Weinpfarrer Hans Denk, 1942 – 2019

Weinpfarrer Hans Denk, 1942 – 2019

Weinpfarrer Hans Denk, 1942 – 2019

Die Nase und der Gaumen Gottes sind nicht mehr: Der legendäre Weinpfarrer Hans Denk verstarb am Ostersonntag nach kurzer, schwerer Krankheit kurz vor seinem 77. Geburtstag. Hans Denk hat die Weinszene geprägt und am Aufstieg des österreichischen Weins in den vergangenen Jahrzehnten großen Anteil.

Am 15. Mai wäre er 77 Jahre alt geworden, der Weinpfarrer aus Albrechtsberg im Waldviertel, der zuletzt in einem kirchlichen Pflegeheim in St. Pölten lebte. Ein Sturz mit komplizierten Wirbelbrüchen zwangen Hans Denk seit Jahren in den Rollstuhl. Verstorben ist er letztlich im Universitätsklinikum St. Pölten an Organversagen. Sein letzter öffentlicher Auftritt war am Faschingsonntag in Wösendorf, wo er zuerst eine Messe konzelebrierte, mit Burgschauspielerin Ulli Fessl als Büttenrednerin und seiner geliebten New Orleans Dixieland Band von Wolfgang Friedrich. Nach der Messe verlagerte sich die Szenerie in die Hofmeisterei Hirtzberger zum würdigen Ausklang.

Dieses Format zum Faschingsonntag hatte der Weinpfarrer dereinst mit seinem engen Freund Erwin Schwarz, dem weithin bekannten Gastwirten in Nöhagen, entwickelt. Mit Schwarz teilte sich Hans Denk über viele Jahre seinen geliebten Weinkeller, ein Kompetenzzentrum für feine Kreszenzen aus der Wachau und aus Bordeaux.

Denk war schon zu Lebzeiten eine Legende. Ein Bauernbub aus dem Waldviertel, der das Priesterseminar absolvierte, vor 54 Jahren geweiht wurde und in weitere Folge mit der Leitung der Pfarre Albrechtsberg im südlichen Waldviertel betraut wurde. Zum Wein hatte Hans Denk wohl eine genetische Verbindung, nicht zuletzt war er auch Neffe von Topwinzer Martin Nigl. Er war ein Genussmensch und Philosoph, der von der Wachau ausgehend und weit über die Grenzen Österreichs hinaus Weingeschichte und Weingeschichten schrieb. Denk gilt zudem als Erfinder der erfolgreichen Weinglas-Serie „DenkArt“ von Zalto Glas.

Für den Pfarrer war Wein nicht nur ein Getränk, sondern vielmehr ein Mysterium des Lebens. Also ging Denk schon in jungen Jahren diesem Mysterium auf den Grund. Er entwickelte dabei einen einzigartigen Geruchs- und Geschmackssinn, der das in der Nase und am Gaumen Erlebte und Genossene auch Jahre später noch präzise und analytisch abzurufen und darzustellen imstande war. Diese unglaubliche Sensorik ist ein - im wahrsten Sinne des Wortes - gottgegebenes Ausnahmetalent, das man weder lernen noch trainieren kann.

Hans Denk roch in ein Glas, schwenkt es, schenkte dem Wein stets Luft und Temperatur, trank daher nie aus kleinen, schmalen Gläsern. Noch vor dem ersten Schluck sprudelte es bereits aus ihm heraus. Bei tollen Weinen konnte er geradezu poetisch ins Schwärmen geraten. Ausufernd seine spontanen Beschreibungen, oft mit neuen Wortkreationen aufgepeppt, ebenso inspirierend wie fachlich fundiert. Es war immer eine Freude, Hans Denk zuzuhören.

Spätestens nach dem ersten Schluck wusste Denk, welchen Wein er da anonym im Glas eingeschenkt erhalten hatte. Dazu in der Regel den Winzer und die Lage, meist auch den Jahrgang. Und das nicht nur bei seinen Leibsorten Grüner Veltliner und Riesling. Denk verdankte dieser Gabe seinen Ruf und seine hohe Wertschätzung bei Winzern und Weinfreunden, bei Gastronomen und Sammlern. Er galt seiner Fangemeinde als Wanderprediger in Sachen Wein und Qualität, für ihn zwei untrennbar miteinander verbundene Faktoren. Schlechte oder fehlerhafte Weine waren ihm ein Gräuel.

Neben dem analytischen Weinwissen wusste Denk stets Geschichten und Storys drumherum, über Land und Leute, Gott und die Welt. Mit Gott gehadert hat er nie. Obwohl Hans Denk selbstredend in die Kategorie der weltlich orientierten Priester einzuordnen war. Ein genussvolles Leben hat er allemal geführt. Die Frauen sah er grundsätzlich anders als die Lehrmeinung seiner Kirche das tut. Genuss trennte er strikt von Völlerei. Dass er alleine aufgrund seiner Statur mehr als drei Achterl vertrug und sich sein Lebtag nicht von Magerjoghurt ernährte, lag auf der Hand.

Hans Denk war ein Prophet der Wachauer Weine. Kein namhafter Winzer, den er nicht seit Mitte der 1980er-Jahre auf seinem Erfolgsweg begleitete. Seine Liebe galt „seinen“ Wachauern und den Roten aus Bordeaux. Eigentlich aber allen schönen Weinen dieser Welt. Er sah den Wein als Schöpfung Gottes, als Geschenk an die Menschen. Mit großem Respekt trat Hans Denk großen Weinen entgegen. Immer mit einem Quentchen Demut und Respekt.

