Gut gereift: Veltiner und Riesling 2014

Gut gereift: Veltiner und Riesling 2014

Gut gereift: Grüne Veltiner und Riesling 2014

An 2014 denken viele Winzer nicht gerne zurück: Beharrlich nasskaltes Wetter ab Sommerbeginn bis tief in den Herbst hinein sorgte für gedämpfte Stimmung und nur geringe Erträge. Trotz der großen Probleme gab es aber auch exzellente Weine, wie die Vinaria-Verkostung von Grünen Veltlinern und Rieslingen aus 2014 zeigte.

Eigentlich war 2014 ja ein Paradoxon – ein tiefer Abgrund klaffte zwischen gefühlt und gemessen: Während man sich nämlich durch die angeblich warmen Saisonen frettete und auf die immer wiederkehrenden Niederschläge und Wolkendecken schimpfte, schwindelte sich 2014 zum wärmsten Gesamtjahr seit Beginn der Aufzeichnungen 1768.

Nach einem besonders milden Winter und Frühlingsstart mit sehr schönem, trockenem Wetter gab es im Mai eine erste nass-kühle Phase. Zur Blüte passte das Wetter aber wieder und im Juni gab es sogar eine kurze Hitzewelle. Ab Ende des Monats wurde das Wetter wieder feucht und ab August auch deutlich kühler und trüber als im langjährigen Durchschnitt. Ein weiterer Dolchstoß folgte mit dem anhaltend trüben und noch nasseren Wetter im September, wo die steigenden Temperaturen dafür für krasse Erhöhung des Krankheitsdruckes sorgten.

Im Allgemeinen war es ein Jahrgang mit hoher Säure und einhergehend Extrakt, dafür geringerer Mostgradation ergo Alkohol, wobei Weine mit höherem Botrytisanteil entsprechend kräftiger ausfielen.

Etliche Weine sind nunmehr deutlich gereift, bei anderen sind nach Verlust der jugendlichen Vitalität die kleinen Unzulänglichkeiten deutlicher sichtbar als damals – ob brotige Noten, vegetale Töne, Gerbstoff oder unreife Säure. Bei manchen dieser Weine mag sich ein Abwarten lohnen, bei anderen haben wir weniger Hoffnung.

Nach oben hin gab es eigentlich keine großen Sprünge, dafür haben manche Weine ein beeindruckendes Stehvermögen bewiesen und die besonders gelungenen Exemplare haben natürlich dank der Lagerung ein Plus an Schliff und Harmonie erhalten. Dies gilt auch für die beiden herausragenden Sieger der jeweiligen Sortengruppen, beides Wachauer: Sighardt Donabaum aus Spitz mit seinem tollen, fast sämigen Almenreith-Veltliner sowie
Emmerich Knoll aus Loiben mit der wunderbaren wie beeindruckenden Vinothekfüllung vom Riesling.

Im Veltliner-Bereich konnte Davis Weszeli mit seinem Käferberg reüssieren – diesem Wein haben die rund zwei Jahre Lagerzeit im Keller sichtlich gutgetan. Sehr elegant, frisch und klar waren der Gebling vom Vorspannhof Mayr sowie Günther Brandls Kogelberg, bei denen der Botrytisanteil sehr klein schien. Die Tradition von Gobelsburg benötigte die Zweitflasche und viel Luft, war aber dann ausgezeichnet.

Unter den Rieslingen waren auch wieder die Kamptaler stark vertreten: Allram mit Heiligenstein, Hiedler mit Kogelberg und Bründlmayer mit Heiligenstein Lyra, dazu Knoll mit dem hocheleganten Schütt als charakterlichen Antagonisten zur Vinothekfüllung. Nicht weit dahinter folgte noch eine Reihe von Weinen, die zu bezaubern wussten, wenn auch der Jahrgangscharakter sich in vielen Fällen in Form schlankeren Körperbaus und rassiger Säure bemerkbar machte.


Toplist Grüner Veltliner 2014 (Auszug)

18,1 Sighardt Donabaum | GV Der mächtige S. Dona aus der Almenreith WL
17,5 Weingut Weszeli | GV Langenlois Käferberg 1ÖTW KA-R
17,1 Vorspannhof Mayr | GV Kremser Gebling KR-R
16,9 Weingut Schloss Gobelsburg | GV Tradition NÖ
16,7 Familie Brandl | GV Kogelberg 1ÖTW KA-R

Toplist Riesling 2014 (Auszug)

18,0 Weingut Knoll | RI Vinothekfüllung Smaragd WA
17,6 Weingut Allram | RI Heiligenstein 1ÖTW KA-R
17,4 Weingut Hiedler | RI Zöbing Kogelberg 1ÖTW KA-R
17,0 Weingut Bründlmayer | RI Zöbinger Heiligenstein Lyra 1ÖTW KA-R
17,0 Weingut Knoll | Dürnsteiner RI Ried Schütt Smaragd WA

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Peter Schleimer
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