Argentiniens Regierung plant einen tiefgreifenden Umbau des Weinrechts. Ein vom Deregulierungsministerium unter Federico Sturzenegger ausgearbeiteter Gesetzentwurf soll die Befugnisse des staatlichen Weinbauinstituts INV massiv beschneiden.

Künftig soll die Behörde nur noch die gesundheitliche Unbedenklichkeit und mögliche Verfälschungen am Ende der Produktionskette kontrollieren. Prüfungen von Herkunft, Jahrgang und Rebsorte sollen dagegen weitgehend freiwillig werden und keiner Kontrolle mehr unterliegen.

Der Entwurf ändert sogar die Definition von Wein: Aus „Most aus frischen Trauben“ soll allgemein „Traubenmost“ werden. Damit könnten etwa konzentrierte oder konservierte Moste flexibler eingesetzt werden. Zugleich soll die Pflicht zur Abfüllung in der Ursprungsregion fallen; ebenso dürften importierte mit argentinischen Weinen verschnitten werden. Die Herkunftskategorien IP, IG und DOC selbst sollen jedoch nicht abgeschafft werden. Kritiker warnen deshalb weniger vor dem Ende der Herkunftsbezeichnungen als vor einem Verlust staatlicher Rückverfolgbarkeit und Kontrolle.

Besonders problematisch wegen Mercosur-Abkommen mit der EU

Besonders heikel ist die Reform im Mercosur-Kontext. Für Weine, die zwischen den Mitgliedstaaten gehandelt werden, gilt ein gemeinsames Weinreglement mit Mindeststandards. Nationale Vorschriften bleiben zwar zulässig, der grenzüberschreitende Verkehr unterliegt jedoch den gemeinsamen Regeln. Zudem ist für Argentinien seit Januar 2026 das Abkommen zum gegenseitigen Schutz geografischer Angaben im Mercosur in Kraft.

Aus EU-Sicht entsteht ebenfalls ein Spannungsfeld: Seit 1. Mai 2026 wird das EU-Mercosur-Handelsabkommen vorläufig angewandt. Es senkt schrittweise Zölle auf Wein und stärkt zugleich den Schutz geografischer Angaben. Während die EU ihr Herkunftssystem weiterhin an verbindliche Produktspezifikationen und Kontrollen knüpft, setzt Argentinien stärker auf veränderte Konsumgewohnheiten und Eigenverantwortung. Ob daraus konkrete Konflikte mit Mercosur- oder EU-Verpflichtungen entstehen, ist bislang offen.

Quelle: wein.plus.de