2 Weingüter, ein Team, null Identitätsprobleme

2 Weingüter, ein Team, null Identitätsprobleme

2 Weingüter, 1 Team, 0 Identitätsprobleme

 
Da sitzt ein schlanker, noch nicht einmal 50-jähriger Herr im lässigen T-Shirt in seinem Verkostungsraum mitten in Krems. Die Architektur hier trägt den Stempel „Zeitgeist“. Edles Holz, alles glänzt, puristische Formen. Und viel Glas, nicht nur in den Fenstern: Um ihn herum hochklassig gestaltete Kartons und Flaschen zweier Weingüter. Der Herr heißt Fritz Miesbauer, sein Team weist einen Altersdurchschnitt von 25 Jahren auf, und die beiden Weingüter, für die er verantwortlich ist, können gemeinsam auf gut 1.500 Jahre Weinbautradition zurückblicken: „Weingut Stadt Krems“ und „Weingut Stift Göttweig“.
 
Wie schafft man es, zwei Weingüter gleichzeitig zu leiten, ohne dabei Identitätsprobleme zu bekommen, Herr Miesbauer? Die Antwort des gebürtigen Wachauers, der früher mit ÖWM-Chef Willi Klinger die „Freien Weingärtner Wachau“ in neue Qualitätsdimensionen führte und 2003 als Chef des Weinguts Stadt Krems begann, leuchtet ein: „Ganz einfach, indem ich beide Weingüter wie ein einziges behandle!“ In der Praxis heißt das: Erziehung, Lese, Pressen, Vinifizierung, Lagerung ... alles erfolgt für die Weingüter Stift Göttweig und Stadt Krems nach derselben Philosophie, mit denselben Arbeitsvorgängen und Geräten. Die Kellerarbeit wird für beide Weingüter in Krems erledigt.
 
Lage, Lage, Lage - Und was macht dann den Unterschied zwischen diesen beiden Weingütern, Herr Miesbauer? „Die Lage macht den Unterschied! Sie entscheidet den Charakter des Weines, nicht wir!“ Lage, Lage, Lage heißt deshalb auch das Credo bei Miesbauer und Kellermeister Peter Rethaller. Letzterer kam mit 21 als Praktikant in den Betrieb und stellt heute mit 26 eine Säule des Unternehmens dar.
 
Eine Vermischung der Trauben von Göttweig mit denen von Krems käme für Fritz Miesbauer niemals in Frage. Den Unterschied zwischen den Weingütern schmeckt man, ist er überzeugt: Rund 10 Jahre lang hatte Fritz Miesbauer jetzt Zeit, „seine“ Weingärten in- und auswendig kennenzulernen. Jetzt weiß er, was jede Lage braucht und was in ihr steckt. „Grob vereinfacht kann man sagen, dass die Weine von Stadt Krems die puristischen, etwas fordernderen Weine sind. Weine aus Stift Göttweig präsentieren sich zugänglicher, barocker“, präzisiert Fritz Miesbauer.
 
In Göttweig setzt er auf Pfaffenberg, Gottschelle und Silberbichl (allesamt auch „Erste Lagen“ der Österreichischen Traditionsweingüter, ÖTW). In Krems auf die Ersten Lagen Grillenparz und Wachtberg sowie auf Weinzierlberg. Mit Stolz weist Miesbauer auf einen „neuen“ Liebling in Krems hin: die Riede Schreck. „Es steckt enormes Potenzial in dieser Lage. Außerdem ist es der erste Weingarten, den ich für das Weingut kaufen durfte!“ An dieser Stelle sei hinzugefügt, dass die Besitzerin des Weinguts die Stadt Krems ist. Zu 100 Prozent. Als Miesbauer 2003 das Weingut als Verantwortlicher übernahm, hatte er zunächst alle Hände voll damit zu tun, die bestehenden 31 Hektar Weingärten auf den Stand der Zeit zu bringen. Investitionen in neue Weingärten waren da nicht drinnen.
 
Auf uralte Traditionen blicken jedenfalls beide Weingüter zurück: Göttweig auf rund 1000, Krems auf gut 500 Jahre. Miesbauer sieht sich als Teil dieser Tradition: „Wir arbeiten zwar modern, aber wir leben die Geschichte und die Geschichten unserer Häuser. Und wir erzählen sie auch gerne.“
 
 
Weingut Stift Göttweig /
Weingut Stadt Krems
 
Gegründet: 1083 / 1452
Weinanbaufläche: 26 ha / 31 ha
Exportanteil: 50% / 65%
Sortenanteil: GV 65%, RI 33%, PINOT N. / GV 67%, RI 32%, PB, CH
 


Weingut Stadt Krems

3500 Krems, Stadtgraben 11
Tel. +43 2732 801-441

office@weingutstadtkrems.at
www.weingutstadtkrems.at
 

Weingut Stift Göttweig

3511 Furth, Göttweig 1
Tel. +43 2732 801-440
office@weingutstiftgoettweig.at
www.weingutstiftgoettweig.at


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