Bei der aktuellen Auflage des Vinaria NÖ Zweigelt-Cups traten wieder prämierte und nominierte Sortenvertreter aus Niederösterreich gegeneinander an. Im Match um die Spitzenplätze mischten Winzer aus mehreren Gebieten mit. Auf den Stockerlplätzen landeten Weine aus Carnuntum, Weinviertel und Kamptal. 

© Shutterstock

Vor beinahe zwei Jahrzehnten wurde der NÖ Zweigelt-Cup ins Leben gerufen, um Niederösterreichs bedeutendster Rotweinsorte eine entsprechende Bühne zu bieten. Schließlich verfügt das blau-gelbe Bundesland über eine große Vielfalt an Terroirs und Mikroklimata, die für den Anbau blauer Sorten geeignet sind, wobei unter diesen natürlich der ebenso weit verbreitete wie anpassungsfähige Zweigelt als roter Hauptdarsteller fungiert.

Rote Vielfalt aus Niederösterreich

Gerade die mit starkem pannonischen Klimaeinfluss gesegneten Gebiete im Osten und Südosten Niederösterreichs – also Carnuntum und Thermenregion – bieten beste Voraussetzungen für den Anbau blauer Trauben, weshalb sie eine besonders hohe Dichte an hochwertigen Rotweinen aufweisen. 

Doch auch alle anderen Herkünfte dieses Bundeslands verfügen über zahlreiche dezidierte Standorte, die sich bestens für den Rotweinanbau eignen – von klassischen Rotweingemeinden quer durch alle Gegenden des Weinviertels über gewisse begünstigte Terroirs in Wagram, Kamptal, Kremstal und Traisental bis hin zu eleganten Charakterrotweinen aus der Wachau, in denen Zweigelt oft die Hauptrolle spielt.

Die Auswahl und Nominierung erfolgt beim Vinaria NÖ Zweigelt-Cup zum einen durch die höchstbewerteten Sortenvertreter der Niederösterreichischen Landesweinprämierung, zum anderen durch zusätzlich von der Vinaria Redaktion nominierten Auswahl der besten Sortenspezialisten aus Blau-Gelb, die an der Landesweinprämierung nicht teilgenommen haben.

Typen und Jahrgänge

Die Leistungsschau der besten Sortenweine Niederösterreichs findet in zwei Kategorien statt: Erstens stehen fruchtbetonte Rotweine aus dem jüngsten vergangenen Jahrgang (2025) im Fokus. Meist in gebrauchten Holzfässern, im Stahltank oder einer Mischung aus den beiden ausgebaut, bieten sie aufgrund ihrer Frucht, der sanften Tannine und Harmonie unmittelbares Trinkvergnügen mit mittelfristiger Lagerfähigkeit. 

Die zweite Kategorie bilden Reserve- und Premiumweine aus vorangegangenen Jahrgängen (2024 + 2023), die mit Kraft, Struktur und Substanz punkten und sich auch für längere Flaschenreifung eignen.

Der „Winzerjahrgang“ 2025

Das zur Verkostung zugelassene Spektrum umfasst Jahrgänge unterschiedlichster Eigenschaften und Qualitäten. Der für die Jungweine relevante Jahrgang 2025 war von wechselhaftem Wetter geprägt – zweifellos ein Winzerjahrgang, dem man aber elegante und fruchtbetonte Rotweine mit guter Pikanz entlocken konnte. 

Nach wetterbedingt spätem Austrieb sorgte der kühle, trübe Mai für Verzögerungen bei der Blüte, die allerdings prächtig verlief. Nach warm-trockenem Beginn ging es im Sommer ziemlich wechselhaft weiter. Der August war von viel Sonne und wechselnden Temperaturen ohne Extreme gekennzeichnet, was gute Fortschritte beim Rebenwachstum ermöglichte. Relativ warme Temperaturen im September beschleunigten die Beerenreife, wobei regelmäßige Regenschauer erhöhte Gefahr von Pilzinfektionen mit sich brachten. Dank penibler Selektion konnte gesundes, ausreichend reifes Traubenmaterial gelesen werden.

2024: außergewöhnliches Wetter – 2023: Hitzerekorde

Der Wetterverlauf im Jahr 2024 war außergewöhnlich. Das Jahr startete viel zu warm, dank reichlicher Niederschläge im Winter sowie März aber mit gutem Wasserreservoir. Prächtiges Wetter ab Anfang April führte zu einem Wachstumsschub und in der Folge extrem frühen Austrieb. Häufige Niederschläge führten zu Infektionsdruck durch Pilzkrankheiten und Verrieselungen in der Blüte. Richtig heiß wurde es ab der zweiten Junihälfte bis tief ins erste Septemberdrittel hinein. Ein dramatischer Umschwung erfolgte Mitte September in Gestalt eines Kälteeinbruchs und sintflutartigen Regenfällen zwischen 200 und zirka 400 Millimeter. Rasch wurde es danach wieder warm und trocken, wodurch viele blaue Sorten diese Phase gut überstanden. Vielerorts wurden aus eher dickschaligen, kleinen Beeren dichte und fruchtbetonte Weine erzeugt. 

