Der Topwinzer aus der Thermenregion scort immer wieder bei Vinaria Degustationen. Bei den günstigen Rotweinen einmal mehr mit der Piwi-Sorte Rösler. Hier über Stilistik, Charakter, Weinbereitung und Potenziale.

2024 Roesler Exklusiv N © Weingut Schwertführer 47er

Vinaria: Sie haben ein großes Rotweinsortiment. Welche sind die wichtigsten Sorten?

Martin Schwertführer: Die Nummer 1 im Hause ist flächenmäßig der Zweigelt, gefolgt von St. Laurent und Pinot Noir, jeweils in den verschiedensten Ausbaustufen. Aber auch die Bordeauxsorten Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Merlot haben im Betrieb einen großen Stellenwert. 

Vinaria: Seit wann kultivieren Sie Rösler und welche Bedeutung hat sie in der Palette?

Martin Schwertführer: Den Roesler gibt es bei uns seit der Ernte 2006, wir haben derzeit rund einen Hektar damit bestockt. Wir verkaufen unseren Roesler ganz gut, er wird aber – das kann man nach 20 Jahren schon sagen – eine Nischensorte bleiben. Fast ein bisschen schade, da er ein hervorragender Speisenbegleiter zu Lamm- und Wildgerichten sowie würzigem Käse ist.

Vinaria: Welche Bedürfnisse hat Roesler und welche Herausforderungen bringt er mit sich?

Martin Schwertführer: Der Roesler treibt früh aus und ist daher leider spätfrostgefährdet. Der Wuchs geht wie bei vielen PIWI Sorten eher in die Breite, er hat eine schlechte Rankenbildung und ist daher in windexponierten Lagen nicht gut aufgehoben. Punkto Ertrag ist eine Traubenreduzierung für gute Qualitäten ein Muss, drei bis vier Trauben pro Trieb sind keine Seltenheit. Bei feuchtem Herbstwetter neigt er zu Botrytis. Wir ernten den Roesler meist recht spät, um die volle physiologische Reife zu erreichen.

Vinaria: Roesler ist eine pilzwiderstandsfähige Züchtung aus Österreich: Wie sieht es mit der Widerstandsfähigkeit tatsächlich aus?

Martin Schwertführer: Zu Beginn, als wir mit dieser Sorte begonnen haben, haben wir versuchsmäßig eine kurze Zeile bewusst beim Pflanzenschutz ausgelassen. Dort war dann doch Oidium ein Thema. Mittlerweile haben wir uns auf drei Applikationen pro Saison eingependelt (bei klassischen Sorten sind es sechs bis acht), und damit halten wir den Infektionsdruck in Schach. Eine feine Sache.

Vinaria: Wie würden Sie den Charakter von Roesler beschreiben?

Martin Schwertführer: Der Roesler – das war ja damals auch eines der Zuchtziele – hat eine enorme Farbtiefe, aufgrund kleiner Beeren und dicker Schalen. Logischerweise damit einhergehend ist eine mächtige Tanninstruktur. Was die Sorte für die Zukunft spannend macht, ist zudem ein guter Säurerückhalt, auch bei sehr hoher Reife. 

Vinaria:…. und vom Geschmack her?

Martin Schwertführer: Der Roesler präsentiert sich vom Geschmack her meist mit tiefer Brombeerwürze, auch etwas Cassis und Dunkelfrucht, und ist nichts für Freunde eines filigranen Rotweinstils. Auch für die Traubensafterzeugung macht Roesler aufgrund hoher Farb- und Säurewerte richtig Spaß. Aufpassen sollte man bei der Maischegärung punkto Extraktion der Inhaltsstoffe: Aus unserer Erfahrung ist da weniger oft mehr.

 

Topliste Rotweine 2024 bis 13 Euro

16,7Weingut Josef Pimpel2024 BF Kalkstein NÖ
16,5Bio-Weingut Ettl2024 CS Ried Alter Satz BG
16,5Weingut Schwertführer 47er2024 Roesler Exklusiv N
16,3Weingut Hindler2024 ZW Ried Innere Bergen NÖ
16,2Edwin Weber2024 Roesler Classic BG
16,0Weingut Mad2024 BF Seestern BG
16,0Bioweingut Schreiner2024 BF Rhodolith BG
16,0Bio-Weingut Ettl2024 ME Ried Prädium BG
16,0Leo Hillinger2024 Small Hill Red BG
15,9Weingut Martin Reinfeld2024 Vier BG
15,8Bio-Weingut Ettl2024 Heideboden Cuvée (ZW, BF, ME) BG
15,8Familienweingut Honsig2024 Blauer Portugieser Ried Zellerndorfer Längen NÖ

 

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