Die Weinlese 2026 startete in Österreich und ganz Europa – wie berichtet – wegen Hitze und Dürre im Sommer so früh wie nie oder lange nicht. In Österreich ist die Hauptlese im Gange, erwartet wird eine besonders kleine Erntemenge von knapp 1,7 Mio. Hektoliter, aber ein sehr guter Jahrgang.

Das ist um fast ein Drittel (30 Prozent) weniger als im mengenmäßig sehr guten Vorjahr und um rund ein Viertel weniger als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre, von 2021 bis 2025. „Nach den derzeitigen Rückmeldungen aus den Weinbaugebieten erwarten wir heuer eine Weinernte von rund 1,7 Mio. Hektolitern“, schätzt Österreichs Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager und weiter: „Die extreme Trockenheit hat deutliche Spuren hinterlassen. Die Beeren sind vielfach sehr klein und auch die Mostausbeute fällt entsprechend geringer aus.“ Besonders betroffen sind die Weißweinsorten.

Aus diesem Grund kann die endgültige Erntemenge 2026 noch unter die prognostizierten 1,7 Mio. Hektoliter zu liegen kommen. Im Jahr 2018 gab es ebenfalls hitzebedingt eine sehr frühe Weinlese, die Wasserversorgung der Reben war aber ungleich besser. Zuletzt wurde in Österreich im Jahr 2010 eine ähnlich kleine Erntemenge eingefahren. Besonders stark sind die Ernteausfälle im Weinviertel und in Teilen des Burgenlandes mit bis zu 40, in extremen Fällen bis zu 50 Prozent.

Kleine Beeren, intensive Aromatik: sehr guter Jahrgang erwartet

Gleichzeitig bringen die Winzer sehr gesundes und reifes Traubenmaterial in die Keller. „Wir erwarten einen ausdrucksstarken, aromatischen Weinjahrgang“, ist Schmuckenschlager überzeugt. Kleine Beeren bedeuten weniger Saft, aber eine hohe Konzentration an wertgebenden Inhaltsstoffen. Gute Voraussetzungen sehen Experten insbesondere auch für Rotwein: „Die kleinbeerigen, tiefdunklen und konzentrierten Rotweintrauben lassen dichte, vollreife Weine erwarten.“

Optimale Säurewerte zeichnen sich ab

Der geringe Krankheitsdruck ermöglicht die Ernte von durchwegs gesundem Traubenmaterial. Entscheidend ist in diesem Jahr vor allem der richtige Lesezeitpunkt. Die Reife ist aufgrund der Witterung bereits sehr weit fortgeschritten und macht den frühen Lesebeginn notwendig, um ein harmonisches Zucker-Säure-Verhältnis zu erhalten. Derzeit zeichnen sich optimale Säurewerte ab.

 

Witterungsverlauf sorgte für frühe Lese

Während der Wintermonate gab es noch einige Niederschläge und Frostphasen, bereits ab Ende April folgte eine Phase mit nahezu sommerlichen Temperaturen. Der Austrieb der Reben begann Mitte April. Die warme Witterung beschleunigte die weitere Entwicklung, sodass die Rebblüte bereits ab Ende Mai einsetzte. Mitte Juni setzte eine erste massive Hitzewelle ein, die zu einem raschen Vegetationsfortschritt führte. Abgesehen von vereinzelten Gewittern blieben ergiebige Niederschläge in den Weinbaugebieten aus. Besonders der Osten Österreichs war von extremer Trockenheit und Hitze betroffen. Temperaturen über 30°C waren während des heurigen Sommers über weite Strecken gang und gäbe. Der frühe Austrieb, die zeitige Blüte und die hohen Temperaturen während des Sommers haben die Reifeentwicklung deutlich beschleunigt. Entsprechend früh hat die Weinlese begonnen. Im Seewinkel im Burgenland geht die Lese sogar bereits dem Ende zu. In Niederösterreich, der Steiermark und Wien hat Anfang September die Hauptlese gestartet.

 

Weingartenarbeit und Bodengesundheit entscheidend

Die Weinrebe als Dauerkultur ist mit ihren tiefen Wurzeln nicht so trockenheitsanfällig wie andere landwirtschaftliche Kulturen. Die heurige Trockenheit brachte jedoch auch die Weinreben an ihre vegetativen Grenzen. Besonders betroffen waren Junganlagen, deren Wurzelsystem noch nicht ausreichend entwickelt ist. Teilweise wurden dort Trauben entfernt, um die jungen Stöcke zu entlasten. 

Das Ausmaß der Trockenheitsschäden in den einzelnen Weingärten wurde wesentlich von der Beschaffenheit und Wasserspeicherfähigkeit der Böden sowie von der Bewirtschaftung und Pflege während der Trockenperiode beeinflusst.Die Bewässerung der Weingärten (und vieler anderer landwirtschaftlicher Flächen) ist eines der wichtigsten Themen der Zukunft

Herausfordernde Marktsituation bleibt unverändert

Neben den witterungsbedingt geringeren Erträgen bleibt auch die Marktsituation für die Weinbaubetriebe herausfordernd. Ein verändertes Konsumverhalten, ein rückläufiger Weinkonsum und hoher Preisdruck wirken sich auf die gesamte Branche aus. Umso wichtiger ist es, die Herkunft und Qualität österreichischer Weine stärker in den Mittelpunkt zu rücken. „Unsere Betriebe brauchen für ihre hochwertigen Weine auch entsprechende Absatzmöglichkeiten und Preise, die eine wirtschaftliche Produktion zulassen“, hob Schmuckenschlager hervor. Die kleine Erntemenge wird zwar die Lagerbestände reduzieren, bedeutet aber für die Winzer weniger Erlös.

Der hohe Weißweinanteil in der Weinproduktion Österreichs ist ebenso ein Vorteil (auch im Export) wie die wachsende Nachfrage nach Schaumweinen.

Kleine Beeren, geringe Mostausbeute, aber intensive Aromatik und gute Säurewerte: Johannes Schmuckenschlager (rechts) & Josef Glatt erwarten sehr guten Weinjahrgang 2026. © LKÖ, Siegl