Wenn im Waldviertel die Hopfenranken von den bis zu acht Meter hohen Gerüsten geholt werden, beginnt eine der intensivsten Phasen des Bierjahres: Anfang September steht traditionell die Hopfenernte an. Der Hopfen wächst dort, wo er später für die regionalen Biere verarbeitet wird.

Für das Bierbrauen werden nur Teile der weiblichen Pflanze – die Dolden – verwendet. Für ein Seidl Bier eine Dolde. © Bierwerkstatt Weitra, Tobi Rudig

Die Privatbrauerei Zwettl, zu der auch die Bierwerkstatt Weitra gehört, setzt dabei seit Jahrzehnten auf die enge Zusammenarbeit mit Bauernfamilien aus der Region. Auch die Braugerste stammt aus der Region, das Wasser sprudelt aus eigenen Quellen. „Die Bierspezialitäten aus Weitra und Zwettl sind damit echte Waldviertler“, so Brauerei-Inhaber Karl Schwarz. Weitra erhielt bereits 1321 das Braurecht und gilt als älteste Braustadt Österreichs.

Eine Dolde für ein Seidl Bier

Hopfen ist anspruchsvoll: Die Kletterpflanze braucht viel Aufmerksamkeit und muss zum richtigen Zeitpunkt geerntet und rasch verarbeitet werden. Bei der spektakulären Ernte werden die langen Ranken von den Gerüsten geholt und in den Hopfendarren weiterverarbeitet - dabei ist die Arbeit vieler Hände gefragt. Eine Spezialmaschine trennt die wertvollen Dolden von Blättern und Ranken, anschließend werden sie getrocknet und für die weitere Verarbeitung vorbereitet. Im langjährigen Durchschnitt werden im Waldviertel rund 20.000 Kilogramm Hopfen geerntet. Bereits rund eine Dolde reicht, um einem Seidl Bier „den typisch bierigen Geschmack zu verleihen“, weiß Braumeister Heinz Wasner.

Das laufende Jahr stellte die Hopfenbauern vor besondere Herausforderungen: Wie viele Feldfrüchte waren die klimatischen Bedingungen alles andere als einfach: Zu wenig Niederschlag, Hagel und extrem hohe Temperaturen haben dazu geführt, dass die Dolden deutlich kleiner als in durchschnittlichen Jahren geblieben sind. Für die Bierqualität ist die Größe der Dolden allerdings nicht entscheidend. Worauf es ankommt, steckt im Inneren: das gelbe Lupulin, das dem Bier das Bittere und Aroma verleiht. „Und hier stimmen die ersten Qualitätswerte auch heuer zuversichtlich“, erklärt Heinz Wasner.

Vertragslandwirtschaft: Regionalität beginnt am Feld

Die Privatbrauerei Zwettl arbeitet eng mit Landwirten aus dem Waldviertel zusammen und betreibt de facto Vertragslandwirtschaft. Eine Partnerschaft, die Planungssicherheit für beide Seiten schafft und zugleich dafür sorgt, dass ein wesentlicher Rohstoff für die Biere aus unmittelbarer Umgebung kommt. „Wir wollen wissen, wo unsere Rohstoffe herkommen - und vor allem auch, wer dahintersteht. Die langjährige Zusammenarbeit mit unseren Bauernfamilien ist für uns gelebte Regionalität und ein wesentlicher Teil unserer Bierqualität“, so Brauereiinhaber Karl Schwarz.

Seltene offene Gärung sorgt für milde Weitraer Biere

Was auf den Feldern der Vertragslandwirte geerntet wird, findet seine Bestimmung unter anderem in den Bieren der Bierwerkstatt Weitra. In Österreichs ältester Braustadt wird ein Brauverfahren gepflegt, das heute nur noch sehr selten zu sehen ist: die offene Gärung. Statt in geschlossenen Tanks arbeitet die Hefe in offenen Gärbottichen. Dieses traditionsreiche Brauverfahren wird nur mehr von einer Handvoll Brauereien im ganzen Land gepflegt. Das Verfahren ist aufwendiger und personalintensiver. Das Bier vergärt in offenen Bottichen, die  überschüssige Kohlensäure wird so ausgetrieben.

Mit ‚Hadmar‘ und dem neuen alkoholfreien ‚Das Ohne‘ setzt die Bierwerkstatt Weitra auch auf Bio-Bier. Gemeinsam mit ‚Das Helle‘ und ‚Das Schwarze‘ bilden sie das „Bierige Quartett” aus Österreichs ältester Braustadt.

 

Über den Hopfen: „Bier ist weiblich“
Der Hopfen ist den meisten wohlvertraut vom Biertrinken. Er ist derjenige, der das Bier herb macht und ihm Aroma gibt, außerdem ist er teilweise für die beruhigende Wirkung und die Haltbarkeit des Bieres verantwortlich. Für das Bierbrauen werden nur Teile der weiblichen Pflanze – die Dolden – verwendet. Der Hopfen gehört botanisch zu den Hanfgewächsen. Die Kletterpflanze mit den zackigen Blättern und hübschen grüngelben Zapfen – den Dolden – rankt sich an den Gerüstanlagen hoch und wächst vorwiegend während der Nacht.

 

Die Privatbrauerei Zwettl mit Sitz im nördlichen Niederösterreich wird als Familienunternehmen in der fünften Generation von der Brauerfamilie Karl Schwarz geführt. Die anspruchsvollen, regionstypischen Biere werden in Gastronomie und Handel vorwiegend im Osten Österreichs verkauft. Dank intensiver Kooperationen mit Landwirten stammen Hopfen und Gerste aus der Region, das Brauwasser sprudelt aus eigenen Quellen. Die Bierbrauer „mit Herz und Seele“ leben ihre Leidenschaft für Biere mit immer neuen Biertypen aus. Die Brauerei ist Mitglied der Interessensgemeinschaft „Die Freien Brauer“ sowie der heimischen „CulturBrauer“, aktiver Partner der „Vereinigung der unabhängigen Privatbrauereien Österreichs“ sowie der Niederösterreichischen Wirtshauskultur und mehrfacher Preisträger des European Beer Stars.

In der Bierwerkstatt Weitra wird das traditionsreiche Brauverfahren der offenen Gärung praktiziert. © Bierwerkstatt Weitra, Tobi Rudig
Das bierige Quartett aus der ältesten Braustadt Österreichs. © Bierwerkstatt Weitra, Tobi Rudig
Hopfenfeld vor der Ernte in Marbach am Walde (Waldviertel) © Bierwerkstatt Weitra, Tobi Rudig