Mohr im Hemd & Co: Wiener Mehlspeisen-ABC

Mohr im Hemd & Co: Wiener Mehlspeisen-ABC

Mohr im Hemd & Co: Das Wiener Mehlspeisen-ABC


Die Wiener Mehlspeisenküche ist zu Recht weltbekannt. Aber: Woher und wie kamen die feinen süßen Sachen nach Wien? Vinaria-Autor Werner Ringhofer begab sich auf die Suche nach den Wurzeln einiger Klassiker der Wiener Mehlspeisenküche. Den weitesten Weg nach Österreich machten die süßen Strudel. Sie gelten als Nationalgericht, seinen Ursprung hat der Strudelteig allerdings im arabischen Raum. Mit den Türken kam er nach Wien.

Eine lange Reise hat auch die Palatschinke hinter sich. Die Geschichte beginnt bereits bei den Römern. Dort hieß sie „placenta“, also Kuchen. Über ungarische und slawische Gebiete landete die palacinka schließlich in Österreich. Die Bezeichnung Palatschinke taucht in der Wiener Küche erst im 19. Jahrhundert in den Kochbüchern auf, davor nannte man sie Eierkuchen.

Die Topfenknödel kommen original aus Böhmen, wurden aber sehr bald ein fester Bestandteil der Wiener Küche. Auch die Powidltascherln haben den gleichen Ursprung. Powidl (von „povidat”, „reden“) weist auf die aufwendige Zubereitung hin, schließlich musste ständig umgerührt werden, mit Plaudern verkürzten sich die Bäuerinnen gerne die Zeit.

Der Ursprung des Mohrs im Hemd ist auf den Tag genau bekannt: der 14. März 1888, der Premierentag für Verdis Otello in der Wiener Hofoper. Als Andenken an die Hauptfigur, ein Feldherr mit dunkler Hautfarbe, wurde die Mehlspeise kreiert und man fand sie bald darauf in vielen Wiener Kaffeehäusern.

Glaubt man der Legende, hat der Milchrahmstrudel, auch „Millirahmstrudel“ genannt, seine Wurzeln im Roten Stadl, einem Gasthaus im Wienerwald. Was die Bezeichnung betrifft, vermutet man, dass die Hauptzutat Milch oder die angebliche Erfinderin namens Milli Namensgeber sind.

Die Mohnnudeln treffen wir in ähnlicher Form in Italien. Dort kennen wir sie als süße Gnocchi, bei uns nennen wir die Köstlichkeiten aus Kartoffelteig Schupfnudeln. Besonders gut schmecken sie mit Zucker, warmer Butter und Mohn.

Mehlspeisen bildeten früher einen wesentlichen Bestandteil des Speiseplans im katholischen Österreich. Der Grund: Die vielen Fasttage verlangten häufig fleischlose Kost. Die süße Mehlspeise entwickelte sich schließlich zu einem fixen Teil der Menüfolge.
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