Was sind die drei wichtigsten Voraussetzungen für eine gute Immobilie? Erstens Lage, zweitens Lage und drittens Lage. Bei Weingärten verhält es sich ebenso. Das ist der Hintergrund der hitzigen Diskussion um die Einführung von Ersten Lage in Österreich.

Vor einigen Jahren die Diskussion um die Einführung von Ersten Lagen – später wohl auch Großen Lagen – in Österreich Fahrt aufgenommen. Vor allem die Österreichischen Traditionsweingüter (ÖTW) und die Steirischen Terroir- und Klassikweingüter (STK) haben sich den Vorstoß auf ihre Fahnen geheftet.

Der deutsche Verband der Prädikatsweingüter (VdP) stand dabei Pate. Ein Verein, der sich angesichts deutlich lockerer deutscher Weingesetze des Themas im Handstreich bemächtigt hatte.

Genau das wollte die Weinbaupolitik in Österreich keinesfalls. Durch die Initiativen von ÖTW und STK war Handlungsbedarf gegeben. Stoßrichtung der Erste-Lagen-Befürworter: Lage, Lage, Lage. Jedenfalls vor Sorte, DAC und sonst was.

Gesetzliche Regelung statt Klassifizierung durch Vereine

Rein rechtlich gesehen sind ÖTW und STK private Vereine, die ihre Insignien nach Gutdünken an die Mitglieder vergeben können. Mehr als Logos, Wort-Bild-Marken sind es nicht.

Die Weinbaupolitik war zum Handeln verdammt. Die Marschrichtung war schnell vorgegeben: Wenn man um das Thema Erste Lagen schon nicht herumkommt, dann muss eine gesetzliche Regelung her. Die für alle Winzer und Regionen gilt, fair und transparent, unabhängig klassifiziert und ebenso kontrolliert.

Zwar sind sich die „Lagen-Lager“ nach wie vor nicht ganz grün, der gemeinsame Wille, eine Lösung zustande zu bringen, ist aber unstrittig. Ob es diese noch im laufenden Jahr geben wird, ist offen.

Einen Entwurf zur künftigen Verordnung soll es bald geben. Der wird Landwirtschaftsministerin Köstinger präsentiert, geht dann in Begutachtung. Die DAC Verordnungen und die dort definierten Rebsorten werden für die kommende Lagen-Gesetzgebung den Rahmen bilden. Den Regionalen Weinkomitees kommt die – nicht einfache – Umsetzung zu.

ÖTW und STK werden sich neu erfinden müssen

Grundlage der künftigen Lagenbeurteilung werden Terroir, Einheitlichkeit, Historie und Bedeutung der Lage einerseits sein, andererseits die langjährige Weinqualität und eine aktuelle – jährliche – Beurteilung des erzeugten Weines. Diese wird durch eine unabhängige Kommission festzustellen sein. Das Prüfnummernsystem liefert dazu wertvolles Know-how.

ÖTW und STK werden sich neu erfinden müssen. Der Grundnutzen – Erste Lagen zu kreieren – wird vom Gesetzgeber übernommen. Die Neupositionierung der Vereine sollte kein großes Problem darstellen, es bleibt genug zu tun.

Wie so oft muss das Burgund als Vorbild herhalten. Dabei wird übersehen, dass die Klassifizierungen dort weit über hundert Jahre etabliert sind. Und es geht immer nur um eine Rebsorte, wenn von Wein die Rede ist, der die Herkunft Burgund tragen darf: Chardonnay bei den Weißen, Pinot Noir bei den Roten. Das ist ebenso selbsterklärend wie mit Österreich nicht vergleichbar.

Verlockend ist die Aussicht auf ein deutlich höheres Preisgefüge aus Ersten Lagen, das auch auf mittlere und Basisqualitäten durchschlagen würde. Ob höhere Preise für heimische Weine, abseits der mengenmäßig kaum relevanten Spitzengewächse, international durchsetzbar sind, darf bezweifelt werden. Nach wie vor schwimmt Österreich auf einem Weinsee, sind die Lager randvoll.

Ried Kremser Gebling (Kremstal) © ÖWM/Robert Herbst
Ried Rothenbart (Traisental) © ÖWM/Robert Herbst
Ried Oberer Steinriegel (Südsteiermark) © ÖWM/Robert Herbst