Bei der traditionellen Bürgermeister-Weinlese am Schwarzenbergplatz – im kleinsten Weingarten Wiens - in der Innenstadt berichteten Vertreter des Weinguts Mayer am Pfarrplatz von erwarteten Ertragseinbußen, rechnen aber mit sehr guter Weinqualität im Jahrgang 2026. 

Am Schwarzenbergplatz stehen rund 70 Rebstöcke. Seit etwa 150 Jahren wird die kleine Rebfläche im Vorgarten des Palais Wiener von Welten bewirtschaftet. Heute gilt sie als kleinster Weingarten Wiens und dient traditionell als Schauplatz für den symbolischen Auftakt zur Wiener Weinlese.

Gastgeber Hans Schmid und sein Weingutsleiter Thomas Podsednik vom Weingut Mayer am Pfarrplatz, das die Rebstöcke am Schwarzenbergplatz betreut, zeigen sich nach dem Hitzesommer alarmiert: „Die extreme Trockenheit und eine noch nie dagewesene Hitzewelle haben unseren Weinreben in diesem Sommer das Äußerste abverlangt“, so Hans Schmid, „und wir rechnen für das laufende Jahr mit Ertragseinbußen von rund 25 Prozent“.

Sehr guter Wiener Weinjahrgang 2026 erwartet

Nach Angaben von GeoSphere Austria erreichte die Temperatur an der Messstation Hohe Warte im Juni 2026 mit 39,7 Grad einen neuen Höchststand. Die Hitzewelle zählte in Wien zu den stärksten seit Beginn der Aufzeichnung. Thomas Podsednik rechnet aber mit einem sehr guten Weinjahrgang 2026„Die Beeren sind kerngesund und der Most hat hohe Gradationen, da die Rebstöcke ihre ganze Kraft in die wenigen Trauben stecken können. 2026 hat damit das Zeug zu einem denkwürdigen Jahrgang mit dichten, konzentrierten und langlebigen Weinen!“

Wie bereits im Vorjahr griff der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig auch heuer wieder selbst zur Gartenschere und erntete die Trauben der innerstädtischen Rebfläche. Unterstützt wurde er von Dompfarrer Toni Faber sowie Vertretern des Wiener Weinbaus – darunter Norbert Walter, Winzer, Präsident des Wiener Weinbauverbandes und der Landwirtschaftskammer Wien sowie Landesjägermeister von Wien.

Die Wiener Winzer halten, so Norbert Walter, dem Klimawandel entgegen, unter anderem durch verstärkte Tröpfchenbewässerung der Rebstöcke (gezielt, spart Wasser), durch Humusaufbau der Böden und deren Begrünung sowie durch gezieltes Wassermanagement. Fast die Hälfte der Wiener Rebflächen wird inzwischen biologisch bewirtschaftet.

Ludwig: „Wiener Heurigen besuchen und Wiener Wein!“

„Die Versorgungssicherheit der Wiener mit frischen und regionalen Lebensmitteln ist uns ein wichtiges Anliegen“, erklärte Bürgermeister Michael Ludwig, „das gilt für Gemüse, Obst und Getreide genauso wie für den Weinbau“. Bürgermeister Ludwig empfiehlt als „Soforthilfe-Maßnahme“ für die Winzer, die Wiener Heurigen zu besuchen, Wiener Wein zu genießen und damit die Wiener Heurigenkultur als bedeutendes immaterielles Kulturerbe zu unterstützen.

Wiener Winzer wegen Rebzikade alarmiert

Neben Hitze und Trockenheit beschäftigt die Wiener Winzer die Amerikanische Rebzikade, die die gefährliche Rebkrankheit Goldgelbe Vergilbung (Flavescence dorée) überträgt. Im Sommer wurden einige Exemplare der Rebzikade in Wiener Weinbergen gefunden. Ein Massenauftreten wie in anderen Bundesländern wurde bislang jedoch nicht registriert. Wird ein Befall nachgewiesen, müssen die betroffenen Weinstöcke gerodet werden.