Reinhard Muster - Der steirische "Überflieger"

Reinhard Muster - Der steirische "Überflieger"

Topwinzer Reinhard Muster: Der Überflieger

Reinhard Muster hat im aktuellen Vinaria Weinguide 2020 für sein Weingut MUSTER.gamlitz erstmals die begehrten fünf Kronen im Vinaria-Weinguide erhalten. Der „Überflieger“ ist dabei wörtlich zu nehmen. Reinhard Muster ist nicht nur sehr erfolgreicher Winzer, sondern auch begeisterter Privatpilot. Wann immer es sein arbeitsreicher Beruf zulässt, setzt er sich in den Flieger und hebt ab. Am liebsten bewege er sich über dem südsteirischen und dem nordslowenischen Weinland, sagt er.

Schon in sehr jungen Jahren hat ihm die Familie die Verantwortung für den Betrieb in Gamlitz-Grubtal übertragen. Auf seinem Weg nach oben hat er nicht aus Prinzip oder aus jugendlichem Überschwang heraus alles neu gemacht, sondern Bewährtes erhalten und modifiziert. Das heißt aber nicht, dass er sich Experimenten verschließt, ganz im Gegenteil.

Unerwartet schnell hat er sich mit seinen Gewächsen einen Namen gemacht und bei Blindverkostungen die vordersten Ränge belegt. Die dabei gezeigte Konstanz seiner Leistung war nicht unwesentlich für die Auszeichnung mit fünf Kronen im Weinführer von Vinaria. Darüber hat er sich außerordentlich gefreut. „Diese Auszeichnung ist für mein Team und für mich der größte Erfolg der letzten Jahre und wirkt weit über die Landesgrenzen hinaus. Dass Vinaria dabei nach völlig objektiven Kriterien vorgeht, macht es für mich noch wertvoller“, streut er dem Redaktionsteam Rosen.

Nach den Gründen für die Qualität seiner Weine befragt, nennt Reinhard Muster an erster Stelle das illyrische Klima, welches in Slowenien und im Südosten von Österreich herrscht, „ein Übergangsklima zwischen mediterranem, Alpen- und pannonischem Klima“, sagt Wikipedia. „Ich meine den Bereich zwischen der Koralpe im Westen, Graz im Norden und Maribor im Süden, ein Becken, das gegen Osten durch die Mur begrenzt wird.

Für die wichtigsten Rebsorten in unserem Anbaugebiet sind die klimatischen Randbedingungen bestimmender als die Lagen, auf denen sie stehen. Sie geben den unverwechselbar südsteirischen Weißweintyp, den wir insbesondere mit unserer Reverenz-Linie zum Ausdruck bringen wollen.“ Er stellt aber nicht in Abrede, dass gute und sehr gute Rieden wie Grubthal oder Rieglbauer das Herkunftsprofil eines Weines schärfen. Erst nach Klima und Boden komme der Mensch, der Winzer, gibt er sich bescheiden.

Amore - Das bringt uns zur Philosophie, die Reinhard Musters Wirken bestimmt. „Amore“, sagt er knapp. Damit meint er die Grundhaltung innerhalb der Mannschaft. Amore ist Basiseinstellung, Handlungsweise und Schlüsselwort im täglichen Miteinander zugleich. Jeder Arbeitsschritt soll mit Liebe, Freude und Hingabe erledigt werden, egal ob Traubenlese oder Herrichten von Kartons für den Versand.

Das letzte Glas in der Flasche sei das entscheidende, erklärt der Winzer. Das klingt zunächst etwas kryptisch. Er präzisiert, dass nicht der erste Schluck der beste sein soll, sondern der letzte den größten Genuss bereiten möge. Man kann das auch anders formulieren: Der Fokus ist nicht auf Verkostungsweine gerichtet, die sofort überzeugen müssen. „Wir streben Gentleman-Weine an, die gelassen in sich ruhen und keinen Rummel benötigen. Wir wollen noble Weine, keine Selbstdarsteller“. Das sei ein ganz großes Thema am Hof, betont Reinhard Muster.

Reinhard Muster war bei der Übernahme des Betriebes im Jahr 2000 der jüngste Unternehmer der Grünen Mark. Irgendwie hat das auch die hohe Politik mitbekommen und ist auf ihn aufmerksam geworden. Das Land Steiermark hat dem Newcomer 10.000 Euro zur Verfügung gestellt unter der Bedingung, eine sinnvolle Verwendung nachzuweisen. Was könnte für einen aufstrebenden Winzer sinnvoller sein, als einen Weingarten anzulegen? Der junge Mann pflanzte die Lage Rieglbauer neu aus. Heute gehört der Grauburgunder Rieglbauer mit seiner ungewöhnlich salzigen Note zu den sehr guten Repräsentanten dieser Varietät.

Muster empfindet es als Zeichen der Wertschätzung, dass er das Projekt Domaine Wolf begleiten darf, welches von Siegfried Wolf initiiert wurde und betrieben wird. Profil ist dem Winzer ganz wichtig. „Es geht uns darum, der Südsteiermark ein Profil zu geben, rein weinmäßig“, erklärt er seine Motivation für die diversen Experimente, die er im Laufe der Zeit durchgeführt hat. Dazu gehören Versuche mit Naturwein ebenso wie das Spiel mit dem Holz oder das Ausloten der Gärtemperaturen. „Wir Steirer haben das passende Klima und großartige Rieden, die uns in die glückliche Lage versetzen, unverwechselbare Weine zu keltern und uns vom Rest der Welt abzuheben.

Kein Keller-Tuning - Das gilt für Sauvignon Blanc gleichermaßen wie für die weißen Burgundersorten.“ Die jungen, klassisch ausgebauten und einfachen Weine seien nicht die eigentlichen Botschafter dieses Anbaugebietes. „Die Südsteiermark kann viel mehr.“ Ein einfacher, fruchtiger Jungwein soll Trinkspaß bereiten und auch durchaus ein gewisses Alterungsvermögen besitzen. Für höhere Weihen auserkoren freilich sind andere Kaliber wie etwa seine Positiv-Selektionen, die sich „Reverenz“ nennen, und natürlich die Lagenweine und Reserven. Ganz besonders bei den Top-Lagen und Privat-Reserven liegt der Fokus auf Tiefgang und Lagerfähigkeit. Nur die besten Trauben aus den besten Parzellen werden verwendet. Die Weine liegen lange auf der Hefe.

Als Weinmacher, so Reinhard Muster, sei er gut beraten, das Althergebrachte zwar kritisch zu hinterfragen, aber nicht in Bausch und Bogen über Bord zu werfen. „Vom Tuning im Keller habe ich mich schon lange verabschiedet.“ Und weiter: „Weinmachen ist eine Art altes Handwerk. Das schafft Raum für Kreativität und Inspiration. Letztendlich zählt beim Wein der persönliche Geschmack, und den kann nur jemand in die Flasche bringen, der selbst darüber verfügt.

Wolfgang Wachter
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