Wie vor einem Jahr angekündigt, präsentierte der portugiesische Weltmarktführer für Flaschenkorken, die Amorim-Gruppe, ein ökologisches Verfahren, mit dem der gefürchtete Korkgeschmack beim Wein endlich der Vergangenheit angehören sollte.

Amorim ist der weltgrößte Hersteller von Naturkorkprodukten und eben auch von Korken für Weinflaschen. Das Unternehmen ist seit 150 Jahren im Kork-Geschäft tätig und nach eigenen Angaben weltweit führend in der Korkindustrie. Pro Jahr verkauft die Amorim Gruppe 5,5 Milliarden Korken. Daneben vertreibt sie Kork als Bau- und Dämmmaterial.

Mit der Präsentation neuer Anti-TCA (2,4,6-Trichloranisol) Technologien löst Corticeira Amorim das Versprechen ein, eine Lösung für nicht nachweisbare TCA-Anteile in Naturkorken und technischen Korken zu finden. Die Technologien „Naturity“ und „Xpür“ sollen dieses Vorhaben wahr werden lassen. Amorim teilt dazu mit, dass das die grünsten und innovativsten Technologien im Kampf gegen den Korkgeschmack sind und spricht von einer „Revolution“.

Grüne Technologie, besonders effizient

Mit „Naturity“ wird nachweisbares TCA aus ganzen Naturkorken entfernt. „Xpür“ ist eine Technik, die sich auf Korkgranulat konzentriert, um ein neues Segment von mikro-agglomerierten Korken zu schaffen, so Amorim in einer Mitteilung. Vorgänger-Technologien waren zeitaufwendig, weniger treffsicher und daher teuren Korken und ebensolchen Weinenvorbehalten.

„Naturity“ basiert auf Prinzipien der thermischen Desorption unter bestimmten Druck- und Temperaturverhältnissen. Es extrahiert gänzlich ohne den Einsatz künstlicher Zugaben über 150 flüchtige Verbindungen inklusive dem gefürchteten TCA aus natürlichem Kork. Die weltweite des Verfahrens hat bei Amorim höchste Priorität. Versuche bei Weinproduzenten haben vielversprechende Ergebnisse gebracht. Weitere Versuche stehen mit dem Institut Geisenheim in Deutschland und den Campden & Chorleywood Labs in Grossbritannien kurz vor Durchführung.

Die „Xpür“-Technologie wird bei der Verarbeitung der technischen Korken zum Einsatz kommen. Das Verfahren senkt zudem den Energiebedarf bei der Herstellung um 75 Prozent. Resultat ist ein Verschluss mit möglichst hohem Kork-Anteil und TCA-Werten von 0,3 Nanogramm pro Liter (ng/L).

Der Schwellenwert für die Wahrnehmung von TCA ist je nach Wein unterschiedlich. Mit einer TCA-Nachweisgrenze von 0,5 ng/L lässt sich das Risiko von Korkgeschmack sicher eliminieren. Amorim-Chef António Amorim, Chairman und CEO, feiert den Durchbruch: „Wir fühlen uns unseren 30.000 Kunden in aller Welt verpflcihtet und hoffen, damit beiragen zu können, dass die Vorliebe der Verbraucher für Kork noch stärker wird.“

INFO: Der Weinfehler TCA – 2,4,6-Trichloranisol

Korken ist einer der weitverbreitetsten Weinfehler. Grund für den Korkgeschmack ist das 2,4,6-Trichloranisol, kurz TCA. Chloranisole entstehen durch mikrobiologische Methylierung von Chlorphenolen. TCA verursacht einen muffig-schimmligen Geruch und sorgt dafür, dass auch die olfaktorische Wahrnehmung anderer Aromen abnimmt. Die Grenze der Wahrnehmung von TCA ist jedoch unterschiedlich: sie liegt zwischen 5 und 15 ng/L. TCA gelangt meist über den Kork in den Wein. Die Bildung kann schon im Baum stattfinden, zum Beispiel durch Buschfeuer. Aber auch durch falsche, beispielsweise feuchte Lagerung der Korken im Weingut.

Auch Schraubverschlüsse können korken

Der Kork ist meist, aber nicht immer die Ursache des Korktons im Wein. Die Bildung kann durch hohe Luftfeuchtigkeit im Keller gefördert werden. Auch durch falsche Lagerung von Schraubverschlüssen kann der Korkton in den Wein gelangen.

António Rios de Amorim © Amorim Group
Mühsame Korkernte in Portugal. © Amorim Group
Aus den Platten der Korkrinde wurden Flaschenkorken herausgestanzt. © Amorim Group