Der Grand Seigneur des Vinaria Kosterteams, Redakteur und Kolumnist ist im 74. Lebensjahr verstorben. Siegl war ein ganz Großer der heimischen Weinszene, hat wie kaum ein anderer Nicht-Winzer Verdienste um den modernen österreichischen Wein.

Viktor Siegl, im Hauptberuf seinerzeit Jurist und Leiter der obersten Schifffahrtsbehörde im österreichischen Verkehrsministerium, ist ein Vinaria Gründungsmitglied der ersten Stunde.

Bereits ab 1982 verfasste er für eine hektographierte Druckschrift namens Vinaria der Weinbruderschaft CAVE zusammen mit Kollegen die ersten Weinkritiken Österreichs. Wenige Jahre vor dem folgenschweren Weinskandal (1985) machten sich Siegl & Co auf die Suche nach der wahren Qualität österreichischer Winzerkunst.

In die damalige Zeit fiel auch die Entdeckung der „neuen Wachauer Weine“ durch Viktor Siedl und seine Kollegen. Der große Josef Jamek hatte den Grundstein gelegt zum späteren Codex Wachau. Mit im Boot Franz Prager, Franz Hirtzberger (der Senior-Senior), F.X. Pichler und Emmerich Knoll.

 Aus dieser Runde heraus war Jahre zuvor der absurde Plan gekillt worden, in der Wachau bei Dürnstein ein Donaukraftwerk zu errichten.

Viktor Siegl hatte damals mit seinen Weinfreunden die genannten großen Winzer und noch viele andere quer durch die Weinbaugebiete des Landes sozusagen entdeckt. Über deren Weine schrieb er die ersten Kostnotizen, Weinbeschreibungen und Winzerportraits, wie man heute sagen würde.

 Siegl konnte aufgrund seines unglaublichen sensorischen Talents große Weine aufspüren, präzise beschreiben und fand stets fair die treffenden, niemals herabwürdigenden Worte. 

Mit seiner Arbeit in den 1980er Jahren trug Viktor Siegl maßgeblich dazu bei, die Wirren des Weinskandals zu bewältigen und dem aus der Asche auferstandenen modernen österreichischen Wein eine Stimme und eine Bühne zu geben.

Als 1997 Vinaria aus den Händen des gleichnamigen Vereins in den Verlag von LWmedia wechselte, blieb Viktor Siegl an der Spitze des Kosterteams, war Redakteur zahlloser kompetenter Reportagen und hunderter Kolumnen. Bis zuletzt war er als einziger aus dem Vinaria Gründungsteam in der Redaktion noch hoch aktiv.

Er lief zu einer Ikone der heimischen Weinszene auf, machte sich als Buchautor einen Namen und um den später gegründeten Vinaria Weinguide verdient. Zahllose der besten Winzer des Landes zählten zu seinen Freunden, praktisch alle hörten auf seine Worte.

Der Weinbau in seiner geliebten Heimatstadt Wien war ihm ein besonderes Anliegen und gilt er als einer der Wegbereiter des großartigen Erfolgs der Wiener Weine.

Im Jahr 1999 wurde Siegl mit dem Österreichischen Staatspreis für Fachpublizistik ausgezeichnet, später folgten das Große Silberne Ehrenzeichen der Republik (2008) und der Berufstitel Professor (2015). Im Millenniumsjahr 2000 zeichnete Vinea Wachau Viktor Siegl mit dem Steinfederpreis aus.

Der österreichische Wein hat Viktor Siegl mindestens ebenso viel zu verdanken wie Vinaria. Die Geschichte wird sein Werk noch erhöhen. Vinaria und der österreichische Wein verlieren eine große Persönlichkeit, die eine riesige Lücke hinterlässt. Wir werden Viktor und sein Werk ewig ehren.