Wenn die Zeit der Lese kommt, bieten sich tierische Helfer an, die bei der Ernte zupacken wollen, insbesondere Wildschweine. Aber nicht nur dann sind sie neben Rehen oder Hasen ein großes Problem für die Winzer.

Wildschweine, die zum Schwarzwild gehören, Rehe oder Hasen sind besonders lästig und können beträchtliche Schäden in Weinkulturen anrichten, die im Extremfall existenzbedrohend sind. 

Das Schwarzwild lebt gerne in Laub- und Mischwäldern, am liebsten in solchen mit Eichen, Erlen oder Buchen. Wildschweine sind in weiten Teilen Europas anzutreffen. Ihre Bestände nehmen kontinuierlich zu. Das hat dazu geführt, dass sie ihre Wälder schon längst verlassen haben und sich bis in die Siedlungsräume der Menschen wagen. Angelockt werden sie durch das üppige Nahrungsangebot, das sie hier leicht zugänglich vorfinden.

Wildschweine schätzen großflächige Mais- oder Rapsfelder und leider auch Weingärten. Sie sind besonders stark und wegen ihrer großen und scharfen Eckzähne nicht ungefährlich. Ein ausgewachsener Keiler kann bis zu 250 Kilogramm auf die Waage bringen. Dennoch sind die Tiere erstaunlich flink und wendig. Wildschweine sind scheu, Menschen wittern sie von Weitem und gehen ihnen nach Möglichkeit aus dem Weg. 

Gefährlich sind sie im Frühjahr, wenn die Bachen mit ihren durchschnittlich vier bis fünf Frischlingen unterwegs sind. Dann attackieren sie Menschen und Hunde, wenn sie sich oder ihren Nachwuchs bedroht sehen. Wildschweine sind Allesfresser. Sie ernähren sich von dem, was sie gerade finden, wie Maden, Engerlinge, Schnecken, Würmer, Wurzeln, Pilze, Eicheln, Mais, Fallobst, Abfälle oder eben Weintrauben.

Große Populationen bedrohen die Weinkulturen

Wildschweine sind in den vergangenen Jahren für die Winzer zunehmend zu einem Problem geworden. Ausschlaggebend dafür sind die stark angewachsenen Populationen. Nicht selten fressen sie ganze Weinberge leer.. Auch in verwilderten Rebanlagen fühlen sie sich geborgen. Weingärten im Nahbereich solcher Refugien sind deshalb besonders exponiert. 

Wildschweine lieben den biologischen Weinbau

Zudem scheint der Klimawandel zu helfen. Das Futterangebot wird reichhaltiger und in milden Wintern ist die Sterblichkeit gering. In der Publikation „Haarwild in den Wiener Weingärten“ der Universität für Bodenkultur (BOKU) wird darauf hingewiesen, dass aufgrund der Tendenz zum biologischen Weinbau der Lebensraum für das Haarwild weiter optimiert wird, das Nahrungsangebot gestaltet sich durch den Wegfall von Pestiziden vielfältiger. 

Wütende Rotten drücken ganze Rebzeilen um

Wildschweine können erhebliche Schäden in Weingärten verursachen, wenn sie nach Nahrung wühlen und Trauben oder Triebe fressen. Um an hoch hängende Früchte zu gelangen, drücken sie Rebstöcke einfach um und reißen dabei Teile des Drahtrahmens mit. In der Folge müssen mitunter ganze Rebzeilen erneuert werden.

Zäune, Vergrämungsmittel, Jäger

Ganz schutzlos sind die Winzer den marodierenden Rotten nicht ausgeliefert. Allerdings wird es wegen der anwachsenden Populationen immer aufwendiger, diese Tiere von den Weingärten fernzuhalten. Neben der gezielten Bejagung werden Zäune als eine der effektivsten Möglichkeiten angesehen. Vor allem Maschendrahtzäune, im Idealfall elektrisch, bieten Schutz. Auf die richtige Dimensionierung ist zu achten, da jeglicher Art von Schadwild der Zutritt erschwert werden soll. Die kräftigen Wildschweine schaffen es häufig, die Barrieren zu durchbrechen. Deshalb ist eine gute Fundamentierung der Steher wichtig.

Auch Vergrämungsmittel haben sich bewährt. Dabei handelt es sich um Substanzen, die Bitterstoffe enthalten und die großflächig appliziert werden. Das bewirkt, dass Triebe, Trauben und andere Teile der Rebstöcke für die tierischen Schädlinge ungenießbar werden. 

Jagd

Die Jagd ist ein notwendiger Bestandteil eines funktionierenden Ökosystems. Trotz intensiver Bejagung steigt im Osten Österreichs die Schwarzwildpopulation stark an. Dieser Entwicklung kann ein durchdachtes Wildtiermanagement Einhalt gebieten. Und noch ein gutes Argument für die Jagd: Ein gut zubereiteter Wildschweinbraten schmeckt köstlich, speziell in Begleitung eines passenden Weines.

 

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Als Besucher im Weingarten nicht gern gesehen: ein Wildschwein, meist nicht allein, oft in ganzen Rotten. © Shutterstock
Possierliche Frischlinge lernen von den Eltern sehr rasch das Wüten in Mais- oder Rapsfeldern und in Weinkulturen, vor allem vor der Lese. © Shutterstock