Bordeaux & Co: Angst vor Trump, Brexit, Hong Kong

Bordeaux & Co: Angst vor Trump, Brexit, Hong Kong

Bordeaux & Co: Angst vor Trump, Brexit, Hong Kong

Die Weinlese in Bordeaux ist abgeschlossen, die Winzer erwarten einen tollen Jahrgang 2019. Für viel Kopfweh sorgt aber das weltweite politische Umfeld, das den Absatz französischer Weine erheblich stören könnte: Brexit, Trump und Hong Kong heißen die Schreckgespenster der Winzer nicht nur in Bordeaux. Dabei sind die Bordelaiser Châteaus nicht alleine: auch Burgund und Champagner mit ihren tendenziell höherpreisigen Weinen und auch andere Regionen Frankreichs sind massiv betroffen.

BREXIT – Der britische Markt für gehobenere Importweine ist praktische zusammen gebrochen, seit sich die Menschen und die Wirtschaft vor einem No Deal-Brexit ernsthaft fürchten. Die Exkapaden von Premierminister Boris Johnson und sein Konflikt mit dem Parlament haben die Stimmung arg verschlechtert. Die Vororders und Primeur-Bestellungen sind im Keller, der Handel verunsichert, private Käufer werfen eher ihre Bestände auf den Markt als dass sie einkaufen würden.

TRUMP – Der POTUS (President of The United States) ist ein unberechenbarer Politclown, der nur auf seine eigenen Vorteile („Deals“) schaut. Stichwort: Ukraine & Co. Trump ist der 45. Präsident in der Geschichte der USA, aber noch keiner davor hat es jemals annähernd gewagt, sein Amt – angeblich das mächtigste der Welt - derart zu mißbrauchen. Immer wieder sind Weinimporte aus der EU von Strafzöllen belegt oder bedroht. Aktuell schwebt das Damoklesschwert eines 25%-Zolls über EU-Weine unter 14% vol. Alkohol über der europäischen Weinwirtschaft. Die Exportrückgänge sind bereits signifikant.

HONG KONG – Die anhaltenden politischen Unruhen und gewalttätigen Proteste haben den lukrativen Weinmarkt Hong Kong, den wichtigsten in Asien, zum Erliegen gebracht. Es ist keine Entspannung in Sicht, im Gegenteil: die Angst vor einem militärischen Eingreifen Chinas in der Sonderverwaltungszone wächst mit jeder Woche. Zuletzt wurde sogar das große jährliche HK Wine & Dine Festival abgesagt. Die Weinimporte Hong Kongs gingen im ersten Halbjahr 2019 um 26% im Wert zurück. Dramatisch: Etwa 90 Prozent der Weinimporte von Festland-China laufen über Hong Kong. Diese sind im ersten Halbjahr um 64% eingebrochen. Das gegenüber 2018, wo schon ein Rückgang gegenüber 2017 von über 30% zu verzeichnen war.

2019: Jahrgang der Kontraste – Die Weinlese in Bordeaux verlief 2019 exzellent, ein toller Jahrgang wird erwartet. Dabei war es ein Jahr der Kontraste: In der Wachstumsperiode der Weinreben lag die Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad Celsius über dem Schnitt der vergangenen 30 Jahre. Den Temperaturrekord des Sommers hält die Stadt Mèrignac, wo am 23. Juli 2019 exat 41,1 Grad Celsius gemessen wurden. Zudem lag die Regenmenge um 21% unter diesem langjährigen Schnitt, obwohl starke Regenfälle genau die Blütephase der Reben traf. Dazu kamen phasenweise Frost und Hagel, richteten aber weniger Schäden an als in den Jahren zuvor.

Erwartet wird im Bordelais eine Erntemenge von rund fünf Millionen Hektoliter Wein. Das sollte im großen und ganzen in etwa soviel Flaschen ergeben wir 2018, nämlich rund 660 Millionen 0,75 Liter. Damit deutlich mehr als im zehnjährigen Durchschnitt von 350 Millionen Flaschen. Für 2017 lag die Menge ebenfalls bei eher mageren 350 Millionen Flaschen. Die Weine werden voraussichtlich dicht und stoffig, mit viel Tannin, relativ hoher Säure, dunkler Farbe und wohl zwischen 13,5% und 14% vol. Alkohol aufweisen.
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