So kochten Österreichs Top-Chefs London ein

So kochten Österreichs Top-Chefs London ein

"It was absolutely splendid, a showcase for all that is excellent in Austrian wines and gastronomy.“ So beschrieb Serena Sutcliffe, Sotheby’s-Weinexpertin und bekannt für ihre scharfen Kritiken, den Abend. Das Kompliment bezog sich auf das am vergangenen Montag in London erlebte Alpine Dinner, bei dem österreichische Köche bewiesen, dass die Gastronomie des Alpenlandes um einiges mehr kann als Traditionen zu pflegen.

Fünf junge Chefs waren nach London gereist. Im Gepäck Küchenmesser, Zutaten, Produkte aus der Heimat, sowie eine Menge Ambition - und Können sowieso.  Andreas Döllerer, Thomas Dorfer, Richard Rauch, Philip Rachinger und Hubert Wallner kennen einander als Mitglieder der Jeunes Restaurateurs und als Gründer und Mitveranstalter des österreichischen Koch.Campus.

Die Tatsache, dass die heimische Küche im Ausland praktisch nicht wahrgenommen wird, was ihre Qualitäten und ihre innovative Kraft betrifft, nervt diese junge Truppe schon lange. Vergangenen Herbst beschloss man, selbst nicht mehr untätig zu bleiben. Ein Gourmet-Abend für britische Food&Wine-Kritiker, das sollte es werden. Sie sollen auf den Geschmack der neuen alpinen Küche made in Austria kommen. Und sie sollten die Botschaft in ihre Welt hinaustragen und sogar Lust kriegen, sich Österreich, seine Köche, seine Produzenten und die hiesige kulinarische Szene einmal persönlich anzuschauen.

Es waren der Hürden nicht wenige, kriegt man von den Organisatoren Wolfgang Neuhuber und Klaus Buttenhauser zu hören, die im Hintergrund jedes mit dem London-Trip verbundene Detail klärten. Mit Sack und Pack nach London zu reisen ist das eine, dabei alle rechtlichen Umstände und Bedingungen zu berücksichtigen, das andere. Mit der Hilfe von in London ansässigen Freunden und Bekannten fand man eine aufregende Location: Das „The Magazine“, das an die Serpentine Sackler Galery angeschlossenes Restaurant im Hyde Park. Aufregende, kontemporäre Architektur aus der Werkstatt von Zaha Hadid. Ein Ort wie aus einem James-Bond-Film. Bis zum Ende zitterte man, ob es alle Produkte nach London in die Kühlräume des Restaurants schaffen würden, ob man nicht doch etwas vergessen würde.

Und dann standen sie alle in der Küche, fünf und eigentlich sechs Chefs von den Besten, die man in Österreich finden kann. Helmut Rachinger, der mit Sohn Philip gemeinsam in der Küche des Mühltalhofs werkt, war auch mit gekommen, ebenso die Souschefs und Patissiers der Restaurants, in denen Döllerer und Kollegen arbeiten.

Wie ein lange einstudiertes Ballett arbeiteten die Küche einander zu, im Hintergrund dirigiert von Andreas Döllerer, der mit Großveranstaltungen viel Erfahrungen hat. Immerhin: es waren an die hundert Gäste da, darunter 50 britische Restaurantkritiker, Weinkritiker und Food-Writer.

Aus Österreich gekommen waren auch wichtige Vertreter der Weinszene, etwa Fritz Wieninger, Bernard Ott, Paul Achs und Philipp Grassl. Ihre Weine waren als Ergänzung in den Gläsern der Gäste zum austrophilen Geschmackserlebnis mit Ramsauer Alpensaibling, Fenchel im „Gletscherschliff“, „Johann“-Schwein mit Zitrone und Biertrestern, Feldkase mit roten Rüben und b’soffenem Kapuziner.

Dass ÖWM-Chef Willi Klinger für den Abend extra seinen Urlaub unterbrochen und nach London gereist war, darf als Kompliment für das Engagement der österreichischen Spitzenköche gewertet werden. Seine Präsentationen sind perfekt am Punkt, was Witz, Information und Kürze betrifft. Immerhin: der Weinmarketing ist gelungen, was einer noch zu gründenden „Gourmet-Marketing“ noch bevorsteht – sie hat mitgeholfen, die heimischen Weine zwischen Asien und Amerika bekannt zu machen.

Vom Döllerer-Brot mit Röstzwiebelbutter bis zu Richard Rauchs Bluttommerl war es den Österreichern gelungen, den Original-Geschmack aus ihren Restaurants in die britische Hauptstadt zu bringen, was keine Kleinigkeit ist, und die schweren Gepäckstücke, mit denen sie angereist waren, mehr als rechtfertigt. Das Ergebnis: Beste Stimmung bei den britischen Gästen, Freude (und Erkenntnis) beim österreichischen Botschafter. Vielleicht, dass demnächst in der Botschaft der eine oder andere österreichische Spitzenkoch für einen Abend in der Küche steht.

Übersicht der Winzer beim Austrian Wine Tasting in London

Zurück