Nach kurzer Blüte schon wieder verwelkt ist das Leben des südsteirischen Boutiquehotels Fräulein Leni in Gamlitz. Nach nur drei Saisonen der Blüte und des Hypes ist das in den Weinbergen am Waldrand etwas außerhalb von Gamlitz gelegene Hotel bereits wieder Geschichte.

„Nach sorgfältiger Prüfung und reiflicher wirtschaftlicher Abwägung haben wir beschlossen, den Betrieb unseres Hotels auch nach der Winterpause weiterhin ruhen zu lassen. Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, denn unser Haus war stets ein Ort der Begegnung und gelebten Gastfreundschaft, geprägt von vielen besonderen Momenten“, heißt es auf der Homepage von Fräulein Leni.

Das mit viel Bio und Holz gebaute Hotel präsentierte sich den Gästen recht großzügig. Von der Lobby und Bar über die Restaurantbereiche und riesigen Terrassen bis zum fast überdimensionierten Pool. Ebenso in den top ausgestatteten Zimmern im Haupthaus und den Suiten in den Nebenhäusern. Insgesamt vielleicht zu großzügig für nur 23 Zimmer.

Das Restaurant bodenständig fein mit allen Ansätzen, zu den ersten Geigen der Südsteiermark aufzusteigen. Weinkarte und -bar bestens sortiert mit einem klugen Werkverzeichnis der ersten Adressen aus der Region und darüber hinaus.

Lediglich die kilometerlange Zufahrt zum Hotel Fräulein Leni mag Gäste auch abgeschreckt haben: am Ortsende von Gamlitz hinauf Richtung Grubthal, dann weiter auf immer schmaler werdenden und immer schlechteren Wegen zum Hotel. Die besondere Lage mitten in der Natur, umgeben von landwirtschaftlichen und Rebflächen sorgte lange vor Eröffnung im Jahr 2023 für hitzige Diskussionen.

Heftiger Streit um Widmung lange vor Eröffnung

Dazu berichtet die Kronen Zeitung Steiermark: Als die Umbaupläne anno dazumal bekannt wurden, gaben die zuständigen Fachabteilungen durchgehend negative Stellungnahmen zu dem geplanten Projekt ab. Dennoch genehmigte die Landesregierung das Vorhaben entgegen allen Empfehlungen.

Nun steht das schöne Haus leer. Eine Insolvenz ist nicht der Grund, einfach die hohen Verluste der ersten Betriebsjahre und mangelnde Aussicht auf Besserung ließen den Eigentümer der Liegenschaft, die Dr. Michael Pachleitner Privatstiftung, den Stecker ziehen. Zumal der Vorstand der Stiftung satzungsgemäß keine vorhersehbaren Verlustgeschäfte machen darf. 

Als Geschäftsführerin fungierte bis zuletzt Denise Pachleitner aus dem familiären Umfeld der Stiftungsbegünstigten. Schade um ein schönes Haus für den Weintourismus in der wunderschönen Südsteiermark.

Aus der urigen Buschenschank Erika wurde das schicke Wellnesshotel „Fräulein Leni“. Nun ist schon wieder Schluss. © Kronen Zeitung, Christian Jauschowetz
Sogar der übergroße Pool des Hotels war mit dem Logo Fräulein Leni gebrandet. © Fräulein Leni