Hagelsturm vernichtet Winzer-Existenzen

Hagelsturm vernichtet Winzer-Existenzen

Hagelsturm vernichtet diesmal ganze Existenzen

Das erste schwere Hagelunwetter in diesem Jahr hat in der Nacht von 5. auf 6. Mai verheerende Schäden in den Weingärten im Kamptal, Kremstal und am Wagram in Niederösterreich verursacht. Auf 3.000 Hektar wurden große Teile der Ernte bereits vor der Weinblüte vernichtet, der Schaden geht in die Millionen Euro. Komplette Existenzen sind bedroht, bei einigen Winzern sind 90 Prozent der Flächen und damit der kommenden Ernte zerstört.

Diesmal wurden die Winzer völlig unvorbereitet getroffen. Gegen 02.00 Uhr früh kam der Hagelsturm wie aus heiterem Himmel über einen 16 Kilometer breiten Landstrich zwischen dem östlichen Kamptal, den Ausläufern des Kremstales und weiten Teilen des Wagrams. Bis zu drei Zentimeter große Hagelkörner donnerten in ungeheurer  Heftigkeit auf die Weinkulturen nieder. Nur wenige Rebflächen waren mit Hagelnetzen geschützt.

Katastrophe am Wagram. Dramatisch betroffen ist etwa der Wagramer Spitzenwinzer Karl Fritsch, dessen Vater erst am 27. April mit der Vinaria Trophy für das Lebenswerk ausgezeichnet wurde: 24 von 26 Hektar Rebfläche sind bei Fritsch vernichtet! Auch die Weingüter Leth und Kolkmann wurden arg in Mitleidenschaft gezogen. Der erfolgreiche Jungwinzer Gregor Nimmervoll aus Engelmannsbrunn beklagt schwerste Schäden auf fast seiner gesamten Fläche von zehn Hektar. Bei Bernhard Ott in Feuersbrunn dürfte vor allem die Lage Rosenberg komplett ausfallen, Clemens Strobl beklagt dort drei zerstörte Hektar in den Toplagen Losing und Hengstberg: „Genau dort, wo wir keine Netze hatten. Aber selbst mit Netzen wurde die Katastrophe nur gemildert, weil der Hagel so heftig war und schräg daher gekommen ist, dazu der Sturm!“

Hagel wie die Höchststrafe. „Wir haben seit Jahren keine normale Lese mehr gehabt, das geht voll an die Substanz“, klagt ein betroffener Winzer: „Nach dem schwierigen Jahrgang 2014 war dieser Hagel sozusagen die Höchststrafe oben drauf!“ In den Orten Etsdorf, Hadersdorf, Engabrunn, Feuersbrunn, Fels, Kirchberg und weiter bis Absdorf sind ganze Landstriche verwüstet. Auf den Rebstöcken ist kein Blatt mehr zu sehen, alles wie sandgestrahlt. Zahlreiche Betriebe müssen in diesem Jahr mit einem Totalausfall rechnen, einige werden das wirtschaftlich wohl nicht überstehen und aufgeben müssen.

In Gedersdorf (östliches Kremstal) etwa sind die bekannten Betriebe Mantlerhof, Berger, Eder und Schachinger besonders arg betroffen. Willi Bründlmayer aus Langenlois und seine Kollegen haben teils schwerste Schäden in den Kulturen in Kremsfeld, Wechselberg, Thal, Richtung Gedersdorf und Rohrendorf, in Gobelburg und in den Lagen Haide. Stark betroffen sind die Weingärten von Schloss Gobelsburg und in Gobelburg auch jene von Karl Steininger, der rund 1,6 Hektar beklagt.

„Ein derart massiver Hagel tritt in der Regel nicht vor Ende Mai auf“, sagt Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, die rasche Hilfe verspricht. Wobei, so Winzer Walter Buchegger, die Hagelversicherung in der Regel nur 15 Prozent des tatsächlichen Schadens deckt. Und gleich auf ein besonderes Kuriosum verweist: die Entschädigungen aus der Hagelversicherung unterliegen zur Gänze der Einkommensteuer. Dadurch wird den Betrieben bei der Steuererklärung ein zweites Mal der Geraus gemacht.

Wie es mit den Rebstöcken weiter geht, werden die kommenden Wochen zeigen. Die Pflanzen sind an sich robust und treiben rasch wieder aus. Die neuen, sekundären Triebe bringen aber meist nur geringen Ertrag und schwache Qualitäten. Nichts kann die Triebe, die noch vor der Blüte zerstört wurden, ersetzen.

 

Zurück