Tausende Verkostungen hat er wohl kommentiert, viele Ideen und Anstöße geliefert. So auch zum Projekt Atzberg in Spitz, das Topwinzer Franz-Josef Gritsch zusammen mit Hans Schmid und Robert Wutzl realisierte. Seine Verdienste um den österreichischen Wein sind gewaltig, auch wenn der Weinpfarrer nie offizielle Funktionen übernehmen konnte. Vinea Wachau ehrte Hans Denk 2002 mit dem Steinfederpreis, 1997 erhielt er den Bacchuspreis des österreichischen Weinbauverbandes.

Hans Denk wird seinem Wunsch gemäß in Albrechtsberg an der Seite seiner Partnerin Vera beigesetzt werden, die er vor neun Jahren und viel zu früh selbst auf ihren letzten Weg geleiten musste. Das Begräbnis ist für Freitag, 10. Mai 2019, 15.00, angesetzt.

Hans, wir werden dich vermissen, aber niemals vergessen!

Erwin Goldfuss


Stimmen zu Hans Denk


„Hans Denk war durch seine Fachkenntnis und seine Leidenschaft für den Österreichischen Wein ein ganz besonders wertvoller Botschafter. Er hat sein Leben so gelebt, dass andere durch ihn auf den Geschmack des wahren Lebens gekommen sind. In der Bibel steht dazu „Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist.“ Hans Denk wird durch sein Wirken für den Österreichischen Wein unsterblich bleiben.“

Johannes Schmuckenschlager
Bundes-Weinbaupräsident a.D., Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich

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„Mit dem Tod von Weinpfarrer Hans Denk verliert die Wachau einen Freund und Wegbegleiter der ersten Stunde. Seine Fähigkeit, Wein einem breiteren Publikum näherzubringen, sowohl beschreibend als auch philosophisch, sowie sein nahezu „photographisches“ Gedächtnis, mit dem er Weine als „Geschmacksbild“ abspeichern und wiedererkennen konnte, machten jede Begegnung zu einem Erlebnis der besonderen Art. Hans Denk war Steinfederpreisträger des Jahres 2002.“

Emmerich H. Knoll
Obmann Vinea Wachau

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„Ein vinarischer Weggefährte hat mich verlassen. Er war einer der Besten. Als Weinfreund und als ganz großer Menschenfreund. Er hat die Weine dieser Welt nicht nur geliebt, sondern auch gekannt. Einer der profundesten Blindverkoster überhaupt. Er hat oftmals große Weine als „mozartäisch“ bezeichnet. Jetzt ist der Mozart der Weine von uns gegangen. Doch er wird nicht vergessen sein. Pfarrer Denk lebt in uns weiter. Nur wer vergessen ist, ist auch tot.“

Adi Schmid
Sommelier-Legende, Vinaria-Verkoster

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„Er war menschlich wie vinologisch eine Ausnahme-Erscheinung. Wir verdanken ihm unzählige schöne Stunden. Dass es uns gelungen ist, den Faschingsonntag 2019 nochmals in seinem Sinne mit ihm zu feiern, erfüllt mich in diesen schweren Stunden mit Freude.“

Otto Vogel
Präsident Smaragdverein 13+

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„Hans Denk war ein großartiger Genußmensch. Es war ihm stets ein großes Anliegen, Aromen zu erkennen. Das Design der Zalto-Gläser trägt seine Handschrift. Zalto Denk‘Art gilt heute in der Weinwelt als State of the Art. Wir werden Hans Denk ein ehrendes Andenken bewahren.“

Josef Karner
Geschäftsführender Gesellschafter ZALTO-Glas GmbH

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„Hans Denk war als Weinkritiker wohlwollend, belehrend und helfend. Dafür wurde er in der Weinszene sehr geschätzt. Er hinterlässt eine wahrhaft große Lücke!“

Josef Pleil
Langjähriger Bundes-Weinbaupräsident & „Weggefährte“

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„Hans Denk war eine Ausnahme-Erscheinung in vielerlei Hinsicht und wohl mein engster Weinfreund. Seine profunde Weinkennerschaft, seine unglaublich feine Nase – nicht von ungefähr „Die Nase Gottes“ genannt – vor allem aber seine Fähigkeit, Weine aus aller Welt zu erkennen und für andere nachvollziehbar zu beschreiben, haben ihn zu einem weit über die Grenzen unseres Landes hinaus anerkannten Interpreten des Weins gemacht. Zu all dem gesellte sich eine Warmherzigkeit, die jeden, der ihn kannte, mindestens ebenso beeindruckt hat. Ich werde meinen Freund sehr vermissen.“

Bernulf Bruckner
“Weinprofessor”, Vinaria- und Buchautor (u.a. „Der Weinpfarrer Denk“)

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„Anfang der 2000er-Jahre habe ich sehr viel Zeit mit Hans und Vera verbracht. Hans hat sich sehr um meine Weine bemüht und maßgeblichen Anteil an deren heutiger Bekanntheit. In vielen Gesprächen hat er mir vom Atzberg am Ortsbeginn von Spitz vorgeschwärmt, der früher mal ein bekannter Weinberg war. Im Berliner Adlon hat er Hans Schmid kennen gelernt und den Kontakt zu mir hertgestellt, Ebenso zu Robert Wutzl, den der Weinpfarrer einst getraut hatte. 2007 war es dann soweit: Schmid, Wutzl und ich gründeten das Weingut Atzberg und begannen mit der Rekultivierung der verwilderten Anlagen. Auch meinen neuen Mauritiuskeller hat Hans eröffnet.“

Franz-Josef Gritsch
Winzer, Spitz (Mauritiushof & Atzberg)

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