Josef „Pepi“ Umathum öffnete 15 Jahrgänge Hallebühl und erzählte dabei 40 Jahre Weingeschichte. Der Wein aus Zweigeltreben gilt als eine der österreichischen Rotweinikonen. Vinaria war dabei.

„So eine Verkostung wie diese wird es wahrscheinlich nicht mehr geben“, eröffnet Josef „Pepi“ Umathum eine exklusive Weinverkostung im Stadtbräu Josef in Linz. „Denn ich habe aus manchen Jahrgängen unseres Hallebühl praktisch die letzten Weinflaschen aufgemacht.“ 

Hallebühl – das ist der ikonische Zweigelt, der untrennbar mit dem Weinschaffen des Pepi Umathum verbunden ist. Seit 1985 ist er Winzer in Frauenkirchen im Weinbaugebiet Neusiedlersee im Burgenland. 1986 war der erste Jahrgang Hallebühl, den Umathum aus der Rebsorte Zweigelt vinifizierte und damit zeigte, dass Zweigelt ein großer Rotwein werden kann.

15 Jahrgänge erzählen 40 Jahre Weingeschichte

1964 sind die ersten Zweigelt-Reben in dieser Lage gepflanzt worden, die jüngsten Reben wurden 1994 gesetzt. „Damals gab es Zweigelt – das war ein roter Wein, aber kein Rotwein. Denn die Erträge waren zu hoch“, sagt Umathum. Er wollte dieses Image ändern: „Wir waren einer der ersten Betriebe mit Grün-Lese. Wir sind im Juli durch die Weingärten gegangen, haben Trauben runtergeschnitten, um den Ertrag zu reduzieren, um Konzentration und Reife zu erzielen; und wir haben den Zweigelt im Barrique ausgebaut.

Die Lage Hallebühl umfasst ein Gebiet von etwa 50 Hektar, wovon 17 Hektar mit Reben bepflanzt sind, die zur Gänze vom Weingut Umathum bewirtschaftet werden – womit Hallebühl heute eine Monopollage Umathums ist und auch als „Ried“ definiert ist. Für seinen Signature-Wein Ried Hallebühl verwendet der Winzer ausschließlich Trauben von den ältesten Reben von einer Fläche von 2,5 Hektar. 

Die Ausbeute, der Hektarertrag, liegt im Durchschnitt unter 50 Hektoliter. Eine weitere Selektion findet im Keller statt. Nur die besten Fässer werden verwendet, womit jährlich nur rund 5.000 bis 7.000 Flaschen Hallebühl auf den Markt kommen.

Apropos Hallebühl: Der Name geht auf die Keltenzeit zurück – Holler Hügel oder Heiliger Hügel. Denn die Kelten errichteten an Kreuzungspunkten von Erdstrahlen Hügel, die als Landmarken dienten. Und auf diesen Heiligen Hügeln wuchs dann wilder Holunder, der den Kelten als heilig galt.

Mit 128 Metern die höchste Erhebung östlich des Neusiedler Sees

Heute ist der Holler Hügel mit 128 Metern über der Adria die höchste Erhebung östlich des Neusiedler Sees. Die Flur südwestlich dieser Erhebung erhielt dann in der Neuzeit den Namen „Ried Hallebühl“. 

„Die Reben stehen auf kargem Kieselsteinboden, sogenanntem Donauschotter, der mit bräunlich-rotem, eisenhaltigem Kieselgestein durchzogen und reich an Magnesium ist“, erzählt der Winzer. Bei nur geringer Humusauflage und mäßiger Wasserversorgung seien die Pflanzen gezwungen, tief zu wurzeln, was die Mineralität und Konzentration in den Beeren fördere. „Der Zweigelt fühlt sich auf diesem eisenhältigen durchlässigen Boden besonders wohl.“

Die ersten Jahrgänge – von 1986 bis 1989 – wurde Hallebühl als reinsortiger Zweigelt abgefüllt. In der Verkostung zeigten die beiden Erstlinge unterschiedliche Gesichter. Während der 1986er schon „weit gereift“ und am Ende seines Weinlebens angelangt scheint, macht der 1987er durchwegs noch gute Figur. Was im Vergleich zeigt, kühle Jahrgänge wie 1987 haben in der Langlebigkeit für Frische und Statur Vorteile gegenüber warmen Jahren wie 1986.

Ab 1990 hielten im Hallebühl Cabernet Sauvignon und Blaufränkisch Einzug. „Aber nur ein kleiner Anteil. Legistisch war es weiterhin Zweigelt“, sagt Umathum, da der Zweigelt weiterhin zumindest zu 85 Prozent den Wein ausmachte, was gesetzlich als reinsortig gilt. Cabernet und Blaufränkisch kamen zusammen in einem Ausmaß von etwa zehn bis 15 Prozent zum Zweigelt dazu, um dem Wein mehr Spannung zu verleihen. Dieses Hallebühl-Rebsortentrio bestimmte den Wein bis zum Jahrgang 2004. In der Vertikale bemerkte man die Veränderung – die Weine waren etwas frischer und von der Frucht attraktiv.

Mit den Jahrgängen 2000 und 2002 kamen die absoluten Highlights der „älteren“ Hallebühls – in der Bouteille. Zwei Weine, besonders der 2000er, praktisch ohne Alterungsnoten, dafür mit einer Eleganz und Schliff.

„Aus Zweigelt einen 100 Prozent reinsortigen outstanding Wein keltern“

Mit 2005 die nächste Wendung. Hallebühl wurde wieder 100 Prozent Zweigelt. Der Gesinnungswandel trat ein, da in Umathum über die Jahre die Erkenntnis reifte, dass es möglich sein müsse, „aus der so wichtigen österreichischen Rebsorte Zweigelt einen 100 Prozent reinsortigen outstanding Wein zu keltern.“ Um das Tannin von Blaufränkisch und Cabernet Sauvignon zu kompensieren, hat Umathum je nach Jahrgang zwischen zehn und 30 Prozent Traubenstile mit in den Gärbottich genommen, um den Wein kerniger und strukturierter zu machen.

Und Umathum wollte auch die Frucht noch mehr in den Weinmittelpunkt stellen. Daher hat er das Holz zurückgefahren, verringerte den Anteil von neuen Holzfässern. In den Hallebühls der Neuzeit gibt es überhaupt kein neues Holz mehr. Sie wurden ausschließlich in mehrmals gebrauchten Fässern ausgebaut. Diese Fruchtfrische war auch in der Vertikale bei den jungen Jahrgänge deutlich spürbar. 

Das Highlight der mitteljungen Zehner-Jahrgänge war 2012 – geschlagen nur von einem bildhübschen, feinziselierten Power-Hallebühl Jahrgang 2021 mit Langzeitpotenzial. In 40 Jahren Weinmachen ist dem Winzer der 2021er besonders ans Herz gewachsen: „Das war der beste Jahrgang, den ich je vinifizieren durfte.“ 

 

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Hallebühl gilt als eine Monopollage. Die ältesten Stöcke für den Paradezweigelt wurden 1964 gepflanzt. © Weingut Umathum
© Weingut Umathum