In Südtirol wurden im Oktober 2024 die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, Weingärten mit genau definierten Grenzen und individuellen Eigenschaften zu definieren; Vinaria hat darüber in der Ausgabe 02/2025 berichtet. Die Kellerei Kurtatsch ist bei der Umsetzung nun in eine neue Phase der Herkunftsbezeichnung eingetreten.

Andreas Kofler ist Präsident der renommierten Kellerei Kurtatsch und Präsident von Südtirol Wein. © Kellerei Kurtatsch

Die klar definierte Herkunft eines Weines ist vielen italienischen Winzern schon seit Jahren ein Anliegen. Es wurden Gütesiegel wie DOC oder DOCG eingeführt. Diese haben sich über die Jahre hinweg etabliert und sind international anerkannt. Bis 2024 durfte für das Land an Etsch und Eisack „Südtirol DOC“ auf dem Etikett angegeben werden, daneben waren noch die sechs Unterregionen „Südtirol Meraner“, „Südtirol Vinschgau“, „Südtirol St. Magdalener“, „Südtirol Terlaner“, „Südtirol Eisacktaler“ und „Südtirol Bozner Leiten“ mit eigenen Regeln zulässig. DOC „Etschtal“ und DOC „Kalterersee“ sind Sonderfälle, da sie über Südtirol hinaus reichen.

Klar definierte Herkunft: 86 Einzellagen ausgewiesen

Das war unseren südlichen Nachbarn zu wenig. Sie haben deshalb vor einigen Jahren die Weichen in Richtung detaillierterer Unterscheidungen im Sinne einer Herkunftspyramide gestellt. Die Spitze stellen die abgegrenzten Lagen mit geringen Flächenerträgen und reduziertem Rebsortenspiegel dar. Aktuell werden 86 einzelne Lagen ausgewiesen. Die Weine tragen als zusätzliche geografische Angabe die Abkürzung UGA (Unità Geografica Aggiuntiva).

Ab nun dürfen detaillierte Herkunftsangaben wie Gries, Mazon, Siebeneich, Eppan Berg oder Brenntal auf dem Etikett angegeben werden, um nur einige zu nennen. Nach den neuen Bestimmungen darf die Lage nur dann auf dem Etikett angegeben werden, wenn der Wein aus jenen Rebsorten gekeltert wurde, welche von Experten für den jeweiligen Standort freigegeben wurden. Je nach Lage sind ein bis maximal fünf Rebsorten zulässig.

Andreas Kofler, Präsident von Südtirol Wein, zur Motivation für eine klare Lagenabgrenzung: Erklärtes Ziel war eine dreistufige Herkunftspyramide mit den Gebietsweinen als Basis, darüber die räumlich und regulatorisch enger gefassten Unterzonen wie „Südtirol Eisacktaler“. „Als Spitze der Herkunftspyramide sehen wir Weine aus präzise abgegrenzten Lagen mit strengen Vorgaben bezüglich Ertrag und Rebsorten.“

Herkunft am Etikett transparent kommunizieren

Andreas Kofler ist auch Präsident der renommierten Kellerei Kurtatsch. Für ihn sind die UGAs in erster Linie ein Instrument, um die Herkunft auf dem Etikett abzubilden und transparent zu kommunizieren. „Seit Jahrzehnten beobachten wir jede einzelne Lage sehr genau, um ihr Potenzial zu erkennen und durch die passende Sortenwahl den Charakter des jeweiligen Terroirs und der Rebsorte präzise und authentisch zum Ausdruck zu bringen.“ Herkunft dürfe nicht nur ein Schlagwort sein, vielmehr müsse die Verbindung zwischen Wein und Herkunft nachvollziehbar und klar gestaltet werden.

Kellerei Kurtatsch mit neun Weinen aus acht Lagen

Anfang August 2026 hat die Kellerei Kurtatsch bekanntgegeben, was aus diesen Prämissen geworden ist: Neun Weine aus acht Lagen, davon fünf reinsortige Gewächse. Die Voraussetzungen sind ausgesprochen günstig, denn die Weinberge der Kellerei erstrecken sich von 220 bis auf 900 Meter Seehöhe. Dieser beeindruckende Höhenunterschied ermöglicht es, jede Rebsorte exakt in jener Lage anzubauen, in der sie die besten kleinklimatischen Voraussetzungen vorfindet. 

Am auffälligsten für Kenner der Szene dürfte die Neupositionierung des Gewürztraminers von der Lage Brenntal in die Lage Frauenrigl sein. Zur Erinnerung: Bei der Vinaria Verkostung internationaler Traminer im Jänner 2026 lag der Brenntal Gewürztraminer aus dem Jahr 2022 im Spitzenfeld. 

Die Seehöhe macht den Unterschied

Ausschlaggebend für den Wechsel der Riede war deren Seehöhe; Frauenriegel liegt 150 m weiter oben als Brenntal. Dazu Kellermeister Erwin Carli„Jede Rebsorte bringt ihre Eigenschaften nur dann bestmöglich zum Ausdruck, wenn sie am richtigen Ort wächst. Gerade im Kontext des Klimawandels bedeutet das heute, frühere Entscheidungen zu hinterfragen und kontinuierlich danach zu streben, jene Sorten-Lagenkombination zu finden, die den Charakter eines Gebiets am authentischsten widerspiegeln.“

Aktuell vinifiziert die Kellerei Kurtatsch Lagenweine (UGAs) aus den Lagen Graun, Penon, Penon-Hofstatt, Penon-Kofl, Frauenrigl, Brenntal, Glen und Mazon. 

Prägnant zusammengefasst lautet das Konzept: „Lage für Lage, Wein für Wein“.