Die Vegetationsperiode 2023 war von Temperaturrekorden im Juni, Juli, September und Oktober geprägt, auf der anderen Seite war das Jahr auch überdurchschnittlich feucht. Während man sich über die Regengüsse und kühlen Temperaturen im nassen April noch freute, sorgten wärmere Temperaturen später im Jahr für Infektionsdruck durch Pilzkrankheiten. Ende Juni und im Juli herrschte überwiegend Hitze und Trockenheit in Niederösterreich, mancherorts auch Dürre. Im August kehrten die Niederschläge wieder – reichlich und gefolgt von hohen Temperaturen. Im sonnig-heißen September entspannte sich die Situation und so konnte die Hauptlese unter guten Bedingungen ablaufen.

Klassik: Andreas Ott vor Artner und Taferner

Die gelungenen Klassiker aus dem eher späten Jahrgang 2025 zeigen sich bereits gut antrinkbar, sehr fruchtbetont und harmonisch, wenn auch tendenziell eher in den ersten fünf Jahren zu trinken. Die Entscheidung um den ersten Platz fiel deutlich aus – und zwar für das Weingut Andreas Ott in Hagenbrunn im Weinviertel, nicht weit von der Bundeshauptstadt entfernt. Der Wein zeigt nicht nur Charme, sondern auch durchaus Präzision und ein festes Tanningerüst. Dahinter folgten mit Artner und Taferner zwei Betriebe aus Carnuntum vor zwei Mal Domäne Baumgartner aus dem nordwestlichen Weinviertel und Schwertführer 47 aus Sooß in der Thermenregion.

Premium: Pitnauer vor Haimerl und Grassl

Im Premiumbereich dominierte wieder einmal die klassische Rotweinherkunft Carnuntum, auch wenn sich heuer etliche Weine aus anderen Gebieten in die Topliste reklamierten. Jahrgangsmäßig hatte der ausgezeichnete 2023er eindeutig die Nase vorne. Ein Spitzentrio ritterte um den Sieg, den sich diesmal das Weingut Pitnauer mit dem vielschichtigen strukturierten Zweigelt Ried Haidacker 2023 holte. 

Aus demselben Jahrgang kam auch der wunderbare Zweigelt Reserve vom Weingut Haimerl in Gobelsburg (Kamptal) sowie der drittplatzierte Ried Schüttenberg vom Weingut Philipp Grassl aus Göttlesbrunn. Die weiteren Top-Ten-Vertreter kamen mehrheitlich aus Carnuntum, doch hielten Johann Gisperg, Schwertführer 47er und Leo Aumann die Fahne der Thermenregion hoch, die Weingüter Pröll und Schulz zeigten für das Weinviertel auf.

HINWEIS: Die Toplisten des Vinaria NÖ Zweigelt-Cups finden Sie im separaten Beitrag nachstehend!

 

Abo bestellen - Die gesamte Reportage inklusive aller Verkostungsergebnisse finden Sie in der Ausgabe Vinaria 06/2026. Bestellen Sie Vinaria jetzt einfach & bequem zum Erscheinungstermin nach Hause. Das Jahresabo Vinaria mit 8 Ausgaben pro Jahr inklusive dem großen Weinguide Österreich und ePaper ist um € 75,00 (EU-Ausland € 95,00) erhältlich. Jetzt im Vinaria Abo-Shop bestellen.

Nikolaus und Johannes Haimerl (v.l.) sicherten sich mit ihrer prachtvollen Reserve 2023 einen Spitzenplatz für das Kamptal. © Julius Hirtzberger
Philipp Grassl ist mit seinem Riedenwein vom Schüttenberg regelmäßig im Spitzenfeld. © Weingut Grassl
Katharina Baumgartner konnte mit zwei geschmeidigen 2025ern überzeugen. © Weingut Baumgartner
Meinrad Markowitsch lieferte einen tollen Rubin Carnuntum 2024 ab. © Weingut Markowitsch
Johann Gisperg aus Teesdorf © Weingut Gisperg
Lukas Markowitsch aus Göttlesbrunn © Weingut Markowitsch
Peter Artner vom gleichnamigen Weingut in Höflein war mit Klassik und Reserve erfolgreich. © Weingut Artner
Karoline Taferner glänzte mit Ried Haidacker 2023. © Weingut Taferner
Martin Schwertführer aus Sooß © Weingut Schwertführer
Christina Netzl aus Göttlesbrunn © Weingut Netzl
Maximilian Pröll aus Radlbrunn punktete für das Weinviertel. © Sophie Nagl Balber
Leo und Claudia Aumann aus Tribuswinkel in der Thermenregion © Helmut Mitter
Romana Pitnauer ist die Siegerin der Kategorie Premium im Vinaria NÖ Zweigelt-Cup 2026. Sie führt das bekannte Weingut in Göttlesbrunn gemeinsam mit ihrem Mann Johannes. © Julius Hirtzberger