Leo Alzinger: Der stille Star der Wachau

Leo Alzinger: Der stille Star der Wachau

Leo Alzinger: Der stille Star der Wachau

Er bleibt gerne im Hintergrund und gehört trotzdem zu den bekanntesten Winzern Österreichs: Leo Alzinger bringt in seinem Weingut in Unterloiben in der Wachau jedes Jahr Grüne Veltliner und Rieslinge von subtiler Finesse und präziser Klarheit in die Flasche. Weine, die auch international hoch bewertet werden. So wie jüngst wieder einmal bei den Decanter World Wine Awards 2019. Der Grüne Veltliner Ried Steinertal Smaragd 2017 erreichte bei den Decanter World Wine Awards 96 von 100 Punkten und damit Gold-Status.

Vinaria bewertet das Weingut Alzinger mit der Höchstnote von 5 Kronen; eine Auszeichnung, die nur 24 Weingüter in Österreich führen dürfen. Schon vielfach waren die Veltliner und Rieslinge am „Stockerl“ der Vinaria-Trophys für die größten und wichtigsten Sortenverkostungen Österreichs. Zahlreiche Alzinger-Weine wurden im Vinaria Weinguide mit der Höchstwertung von 5 Sternen bedacht.

Liebhaber von Alzinger-Weinen sind vielleicht gar nicht so glücklich darüber, denn es könnte künftig noch schwieriger sein, eine der begehrten Flaschen aus dem Keller in Unterloiben zu ergattern. Schon jetzt werden die begehrten Einzellagen-Veltliner und -Rieslinge weltweit eher verteilt als vertrieben. Innerhalb Österreichs ist der Stellenwert der Alzinger-Weine ohnehin längst unumstritten – und das bereits in dritter Generation, denn Leo Alzinger sen. (der das Gut einst von seinem Vater übernahm) hat die Verantwortung vor fünf Jahren an Leo jun. (40) und dessen Frau Katharina (36) übergeben.

Neue Stilistik dank alter Tugenden - Die Weine von Leo Alzinger jun. stehen für eine neue Stilistik der Wachau. Bei aller Intensität wirken sie nämlich schlank und mineralisch. Struktur und innere Spannung sind es, die den scheinbar leichtfüßigen Auftritt möglich machen. So gesehen bilden Alzinger-Weine einen erfrischenden Kontrast zu so manchen hochreifen Smaragden, mit denen die Wachau lange in Verbindung gebracht wurde.

In relevanten Verkostungsnotizen von Alzinger-Weinen finden sich daher meist Prädikate wie „glockenklar“, „präzise strukturiert“ oder „hohe Mineralität, charmante Frucht und elegante Finesse“. Dieser sehr persönliche Ausdruck von Leo Alzinger ist kein Bruch mit der eigenen Geschichte, sondern – im Gegenteil – die konsequente Fortsetzung einer Entwicklung, die Vater Leo Alzinger sen. vor mehr als 30 Jahren eingeleitet hat. Schon in den 1980er-Jahren war Alzinger ein Pionier eines klaren, präzisen Weinstils, bei dem Natürlichkeit und Herkunft im Mittelpunkt standen. Leo jun. trägt die Errungenschaften des Vaters weiter. Handarbeit und Herkunft bleiben die obersten Prinzipien.

Die Magie der Lagen - Entscheidend für diese elegante Balance aus Struktur und Leichtigkeit ist neben dem optimalen Erntezeitpunkt vor allem die Lage. Leo Alzinger nimmt die Mühe auf sich, alle Parzellen getrennt zu vinifizieren, weil nur so die Merkmale der Herkunft sichtbar werden. Das Ergebnis ist eine wunderbar ausdifferenzierte Edition an Weinpersönlichkeiten:
Die schwungvolle Mineralik der Grünen Veltliner von der Riede Hochstrasser kontrastiert mit der würzig-salzigen Lebhaftigkeit der Riede Mühlpoint.

Die nach Blüten duftenden Rieslinge von der Hollerin heben sich deutlich von der zupackenden Stoffigkeit der Loibenberg-Rieslinge oder kühlen Aromatik der Liebenberg-Rieslinge ab, ganz zu schweigen von der Noblesse des stets delikaten Riesling Steinertal. „Für mich ist jeder Weingarten ein individueller Mikrokosmos, der ganz unterschiedlich verstanden werden möchte“, sagt Leo Alzinger.

In der östlichen Zone der Wachau, in Loiben, wo sich die Rebanlagen Alzingers befinden, dominieren Gneistypen, in den tieferen Lagen zudem Löss und Donausedimente. Klimatisch ist dieser Teil der Wachau noch pannonisch beeinflusst, daher etwas wärmer als beispielsweise der Spitzer Graben, rund 15 Kilometer weiter im Westen. Leo Alzinger: „Die Lage Steinertal etwa öffnet sich nach Norden, sodass hier in der Nacht kalte Luftmassen eindringen. Oben am Loibenberg beeinflusst der umgebende Wald die Temperaturen. Und die Ried Liebenberg, nahe Weissenkirchen, ist oft kühlen Luftmassen aus Nordwesten ausgesetzt.“

Steillagen und Steinmauern - Eine sorgsam gepflegte Besonderheit des Wachauer Weinbaus spielt auch für Alzinger eine große Rolle: Die Steillagen sind durch Steinmauern in Terrassen gegliedert. Diese Steinmauern werden ohne Mörtel, nur durch das Übereinanderschichten von passenden Feldsteinen errichtet. Eine uralte Technik, die sich erhalten hat und auch heute noch angewendet wird. Die Bauweise macht die Mauern elastisch, sie speichern Wärme und sind zudem Lebensraum für eine Vielzahl von Reptilien, Insekten und Pflanzen. In den Terrassen sind händische Pflege und aufwändige Laubarbeit erforderlich. Die Trauben sollen bei optimaler Balance zwischen Sonneneinstrahlung und kühlen Luftströmen ihrem idealen Lesezeitpunkt langsam entgegenreifen.

INFO: Weingut Alzinger - Die Familie Alzinger betreibt seit 1920, aktuell in dritter Generation, Weinbau in der Wachau, einem der renommiertesten Weinbaugebiete der Welt. Leo Alzinger sen. zählt seit den 80er Jahren zu den Fixsternen des Wachauer Weinhimmels. Sohn Leo jun. führt diese Arbeit gemeinsam mit seiner Frau Katharina fort. Insgesamt bewirtschaftet die Familie 11 Hektar in Unterloiben. Produziert werden ausschließlich Grüne Veltliner und Rieslinge. Sämtliche Weine sind von Hand gefertigt und klar definierte Einzellagenweine aus den Rieden Hochstrasser, Hollerin, Höhereck, Liebenberg, Loibenberg, Mühlpoint und Steinertal.

2017 erhielt Alzinger für die nachhaltige Neukonzeption des Weingutsgebäudes den Architekturpreis „Vorbildliches Bauen in Niederösterreich“.

www.alzinger.at 

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