Der Schweizer Experte für Alterskrankheiten, Professor Simon Feldhaus, erklärt die Auswirkungen des Konsums von Wein auf die Gesundheit und distanziert sich von der modernen Medizin, die zu sehr auf Angst fokussiert ist: "Unser Körper kann mit Alkohol umgehen!" Und Frankreich sei das beste Beispiel dafür.

Über die Auswirkungen von Alkohol auf den menschlichen Körper gibt es aus bestimmten Ecken, auf die auch die Weltgesundheitsagentur (WHO) gerne hört, zahlreiche Berichte über angeblichen Studien, die auf Voreingenommenheit und auf dem Konzept der Angstmache basieren. Thesen aus wissenschaftlich mangelhaften oder aus dem Zusammenhang gerissenen Studien, die sehr oft ungeprüft übernommen werden.

Simon Feldhaus (58), Direktor der Balance Rehab-Klinik und Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Medizin und Altersprävention (SSAAMP), ist ein Arzt mit Spezialisierung auf Langlebigkeit. Er arbeitet seit 15 Jahren an diesem Thema und bezeichnet sich selbst als regelmäßigen und moderaten Konsumenten von Wein und Bier.

„Bin Arzt und werde niemals auf Wein verzichten!“

"Ich bin Arzt, spezialisiert auf Langlebigkeit, und ich werde niemals auf Wein verzichten“, fasst Professor Feldhaus seine persönliche Einstellung zusammen und erklärt: "Ein Großteil der modernen Medizin lebt von Ängsten, also Angst vor Essen, Alkohol und dem Leben selbst. Aber drei Jahrzehnte medizinische Tätigkeit haben mich gelehrt, dass von allen menschlichen Emotionen Angst die giftigste Ausformung für den Körper ist."

Simon Feldhaus weist darauf hin, dass Alkohol keine fremde Substanz ist, wie er in einem Beitrag für die britische Tageszeitung The Telegraph schreibt: „Selbst beim Trinken von frisch gepresstem Apfelsaft produzieren Bakterien während der Verdauung kleine Mengen Alkohol.“ Mehr noch: "Unser Körper erkennt und weiß, wie er mit Alkohol umgehen muss“, ist Professor Feldhaus überzeugt. 

Menschlicher Körper weiß, wie er mit Alkohol umgehen muss

Laut Feldhaus ist die Toxizität eines Lebensmittels immer eine Frage der Dosierung: "Acht Liter Wasser können tödlich sein und selbst Sauerstoff bei bestimmten Konzentrationen wird giftig." Außerdem erinnert der Arzt daran, dass es viele gängige Medikamente gibt, die viel schwerer auf die Leberenzyme wirken als Alkohol. Dazu gehören Blutdruckmedikamente, Statine, Blutverdünner und Schlaftabletten. Dennoch warnen Ärzte ihre Patienten selten.

Die Rolle der Genetik beim Umgang mit Alkohol

Die Fähigkeit des Körpers, sich selbst zu entgiften, hängt mit der Genetik und der individuellen DNA zusammen; diese beeinflusst, wie viel Alkohol man verträgt. Bei Ostasiaten zum Beispiel wirkt das Enzym, das für die Alkoholentgiftung verantwortlich ist (Alkoholdehydrogenase) schlechter. Das Ergebnis sei, dass diese Menschen – laut Professor Feldhaus - nach dem Alkoholkonsum Kopfschmerzen, Übelkeit und Herzklopfen bekommen. 

Im Wesentlichen sind diejenigen Menschen, die eine verminderte Fähigkeit haben, Acetaldehyd zu verstoffwechseln, stärker dem Risiko von oxidativem Stress oder der Ansammlung freier Radikale ausgesetzt. Oxidativer Stress spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder in den Prozessen, die zu bestimmten Krebsformen beitragen. Alkoholtoleranz kann sich durch die Einnahme von Vitaminen, Nahrungsergänzungsmitteln oder bestimmten Lebensmitteln, die die Leberfunktion unterstützen, verbessern.

Frankreichs gesunde Einstellung zum Wein

Feldhaus nennt auch das Beispiel Frankreichs und dessen Beziehung zum Wein: "Wenn Alkohol so schädlich wäre, wie oft geschrieben, müssten die Menschen in Frankreich durch die Bank früh sterben. Dass dem nicht so ist, liege laut Simon Feldhaus daran, dass die Einstellung der Franzosen zum Trinken gesund ist. Alkohol in Form von Wein oder Bier wird in Frankreich meist mit Essen kombiniert und ist damit viel verträglicher. Im Gegensatz zu Großbritannien, wo Trinken in größeren Mengen alleine zum Höhepunkt des Abends werden kann.