

Vinotheken


WeinKulturHaus Gols
7122 Gols, Am Hauptplatz 20
T. +43 2173 20039
www.weinkulturhaus.at

Sailers Vinothek
7132 Frauenkirchen, Kirchenplatz 27
T. +43 664 5258585
www.sailers.at

Ortsvinothek Podersdorf – Weinclub 21
7141 Podersdorf, Seestraße 37
T. +43 2177 21170
www.weinclub21.at

Winzertipps aus der Region


Frauenkirchen
Johann & Gisela Pinetz
7132 Frauenkirchen, Haydngasse 34
T. +43 2172 2534
www.pinetz.at

Umathum
7132 Frauenkirchen,
St. Andräer Straße 7
T. +43 2172 24400
www.umathum.at

Gols
Paul Achs
7122 Gols, Neubaugasse 13
T. +43 2173 2367
www.paul-achs.at

Werner Achs
7122 Gols, Goldberg 5
T. +43 2173 23900
www.wernerachs.at

Judith Beck
7122 Gols, In den Reben 1
T. +43 2173 2755
www.weingut-beck.at

Heinrich
7122 Gols, Baumgarten 60
T. +43 2173 3176
www.heinrich.at

Markus Iro
7122 Gols, Neubaugasse 55
T. +43 2173 2139
www.markusiro.at

Juris
7122 Gols, Marktgasse 12–18
T. +43 2173 2748
www.juris.at

Gernot Leitner
7122 Gols, Quellengasse 33
T. +43 2173 2593
www.leitner-gols.at

Lunzer
7122 Gols, Untere Hauptstraße 98
T. +43 2173 3364
www.lunzerwein.at

Anita & Hans Nittnaus
7122 Gols Untere Hauptstraße 49
T. +43 2173 2248
www.nittnaus.at

Hans & Christine Nittnaus
7122 Gols, Untere Hauptstraße 105
T. +43 2173 2186
www.nittnaus.net

Am See Pirker-Preisinger
7122 Gols, Neubaugasse 19
T. +43 664 75038676
www.wein-amsee.at

Pittnauer
7122 Gols, Neubaugasse 90
T. +43 2173 4307
www.pittnauer.com

Claus Preisinger
7122 Gols, Goldbergstraße 60
T. +43 2173 2592
www.clauspreisinger.at

Renner
7122 Gols, Obere Hauptstraße 97
T. +43 2173 2259
www.rennerhelmuth.at

Rommer
7122 Gols, Satzgasse 31
T. +43 2173 3129
weingut-rommer.at

Georg Schmelzer
7122 Gols, Haideweg 3
T. +43 2173 2573
www.schmelzer.at

Szigeti
7122 Gols, Sportplatzgasse 2a
T. +43 2173 3662
www.szigeti.at

Temer
7122 Gols, Mühlgasse 31
T. +43 2173 3464
www.weintemer.at

Wendelin Elisabeth, Helmut und Elisabeth
7122 Gols, Untere Hauptstraße 135
T. +43 2173 2529
www.weingut-wendelin.at

Mönchhof
Keringer
7123 Mönchhof, Wiener Straße 22 A
T. +43 2173 80380
www.keringer.at

Kummer
7123 Mönchhof, Quergasse 1
T. +43 2173 80283
www.weingut-kummer.at

Pöckl
7123 Mönchhof, Zwergäcker 1
T. +43 2173 80258
www.poeckl.at

Podersdorf
Franz Lentsch
7141 Podersdorf, Neusiedler Straße 40
T. +43 2177 2398
www.weingut-lentsch.com

Josef Lentsch, Zur Dankbarkeit 
7141 Podersdorf, Hauptstraße 39 
T. +43 2177 2223 
www.dankbarkeit.at

Schaller vom See
7141 Podersdorf, Frauenkirchnerstr. 20
T. +43 650 2177224
www.schallervomsee.at

Steiner
7141 Podersdorf, Seezeile 2
T. +43 2177 2743
www.julius-steiner.at

Strudler
7141 Podersdorf, Seezeile 8
T. +43 2177 2239
www.johannes-strudler.at

Essen


Altes Brauhaus
7132 Frauenkirchen, Kirchenplatz 27
T. +43 2172 2217
www.altesbrauhaus.at

Zur Dankbarkeit
7141 Podersdorf, Hauptstraße 39
T. +43 2177 2223
www.dankbarkeit.at

Heuriger Hoffmann’s Weinzeit
7123 Mönchhof, Sandhöhe 9
T. +43 699 18013090
www.hoffmann-wein.at

Paradiso Pannonia
7123 Mönchhof, Sandhöhe 19
T. +43 2173 80350
www.paradiso-pannonia.at

Podersdorfer Weinstube
7141 Podersdorf, Winklergasse 30
T. +43 2177 2829
www.dankbarkeit.at

Sittinger
7132 Frauenkirchen, Hauptstraße 39
T. +43 2172 2307
www.sittinger.at

Weingut Heuriger Sloboda
7141 Podersdorf, Alte Satz 1
T. +43 2177 2428
www.sloboda.at

Varga
7122 Gols, Untere Hauptstraße 123
T. +43 2173 2231, Fax 20096
www.varga.co.at

Übernachten


Landhotel Restaurant Birkenhof
7122 Gols, Birkenplatz 1
T. +43 2173 2346-0
www.birkenhofgols.at

Zur Dankbarkeit 
7141 Podersdorf, Hauptstraße 39 
T. +43 2177 2223 
www.dankbarkeit.at

B & B Domizil
7122 Gols, Untere Hauptstraße 5
T. +43 680 3342103
www.domizil-gols.at

Pannonia Hotel
7141 Podersdorf, Seezeile 20
T. +43 2177 2245
www.pannonia-hotel.at
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