Bordeaux wird voraussichtlich die früheste Weinernte aller Zeiten einfahren. Die Qualität dürfte dadurch sowie durch Hitze, Trockenheit und den Rauch der nahen Waldbrände, die wochenlang wüteten, nicht beeinträchtigt sein.

„Das Schlimmste ist vorbei, die Weinberge von Bordeaux sind sicher!“ Das ist die Botschaft von François-Xavier Maroteaux, Eigentümer von Château Brainare-Ducru und Präsident der Union des Grands Crus de Bordeaux (UGCB), der Organisation von 126 der wichtigsten Bordelaiser Châteaus, nach den schweren Bränden in der Gironde.

Maroteaux beruhigt: "Bis heute wurde kein Einfluss auf die Qualität der Trauben festgestellt. Obwohl die Brände besonders heftig waren, lagen die Ausbrüche mehrere Kilometer von unseren Weinbergen entfernt. Wir erinnern uns auch daran, dass die Brände von 2022, die zur gleichen Jahreszeit stattfanden, keinerlei Auswirkungen auf den Geschmack der Weine hatten."

Warum die Ernte 2026 zu den frühesten aller Zeiten gehören wird

Überraschend ist das Urteil, das die UGCB über das laufende Jahr 2026 fällt: früh, aber vielversprechend. Kein Zweifel, dass die bisher registrierten Bedingungen alles andere als regulär waren: in den vergangenen Wochen erreichten die Temperaturen Höchstwerte von 41 Grad, zudem lagen nachts Tiefstwerte deutlich über dem saisonalen Durchschnitt. Die Ernte könnte laut vielen Winzern die früheste aller Zeiten werden.

Thomas Durox, Generaldirektor von Château Palmer: "Der sengende Sommer hat die Wasserreserven unter Druck gesetzt und die Vegetation völlig ausgetrocknet. Einige lokale Weinbehörden haben in diesem Jahr Ausnahmen beantragt, um selbst die Reben zu bewässern, aber viele Châteaus haben nicht genug Wasser, um ihre gesamten Weinberge zu bewässern." Duroux erinnerte daran, „dass der Klimawandel bisher viele Vorteile für Bordeaux gebracht und eine qualitative Stabilität ermöglicht hat, die in den vergangenen Jahrzehnten unmöglich zu erreichen schien.“

Hoffnung auf Parallelen mit exzellentem Jahrgang 2022

Der Präzedenzfall, auf den alle verweisen, ist 2022. Ebenfalls im Sommer wurde die Gironde von schweren Bränden heimgesucht , während die Weinbaugebiete zwischen Juli und August vier Rekordhitzewellen erlebten. Die Ernte im Jahr 2022 begann etwa zwei Wochen früher als üblich und gehörte zu den frühesten bis dahin dokumentierten Lesen. Trotzdem wurden gesunde Trauben geerntet, mit hohen pH-Werten, ohne vegetativem Stillstand und ohne übermäßige Säure in den Weinen. Ein Jahr später bewerteten internationale Kritiker den Geschmack 2022 als einen der besten des Jahrzehnts, der Unmittelbarkeit, Struktur und im besten Fall eine unerwartete Frische verbinden konnte.

Der Jahresverlauf 2026 wirkt bisher komplexer – oder zumindest extremer – als 2022, doch die Wettervorhersage sagt ab Mitte August einen Temperaturrückgang voraus, der die Kurve verlangsamen könnte, insbesondere für spätere Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, eine Säule aller großen Weine des Médoc.