Abseits von DAC hat die Grüne Mark Interessantes in großer Bandbreite zu bieten. Die Vinaria Verkostung hält viele Überraschungen bereit. Vinaria bat einige der siegreichen Winzer zum word rap.

Von konventionell ausgebauten Weinen über PIWI und Orange bis zu exzellenten Süßweinen. Großes Kino.Der Fokus der Vinaria Verkostung lag auf Weinen mit alternativer Gärung wie Maischegärung, alternativen Gebinden wie Amphore oder Steinfass, auf hochwertigen Markenweinen, älteren Jahrgängen, auf PIWIs, roten Kreszenzen oder Prädikatsweinen.


Johannes Jöbstl, Gesamtsieger und Sieger Prädikate mit dem 2017 Blauer Wildbacher Schürlwein:

Vinaria: Ist die Steiermark ein Süßweinland?

Johannes Jöbstl: „Unbedingt, weil wir ideale Voraussetzungen für Süßwein haben. Einerseits ermöglichen uns die vielen Sonnenstunden hohe Zuckergradationen, andererseits sorgen die klimatischen Randbedingungen für ausreichend Säure und Finesse. Bei uns werden die Süßweine nie fad, sie haben immer Pep. Gerade der Schilcher eignet sich für hohe Prädikate sehr gut. Im Jahr 2002 waren wir die Ersten, die bei uns einen Schnürlwein gemacht haben. Im Vergleich zum Strohwein ist mehr Arbeit erforderlich, weil die Trauben einzeln aufgehängt werden, aber damit verhindert man zuverlässig eine Schimmelbildung und muffige Fehltöne.“

 

Vinaria: Wie sehen Sie die Akzeptanz der Kunden für solche Produkte?

Johannes Jöbstl: „Es ist sehr viel Aufklärungsarbeit notwendig, weil die Steiermark nicht als Süßweinland bekannt ist. Aber jeder, der solche Süßweine einmal verkostet hat, ist begeistert. Bei uns sind Süßweine halt ein Nischenprodukt.“

 

Johannes Jöbstl © Schilcherei Jöbstl

Rupert Ulrich zur Bedeutung der PIWI-Sorten:

Vinaria: Sie haben mit dem 2018er Souvignier Gris Reserve die PIWI-Wertung souverän gewonnen. Was macht den Reiz solcher Rebsorten aus?

Rupert Ulrich: „Es ist dieses Vortasten auf neue Ebenen, der Reiz, neue Wege zu beschreiten. Die PIWI-Sorten sind robust und damit im Umgang für die Winzer angenehm. Souvignier Gris ist sehr lockerbeerig und dickschalig, er bringt sehr gute Extrakte und ist unempfindlich gegen Fäulnis, vor allem im Herbst ist das ein großer Vorteil. Für uns ist Souvignier Gris der Ersatz für Grauburgunder, der zurzeit sehr gefragt ist. Souvignier Gris ist geschmacklich ähnlich, geht aber mehr in Richtung Tee und Kräuter. Diese Sorte haben wir auch in einer klassischen Variante im Programm, für den Ausbau im Barrique ist sie sehr gut geeignet.“

 

Vinaria: Mögen die Kunden PIWIs?

Rupert Ulrich: „Anfangs sind die Kunden sehr zurückhaltend. Wenn sie aber ein paar Flaschen mit nach Hause nehmen und dort in aller Ruhe trinken, wird die Akzeptanz stärker, und sie kommen wieder und kaufen PIWI. Von heute auf morgen geht aber gar nichts.“

 

Rupert Ulrich © Weingut Ulrich

Franz Josef Hutter, Rotwein-Sieger:

Vinaria: Sie haben mit dem 2016er Eruption Rot die Rotweine- Gruppe gewonnen, mit dem sehr guten Shiraz Giemerberg den 3. Platz belegt. Ist die Steiermark ein Rotweinland?

Franz Josef Hutter: „Nicht unbedingt, aber das Klima im Vulkanland ist jenem des Südburgenlands sehr ähnlich. Bei uns ist es wärmer und trockener als in der Südsteiermark und im Schilcherland, und die Vegetationsperiode ist etwas länger. Unsere Rotweine werden von den Kunden sehr gut angenommen. Etwas Vorbehalte gibt es in der Gastronomie und fallweise auch bei Journalisten. Privatkunden äußern sich immer wieder begeistert  über die Qualität der Rotweine aus dem Vulkanland. weine halt ein Nischenprodukt.“

 

Franz Josef Hutter © Weingut Hutter

Günther Domittner, Sieger Orangeweine- und Naturalweine:

Vinaria: Ihr Gewürztraminer Gold hat in der Gruppe der Naturalweine gewonnen. Was war Ihre Motivation, einen solchen Wein zu machen?

