Über eine Hommage an seine ältesten Rebstöcke, deren Balance und innere Harmonie. Warum seine Stilistik auf Substanz und Zeit beruht und er bei der späten Lese gerne pokert. Woher die würzig-kraftvolle Struktur seiner Bioweine kommt und was er sich von 2025 erwartet.

2021 G BG, Weingut Gesellmann © Weingut Gesellmann

Vinaria: Ihr G hat sich zum wiederholten Mal unter den besten des Jahrgangs eingereiht. Was ist das Geheimnis des G?

Albert Gesellmann: Qualität entsteht nicht zufällig, sondern aus einer klaren Intention heraus. Wein beginnt im Kopf mit einer Vorstellung vom späteren Charakter. Sie ist die Grundlage dafür, im Weingarten und im Keller bewusst zu handeln und das volle Potenzial des Terroirs herauszuholen. Wesentlichen Anteil haben die uralten Rebanlagen, die als Basis für den G dienen. Sie ergeben einen Wein, der nicht spektakulär ist, sondern durch seine innere Ruhe überzeugt.

Vinaria: Der Kultwein G besteht fast ausschließlich aus Blaufränkisch, nur ein winziger Teil ist St. Laurent. Warum bezeichnen sie diesen als Cuvée?

Albert Gesellmann: Der G wird weiterhin als Cuvée geführt, auch wenn Blaufränkisch mit 95 Prozent seit vielen Jahren klar im Vordergrund steht und nur noch 5 Prozent St. Laurent enthalten sind. 1997, beim ersten Jahrgang, machte der Anteil aus den alten St. Laurent Anlagen noch rund 15 Prozent der Cuvée aus. Wegen notwendiger Rodungen reduzierte sich dieser Anteil innerhalb weniger Jahre, bis sich 2002 das heutige Verhältnis einpendelte. Auch wenn St. Laurent heute geschmacklich nicht mehr im Vordergrund steht, bleibt die Cuvée-Bezeichnung bestehen – denn der G ist in erster Linie eine Hommage an unsere ältesten Rebstöcke, deren Balance und innere Harmonie den Wein prägen.

Vinaria: Heuer haben Sie mit dem aktuellen Jahrgang 2021 reüssiert. Wie erfolgt die Reifung und was bringt die ausgedehnte Reifephase?

Albert Gesellmann: Unsere Stilistik ruht auf zwei zentralen Säulen: Substanz und Zeit. Das hohe Alter unserer Rebstöcke sorgt bereits im Weingarten für Balance. Im Keller führen wir diesen Charakter durch einen bewussten langen Ausbau von 40 Monaten in Barriques und 500 Liter Fässern weiter und geben dem Wein dadurch weitere Struktur und Präzision. Dass wir diesen Weg seit dem ersten Jahrgang 1997 konsequent verfolgen, hat sich über Jahrzehnte bewährt.


Vinaria: Wie war der Rotweinjahrgang 2021 im Mittelburgenland, wie verlief die Ernte?

Albert Gesellmann: 2021 war ein Traumjahrgang. Trotz der späten Ernte und der hohen Reife der Trauben überzeugen die Weine mit einer eleganten Struktur, perfekter Frucht und kräftigen Tanninen. Beim Erntebeginn haben wir gepokert. Die physiologische Reife war für mich noch nicht ganz zufriedenstellend und so haben wir zugewartet, während die meisten anderen Betriebe bereits voll in der Lese waren. Wir haben noch in Ruhe Vorbereitungen getroffen, die Trauben regelmäßig gekostet, dazwischen gegrillt und Bewegung gemacht. Begonnen haben wir mit der Handlese dann erst am 23. September, die letzten Trauben haben wir am 26. Oktober eingebracht.

Vinaria: Trotz viel Substanz und Wucht bestechen Ihre Weine stets durch knackige Säure und Würze. Wie erreicht man das?

Albert Gesellmann: Unser Qualitätsanspruch beginnt bei der Vitalität des Bodens. Durch die konsequente biologische Bewirtschaftung und eine gezielte Dauerbegrünung regulieren wir das Mikroklima im Weingarten und halten die Bodentemperaturen bewusst kühl. Das verlängert die Reifephase und ist der Schlüssel für die charakteristische, kräftige und würzige Struktur, die unsere Weine auszeichnet.

Vinaria: Was ist vom jüngsten Jahrgang 2025 im Rotweinbereich zu erwarten?

Albert Gesellmann: Der Jahrgang 2025 verspricht aus heutiger Sicht herausragend zu werden. Die klimatischen Bedingungen im Mittelburgenland – geprägt von einem phasenweise heißen, trockenen Sommer – haben zu kleinen, geschmacksintensiven Beeren mit festen Schalen geführt. Das Ergebnis sind Weine mit einer beeindruckenden Farbtiefe und einer sehr präzisen, harmonischen Tanninstruktur. Besonders spannend ist, dass wir trotz der Kraft des Jahrgangs eine sehr moderate Alkoholstruktur beibehalten konnten, was der Balance zugute kommt. 

 

Topliste Gesamt

18,5Gerhard Markowitsch2022 BF Bärnreiser CA
18,4Weingut Gesellmann2021 G BG
18,2Harald Schindler2018 BF MMXVIII BG
18,2Ernst Triebaumer         2022 BF Mariental BG
18,0Weingut Grassl2022 Reserve NÖ
17,9Weingut Prieler             2022 BF Pratschweingarten LB
17,8Weingut Pöckl2023 Rêve de Jeunesse BG
17,6Familie Auer2022 PN Rosenberg TH
17,6Bio-Weingut Ettl           2023 Grande Reserve III BG
17,6Bioweingut Schreiner2023 Perfekte Welle BG
17,6Weingut Gager2022 Tycoon BG
17,6Weingut Kerschbaum2021 Cuvée Kerschbaum BG
17,6A & H Nittnaus2021 Comondor BG
17,5Familie Reinisch        2023 SL Frauenfeld TH
17,5Weingut Prieler                2022 BF Goldberg LB
17,5Weingut Kollwentz     2021 Steinzeiler BG
17,4Weingut Gager2022 BF BFG BG
17,4Franz Schindler  2021 Grande Cuvée d'Or BG
17,4Werner Achs    2023 Xur BG
17,4Weingut Grassl            2023 Bärnreiser Höflein CA
17,4Gerhard Markowitsch2023 Rosenberg CA
17,4Bayer – In Signo Leonis              2022 In Signo Leonis BG
17,4Weingut Netzl2021 Privat Cuvée CA
17,3Familie Reinisch        2021 PN Kästenbaum TH
17,3Weingut Krutzler            2023 BF Perwolff BG
17,3Weingut Kollwentz         2021 Blaufränkisch Point BG
17,3Weingut Prieler             2022 BF Marienthal Oggau LB
17,3Follner2018 CS Reserve Fass 9 BG

 

 

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