Boykott gegen Bordeaux-Subskription

Boykott gegen Bordeaux-Subskription

In Großbritannien laufen Konsumenten und Weinhändler Sturm gegen die Preise für Bordeaux-Subskriptionen („en primeur“) des tendenziell schwachen Jahrgangs 2014. Zwölf führende britische Weinhandelshäuser und Bordeaux-Importeure, darunter renommierte Firmen wie Berry Bros & Rudd, Bordeaux Index und Corney & Barrow haben einen Boykott der Subskriptionen angezettelt und die Chateaus und Negociants aufgefordert, die Preise zu senken und den Gegebenheiten des Marktes anzupassen.

In einem offenen Brief, den zwölf britische Weinimporteure unterzeichneten, warnen die Händler davor, dass die Kunden ihre Subskriptionskäufe stoppen oder gänzlich streichen würden, weil sie keinen realistischen Gegenwert im Jahrgang 2014 zu den geforderten Preisen sehen. Den Brief unterzeichneten neben den genannten Händlern auch Farr Vinters, The Wine Society, Armit und Fine & Rare. Diese Entwicklung hat sich bereits in den vergangenen Jahren abgezeichnet, als nach dem Hype um die Super-Jahrgänge 2009 und 2010 die folgenden Jahrgänge deutlich schwächer ausfielen, die Preise aber dennoch auf hohem Niveau stagnierten oder gar noch stiegen.

Im allgemeinen sehen die britischen Händler die dringende Notwendigkeit einer Preiskorrektur nach unten und zwar quer über alle Qualitäts- und Klassifikationsstufen der Bordelaiser Weine. Tenor: „Wir müssen dringend zurück auf das Niveau von in etwa 2008.“ Die für die Jahrgänge 2011, 2012 und 2013 verlangten Preise lägen, so die britischen Händler, jenseits von Gut und Böse. Irgendwie ist auch schon längst in Vergessenheit geraten, dass gerade die Subskriptionspreise einen Vorteil gegenüber den Regulärpreisen der Weine nach Abfüllung bieten und daher der Preis-Leistungs-Aspekt im Vordergrund stehen sollte. Dieses tradierte Muster hat sich im Laufe der Zeit allerdings völlig ad absurdum geführt.

„Bordeaux hat die große Chance, das Vertrauen der Konsumenten zurück zu gewinnen, wenn die Chateaus zu einer sensibleren, den Marktbedürfnissen und den Jahrgängen angepassten Preisgestaltung zurück finden würden“, schreiben die Händler in dem offenen Brief. In Einzelfällen passiert dies auch bereits: Lynch-Bages etwa hat die Preise für seine 2013er-Weine gegenüber 2012 um 17 Prozent reduziert.


Francois Brouard vom Weinhandelshaus Derksen & Co in Leobendorf bei Wien sieht die Situation gelassen: „Na, diese Kampagne ist doch schon gelaufen, schlecht gelaufen, schlechter als 2012, und 2012 schlechter als 2011. Nun hoffen wir auf einen guten und preiswerten Jahrgang 2014. Für 2013 und davor, können wir nur hoffen, dass die Weine gut reifen, die Négociants finanzkräftige Nieren haben und "wir" die Konsumenten nicht vergrämt haben. Der Kaufboykott ist bereits Realität gewesen. Stornierungen habe ich keine, ich habe allerdings auch nicht aggressiv verkauft. Wir haben nur sehr diskret und nur bei unseren langjährigen Partnern bestellt. Und haben dort die Nachricht bereits während der Kampagne übermittelt: der Markt nimmt das nicht auf  und wir investieren nicht, nehmen das Risiko nicht auf. Persönlich meine ich, dass das allgemeine wirtschaftliche Umfeld ein wesentlicher Faktor ist. Jetzt wo es schlechter geht, aber ganz besonders damals, als Bordeaux im siebenten Himmel war. Vermutlich ging damals ein großer Teil der Absätze in alternative Finanzanlagen. Dies war 2014 endgültig nicht mehr attraktiv. Niedrigere Ausgangspreise würden vermutlich auch den nicht investitionssüchtigen Bordeauxliebhaber wieder versöhnen.“


Franz Noitz vom gleichnamigen Wein.Depot in Palt bei Krems sieht es ähnlich wie sein Kollege Brouard: „Für 2014 gibt es noch gar keine Subskriptionspreise und ich kann mir nur vorstellen, dass die Briten da einen Schuss vor den Bug in Richtung Bordeaux abgegeben haben. Die Chateaus und Händler wären in der Tat schlecht beraten, wenn sie für 2014 die Preise wieder anheben würden. Die Lager der Kunden sind voll und die Kauflust gering. Bei uns war bei den Bestellungen für die Jahrgänge 2011, 2012 und 2013 starke Zurückhaltung spürbar. Für diese Jahrgänge wurden die Preise gegenüber den Hypes von 2009 und 2010 viel zu wenig reduziert.“

Katharina Wolf, Chefin von „WeinArt“, die ein breites Bordeaux-Sortiment im Angebot hält: „Ich kann hierzu noch nichts sagen und es wundert mich auch, dass es schon Stimmen aus UK gibt, die ich nicht kenne, denn 2014 ist weder bepreist noch hat die Kampagne begonnen. Wir befürchten wie in den letzten Jahren, dass die Preise zu hoch werden, aber wissen tut es noch keiner. Die letzte Kampagne war eine reine Katastrophe und das sollte sich nicht wiederholen.“



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