Was hilft das Jammern über sinkende Lehrlingszahlen? Nichts und in keiner Branche. Besonderen Hunger nach gut ausgebildeten Nachwuchskräften haben die Betriebe der Jeunes Restaurateurs (JRE). Aus einer Idee entstand die Meisterklasse Kulinarik an der Tourismusschule Bad Hofgastein.

JRE Österreich-Obmann Vitus Winkler © Jörg Lehmann

Wir könnten darüber jammern, dass sich die sich Lehrlingszahlen in der Gastronomie zwischen 2010 und 2024 österreichweit fast halbiert haben, wie es die Branchendaten der Wirtschaftskammer belegen. Wir könnten auch in den gerade medial gern verbreiteten Tenor einstimmen und uns über die „Generation Antriebslos“ beschweren. Wir tun es aber nicht. Weil wir der Meinung sind, dass es den jungen Menschen nicht gerecht wird. Aber vor allem, weil wir wissen, dass es auch anders geht. 

Zum Beispiel mit einem maßgeschneiderten Ausbildungsprogramm. 2017 starteten die Jeunes Restaurateurs gemeinsam mit der Tourismusschule Bad Hofgastein (Salzburg) die österreichweit einzigartige Meisterklasse Kulinarik. Die Idee kam von JRE Andreas Döllerer, selbst Absolvent der Schule. Waren es im ersten Schuljahr noch 18 junge Menschen, so ist der dreijährige Lehrgang heute auf 56 angehende „Meister“ angewachsen. 

56 angehende Meister studieren in Bad Hofgastein

„Die Meisterklasse verbindet handwerkliche Exzellenz und Kreativität mit moderner, nachhaltiger Kulinarik und fördert zugleich unternehmerisches Denken und eine breite Allgemeinbildung“, fasst Direktorin Maria Wiesinger das Erfolgsrezept zusammen. Aus ihrer Sicht besonders wertvoll: die intensive Praxis, die durch die hervorragende Zusammenarbeit mit den Jeunes Restaurateurs möglich wird. Eingebunden in das Projekt sind auch JRE Partner, etwa R Express (Rungis Express), ein Spezialist für hochqualitative Lebensmittel für die Gastronomie. 

„Wir haben jede Woche einen Workshop mit einem anderen Spitzenkoch oder einer anderen Spitzenköchin und lernen immer wieder neue Techniken, Ideen und Perspektiven kennen“, berichtet Severin Maier, Schüler der 2. Meisterklasse und seine Mitschülerin Lilith Düvelmeyer ergänzt: „Wir bekommen Einblicke in die Spitzengastronomie und sehen, welche Möglichkeiten wir nach der Ausbildung haben.“ Der enge Austausch auf Augenhöhe bringt Inspiration und Motivation in den Lehrplan – und er schafft vor allem Perspektiven.

Wer die Küche liebt, muss in den Nachwuchs investieren

„Wer die heimische Küche liebt, muss in den Nachwuchs investieren“, ist JRE-Obmann Vitus Winkler überzeugt. Wie kann dieses Investment aussehen? „In erster Linie sollten wir Freude am Tun vermitteln und ausstrahlen, dass unser Beruf Spaß macht“, sagt JRE Thomas Gruber vom Haus Zirngast und sein Kollege JRE Stefan Eder (Der WILDe EDER) ergänzt: „Wir müssen offen sein für neue Themen und können hier auch viel von den Jungen lernen.“

Quelle: JRE