Der Gault&Millau-Guide kommt in Italien an und meint selbstbewusst: "Wir sind schräger als Michelin!" Ab Jänner 2027 wird der gelbe G&M Restaurantführer in Norditalien starten, nachdem die Gruppe jahrzehntelang einen Bogen um Italien machte. Dort dominieren zwei Rote: Guide Michelin und Gambero Rosso.

Die beiden Marktschwergewichte sind auch eindeutig das Ziel des gelbe Angreifers, hinter dem der G&M-Lizenznehmer in Tschechien, Slowakei und Ungarn steckt: der tschechische Immobilienmagnat und Neo-Verleger Miroslav Lekeš. Der Hauptsitz von G&M Italia befindet sich in der Langhe (Piemont), wo auch  die Akademie gebaut wird, um Inspektoren für den Guide auszubilden. 

Der Verlagssitz liegt im bekannten Barolo-Ort Monforte d’Alba im Anwesen Réva, einem gewaltigen Komplex aus Weingut gleichen Namens, 3-Sterne-Restaurant FRE, Boutiquehotel und vielem mehr. Das gewaltige Refugium liegt in einem winderschönen Talkessel ein paar Kilometer außerhalb des Ortszentrums von Monforte. Und es gehört – erraten! - Miroslav Lekeš.

"Wir stehen nicht in Konkurrenz mit Michelin“, erklärt Daniele Scaglia, Geschäftsführer von Gault & Millau Italia und Chef-Inspektor. „Wir andere Dinge und haben ein anderes Publikum. Wir überlassen ihnen (Michelin) das feine Essen, dessen Maßstab sie sind, und versuchen, eher transversal zu agieren." Was genau Scaglia darunter versteht, wird man im Jänner 2027 sehen, wenn der erste G&M Italia erscheinen wird.

"In den Ländern, in denen wir bisher gearbeitet haben", erklärt Lekeš, "konnten wir wirklich einen Unterschied zu den anderen, oft etablierten Führern herausarbeiten. Wir legen viel Augenmerk auf junge Talente. Wir freuen uns darauf, einen Beitrag für ein Gebiet zu leisten, das eines der interessantesten gastronomischen Panoramen der Welt bietet – das Piemont“. Lekeš stellte das Italienprojekt am Rande der Präsentation des Gault&Millau Tschechien 2026 in Prag vor (lesen Sie dazu den separaten Beitrag).

Das Konzept des G&M in Italien – vorerst Oberitalien – soll ähnlich sein wie die Regionalausgaben in Tschechien, Slowakei und Ungarn, die ebenfalls Miroslav Lekeš als Lizenznehmer betreibt. Während er in den genannten Ländern ohne öffentliche Gelder zur Unterstützung auskommen muss, gibt es für G&M Italia eine Kooperationsdeal mit der Regionalregierung des Piemont. Die erste Ausgabe 2027 soll noch weitere Provinzen umfassen: Valle d'Aosta, Piemont, Ligurien, Lombardei und Trentino-Alto Adige (Südtirol).

Und während G&M in Tschechien, Slowakei und Ungarn meist in etwa zeitgleich mit Michelin neu auf den Markt kommt, tritt G&M in Italien auf die alteingesessenen Führer von Gambero Rosso und Michelin.

Apropos: Um keine Unvereinbarkeiten aufkommen zu lassen, wird das Lekeš-eigene Restaurant FRE vom G&M Italia nicht bewertet. Es ist aber ohnehin bereits mit 3 Michelin-Sternen ausgezeichnet.

Verleger & Lizenznehmer Miroslav Lekeš (links) und Daniele Scaglia, Geschäftsführer & Chefinspektor Gault&Millau Italia. © Gault Millau
So soll er aussehen, der neue Restaurantführer von Gault&Millau in Italien, der im Jänner 2027 erscheinen soll. © Gault Millau