Günther Domittner: „Ich finde die sensorischen Eigenschaften von Naturalweinen sehr interessant. Deshalb wollte ich dieses Thema ausloten. Ich wollte wissen, was zu tun ist, damit ein Naturalwein so schmeckt, wie ich mir das vorstelle. Bei uns auf dem Weingut machen wir ja überwiegend konventionelle Weine, das Thema Naturalwein war für mich ausschließlich von persönlichem Interesse. Dass ich dafür Traminer genommen habe, liegt auf der Hand, mit dieser Sorte kann man alles machen.“

 

Vinaria: Wie sehen Sie den Markt für solche Produkte?

Günther Domittner: „Ein Markt ist vorhanden, aber es wird immer ein Nischenprodukt bleiben. Das Interesse der Kunden ist da, in Relation zu unseren anderen Produkten ist die Menge jedoch homöopathisch.“

 

Vinaria: Können Sie auch „herkömmliche“ Weinkunden dafür begeistern?

Günther Domittner: „Ja, es gibt sehr viele Kunden, die konventionell ausgebaute Weine kaufen, aber offen sind für Neues. Wenn sie über den Naturalwein aufgeklärt werden und ihn verkosten, nehmen sie sich ein paar Flaschen für besondere Anlässe mit nach Hause.“

 

Günther Domittner © Weingut Domittner

Georg Thünauer, Sieger Weißweine:

Vinaria: Was zeichnet Ihren Sauvignon Blanc Reserve aus 2017 aus?

Georg Thünauer: „Wir sind ein kleines Weingut und versuchen, aus jeder Traube an Qualität das herauszuholen, was möglich ist. Alle drei bis vier Jahre gibt es die Gelegenheit, eine Reserve zu machen. 2017 war so ein Top-Jahr. Wir führen eine Dreifachselektion am Stock durch, die Lese ist sehr spät, der Ertrag gering. Wir verarbeiten die Trauben möglichst schonend, die Gärung läuft in Holzfässern ab. Im Keller greifen wir wenig ein, der Wein liegt lange auf der Hefe, wir haben keinen Stress mit dem Verkauf.“

 

Vinaria: Ihr Muscaris Reserve hat bei den PIWIS sehr gut abgeschnitten. Wie sehen Sie die Zukunft solcher Rebsorten?

„Für uns sind PIWIs sehr wichtig. Wir sind einer der ältesten Biobetriebe in der Steiermark, vor 30 Jahren haben wir damit angefangen. Vor 20 Jahren haben wir die ersten PIWI-Reben ausgepflanzt, und zwar auf Flächen, die für konventionelle Sorten weniger geeignet waren. Wir haben eine große Umstellung auf PIWIs vorgenommen, weil sie der nachhaltigste Weg sind, Wein zu produzieren. Sie beeinflussen den CO2-Fußabdruck absolut positiv. Die Bodenverdichtung ist geringer, weil wir weniger oft mit dem Traktor durchfahren müssen, und auch ökonomisch betrachtet sind die PIWIs von großem Vorteil.“

Georg Thünauer © Weingut Thünauer

Stefan Potzinger, 3 x unter den Top 13 und Obmann Wein Steiermark:

Vinaria: Ihre Bilanz zur großen Vinaria Verkostung „Die andere Steiermark“?

Stefan Potzinger: „Ich freue mich sehr über die großen Wein-Qualitäten der Steirischen Winzer, denen Vinaria mit diesem Thema eine wunderschöne und professionelle Bühne gegeben hat.“

 

Vinaria: Was sagen Sie zu den überdurchschnittlich guten Bewertungen?

Stefan Potzinger: „Die Dichte an hoch gewerteten Weinen in dieser Verkostung war für mich beeindruckend.“

 

Vinaria: Gibt es in der Steiermark „Revierkämpfe“ zwischen DAC- und Nicht-DAC-Weinen?

Stefan Potzinger: „Wir haben in der Steiermark einen sehr positiven Wettbewerb was die Qualität der produzierten Weine betrifft und das macht letztlich eine ganze Weinbauregion zu einer bekannten Marke für guten Wein.“

Stefan Potzinger © Weingut Potzinger