Viele kommen wegen eines Gerichts – und kehren seit Jahrzehnten zurück. Ein Besuch in der Schwarzen Kuchl, wo Beständigkeit Trumpf ist. Außerdem: Warum Hausherr Andreas Macher einst dem Fine Dining den Rücken kehrte und seit 30 Jahren bodenständig kocht. 

Die gemütliche Gaststube der Schwarzen Kuchl in Krems an der Donau. © Franz Aschauer

Wer die Schwarze Kuchl in der Kremser Innenstadt betritt, der kann das Steckenpferd des Hauses sofort erriechen. Der Duft des sanft vor sich hin brodelnden Gulaschs liegt dank der offenen Küche im Entree des Gasthauses unverkennbar in der Luft. Stolze 21,80 Euro kostet die Kalbsrahm-Ausführung mit Spätzle und Sauerrahm-Dip mittlerweile.

Gemeinsam mit dem Wachauer Rieslingbeuscherl (17,90) ist der herzhafte Klassiker Gulasch aber nach wie vor das Lieblingsgericht der Gäste. „Die Kosten treiben mich um“, bedauert Hausherr Andreas Macher die Preisentwicklung. „Aber wir müssen es weitergeben, sonst rechnet es sich nicht mehr.“ 

Der in Sallingberg (Bezirk Zwettl) aufgewachsene Vollblutgastronom ist seit mittlerweile 30 Jahren der Wirt in der Schwarzen Kuchl, die 2026 ihren 100. Geburtstag feiert. Das wohl wichtigste Geschenk zum Doppeljubiläum: eine Vielzahl an Stammgästen und ein ausgezeichneter Ruf bei Touristen. „Viele Leute kommen extra für das Gulasch oder das Beuscherl hierher, das ist ein schönes Zeichen“, berichtet Macher etwa von einem Gast aus der Schweiz, der bei seinen jährlichen Österreich-Urlauben aus Verbundenheit zur Schwarzen Kuchl immer einen Krems-Tag einlegt. 

Gemütlichkeit und Zeitlosigkeit als Erfolgsrezept

Während viele Lokale darum bemüht sind, sich immer wieder neu zu erfinden, ist in der Schwarzen Kuchl Beständigkeit der große Trumpf. Änderungen auf der Speisekarte gibt es kaum und auch das Interieur scheint ein ganzes Jahrhundert überdauert zu haben, wenngleich nichts angestaubt wirkt. Vielmehr lösen der grünkachelige Ofen und die von der Decke hängenden Küchenutensilien im großen Gastraum ein wohliges Gefühl der Behaglichkeit aus. 

Bei der zeitlosen Linie des Flaggschiffs unter den Kremser Wirtshäusern macht Hausherr Macher ebenso wenige Abstriche wie bei der Auswahl seiner Produkte. Beim legendären Rindsgulasch kommt für ihn nur der hochwertige Wadschinken des Tiers infrage. Die Rezepte stammen alle aus der Feder des 58-Jährigen. „Wir sind qualitativ auf einem Level, wo sich der Gast darauf verlassen kann, dass alles passt“, sagt Macher, der sieben Mitarbeiter beschäftigt, von denen einige schon rund 20 Jahre an Bord sind. 

Lehre bei Lisl Bacher und Abenteuer Hongkong

Die Leidenschaft für bodenständige Kulinarik und herzhafte Spezialitäten wurde Macher übrigens in die Wiege gelegt. Seine Eltern betrieben in Sallingberg ein Wirtshaus und eine Fleischerei. Dort hielt es den zweifachen Familienvater allerdings nicht lange. Die Lehre absolvierte er im renommierten Landhaus Bacher in Mautern, als Küchenchef im Schlosshotel Dürnstein und bei Toni Mörwald war Macher ebenfalls in der gehobenen Küche beheimatet. Auslandserfahrungen sammelte er in Deutschland, der Schweiz und in Hongkong. 

Das Gefühl, sich in der Schwarzen Kuchl unter seinem Wert zu verkaufen, hat Macher nicht: „Zu einer Rindsroulade ein gutes Saft'l hinzubekommen ist genauso eine Herausforderung. Ich gehe selber nach wie vor gerne im Fine-Dining-Bereich essen, aber es geht mir überhaupt nicht ab. Ich will nicht mit der Pinzette in der Küche hantieren.“

Fehlender Nachwuchs macht dsem Topwirten Sorgen

Der Zukunft blickt Macher, der auch seit 20 Jahren Bezirksvertrauensmann der hiesigen Gastronomen ist, mit gemischten Gefühlen entgegen: „Die Haubenküche wird es weiterhin geben, aber klassische Wirtshäuser wird es in zehn Jahren nur noch sehr wenige geben.“ Sorgen macht ihm vor allem der ausbleibende Nachwuchs - auch im eigenen Lokal. Weder Tochter noch Sohn wollen in seine Fußstapfen treten.