Gewaltige Wellen schlug der Vinaria Bericht aus der Vorwoche über die Turbulenzen in der Führungsetage der bekannten Hospiz Alm in St. Christoph am Arlberg. Mittlerweile scheint sich der Skandal infolge einer Innenrevision auszuweiten. 

Die legendäre Hospiz Alm in St. Christoph am Arlberg wirkt wie ein Magnet auf die High Society im Schnee und gilt als Dorado für internationale Weinfreaks. Der Magnum-Dom ist legendär, 7000 Großflaschen lagern hier. © Hospiz Alm

Die Hospiz am Arlberg Holding GmbH gehört zum Soravia Immobilien & Baukonzern und dieser warf den Geschäftsführer nach einer Kontrolle hinaus. Es dürfte um schwere Unregelmäßigkeiten gehen.

Konkret wurde der Geschäftsführer der Hospiz Alm Restaurant Gesellschaft m.b.H., Alexander Pale, infolge einer umfassenden Kontrolle des Unternehmens seines Jobs enthoben und mit Hausverbot belegt. „Herr Alexander Pale nicht mehr für die Hospiz Alm tätig“, schrieb dazu der oberste Eigentümervertreter, Erwin Soravia, persönlich an die Shareholder seines Unternehmens. Derart gravierend dürften die Verfehlungen und Mißstände in der Hospiz Alm sein, dass sich Soravia genötigt sah, seine Kapitalgeber und Mitgesellschafter am Gesamtkonzern mittels Rundschreiben an die Investoren über die Vorfälle in der Hospiz Alm zu informieren!

Soravias Investoren fordern hartes Durchgreifen und Neustart an der Spitze

Das Schreiben liegt – wie berichtet - Vinaria vor. Soravia berichtet darin über „auffällige Sachverhalte (in der Gebarung der Hospiz Alm), operative und Governance-Themen, einschließlich Trinkgeldbuchungen und Inventur.“ Er versichert seine Investoren, konsequent und hart durchzugreifen. Genau das fordern diese nun auch ein, inklusive allfällige Sachverhalte bei Polizei und Staatsanwaltschaft zur Anzeige zu bringen. So gesehen steht Konzernchef Erwin Soravia nun selbst unter Druck – nämlich gehörig aufzuräumen im Biotop Hospiz Alm!

Immer wieder sollen unter anderem sündhaft teure Weine in Privatbesitz aufgetaucht sein, konnten offenbar gegen Cash gekauft werden, standen aber weiter in der Inventur der Hospiz Alm. Nicht nur durch Seriennummern auf teuersten Flaschen von Romanée-Conti, die von stolzen Käufern eifrig gepostet wurden, kam man offensichtlichen Unregelmäßigkeiten auf die Schliche.

Wurde der mutmaßliche Schaden in der Vorwoche noch mit rund 500.000 Euro beziffert, so sprechen jüngste Informationen bereits von bis zu 1,8 Mio. Euro. Aufgedeckt worden sein sollen auf schwere Unregelmäßigkeiten bei den Umsätzen mit der Zimmervermietung auf der Hospiz Alm. Die internen Erhebungen laufen auf Hochtouren, der Betrieb der Hospiz Alm läuft indessen uneingeschränkt weiter.

Welche Rolle spielt der Hahnenhof in Kitzbühel?

Aus dem Sommelierstand der Hospiz Alm hört man hinter vorgehaltener Hand: „Endlich tut sich etwas, so konnte es ja nicht weiter gehen!“ Aus Kreisen offenbar Betroffener wurde versucht, Vinaria unter Druck zu setzen. Wir mögen uns in Acht nehmen und „Klagen laufen schon“. Ein Schwall von einschlägigen Emails erreichte Vinaria mit dem Absender office@hahnenhof.at . Der Hahnenhof ist ein Mittelklassehotel in Kitzbühel, das auf Vinaria Anfrage nicht reagierte.

Über diese Email-Adresse wurden auch bösartige Pamphlete über den Soravia Konzern, dessen Deutschland-Aktivitäten und der Insolvenz einer Beteiligungsgesellschaft verbreitet. Ob die Adresse mit Wissen der Geschäftsführung des Hahnenhofs verwendet wurde, konnte mangels Antwort noch nicht festgestellt werden.

Schriftlich liegt eine Beschwerde eines Arlberger Taxiunternehmers vor, der den Chefs der Hospiz Alm undurchsichtige Praktiken mit Konkurrenten vorwirft.

Auch Karl-Heinz Pale dienstfrei gestellt

Ob den jungen Geschäftsführer die Alleinschuld trifft, darf bezweifelt werden. Als operativer Boss der GmbH ist er jedenfalls verantwortlich. Dienstfrei gestellt wurde auch Alexander Pales Vater, das seit Jahrzehnten weithin bekannte „Gesicht“ der Hospiz Alm, Karl-Heinz Pale. Ob dies nur dem verwandtschaftlichen Verhältnis geschuldet ist, werden die Ermittlungen zeigen.

Reinen Tisch machen und Neustart an der Spitze

Aus verschiedenen „Stammkundenkreisen“ soll vehement versucht werden, Erwin Soravia dahingehend zu drängen, zumindest die Freistellung von Karl-Heinz Pale zurück zu nehmen. Ob hier die Sorge um dessen Schicksal im Vordergrund steht oder massive Eigeninteressen, werden die Ermittlungen klären. Teile seiner Investoren drängen Soravia allerdings, auf der Hospiz Alm komplett reinen Tisch zu machen und an der Spitze einen Neubeginn zu veranlassen. Dass der Geschäftserfolg der „Alm“ künftig an Einzelpersonen hängt, glaubt von den Insidern genau niemand. Auch nicht Soravias Investoren.