Der 1. Mai 2026 markiert einen Neuanfang für europäische Weinexporte nach Südamerika: nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen trat das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den südamerikanischen Mercosur-Staaten vorerst provisorisch in Kraft.

Für Wein eröffnen sich neue Möglichkeiten, im Kontext geopolitischer Instabilität und Zölle auf dem großen US-Markt. Die CEEV, der Europäische Weinhandelsverband, begrüßt das Mercosur-Abkommen, das von großen Teilen anderer Landwirtschaftsverbände strikt abgelehnt wird. Die Weinexporte aus der EU nach Südamerika werden dadurch bürokratisch stark vereinfacht, Importzölle von bis zu 35 Prozent entfallen ab sofort.

Zölle und Importabgaben auf Wein von bis zu 35 Prozent fallen weg

Derzeit unterliegen europäische Weine in Argentinien Abgaben von bis zu 35 Prozent und bis zu 18 Prozent in Brasilien, Paraguay und Uruguay. Marzia Varvaglione, Präsidentin des CEEV, erwartet, dass diese Barrieren rasch schrittweise abgeschafft werden. "Angesichts des wachsenden Bedarfs, neue Verbraucher zu erreichen, ist dies die Art von offener, regelbasierter Partnerschaft, die der Weinsektor benötigt. Diversifizierung im Weinexport ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Und ab sofort wird es für europäische Unternehmen leichter sein."

Der Umsatz verdoppelte sich innerhalb von zehn Jahren

Die EU-Weinexporte in die Mercosur-Länder (Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay) im Jahr 2024 erreichten 238 Millionen Euro, lediglich 1,3 Prozent  aller EU-Weinexporte. Ein Großteil davon ging nach Brasilien. Trotz der Barrieren und Zölle verdoppelte sich der Weinumsatz mit den Mercosur-Staaten in den vergangenen zehn Jahren. Entsprechend groß sind die Erwartungen in die Zukunft, die am 1. Mai 2026 begonnen hat. Der gesamte Mercosur-Bereich umfasst 270 Millionen Verbraucher

145 Weinherkünfte in der EU sind auch in den Mercosur-Staaten geschützt

Es geht im Mercosur-Abkommen nicht nur um die Abschaffung der Zölle allein, sondern auch um den Schutz von Wein-Herkünften in der EU. 145 geografischen Herkunfts-Angaben im Weinsektor der EU werden künftig auch in den Mercosur-Ländern geschützt sein. Es wird zudem eine Vereinfachung der Importverfahren und die schrittweise Abschaffung nichttarifärer Barrieren geben, die komplexe Regeln zu önologischen Praktiken und Zertifizierungsanforderungen umfassen.