Es gibt eine Anzahl von Heiligen, denen im Weinbrauchtum eine bedeutende Rolle zukommt. Als wichtigster Weinpatron gilt hierzulande von alters her St. Urban. Nicht wenige österreichweit in Weinrieden vorhandene Bildstöcke, Fassböden und sonstige Artefakte zeugen davon.

Lebensgroße Urban-Skulptur beim Erntedankumzug in Spitz an der Donau, 2017 © Johann Werfring

Der doppelte Urban

Obwohl es also diverse Schutzheilige des Rebensaftes und der Rieden gibt, gilt der heilige Urban österreichweit als der Weinpatron schlechthin. Allerdings gibt es den heiligen Urban gleich in zweierlei Ausprägung. In dem einen Fall geht die Weintraube als sein Attribut auf die Legende zurück, dass er sich während der spätantiken Christenverfolgung mit Erfolg unter einem Rebstock verborgen hielt. 

In deutschsprachigen Gebieten bezieht sich der Urbankult meist auf jenen Kirchenmann, der als Urban I. von 222 bis 230 Papst und Bischof von Rom gewesen ist. Der Festtag dieses Heiligen (25. Mai) fällt in eine für den Weinbau höchst bedeutsame Zeit, zumal rund um diesen Termin die Weinblüte einsetzt. Freilich rankt sich auch um ihn ein wahrer Legendenkranz. Unter anderem wird berichtet, dass es an seinem Todestag nicht Wasser, sondern Wein regnete. Mit der Zeit vermischte sich die Legende des Bischofs von Langres mit jener des Papstes Urban I.

Heiliger Urban leitet sich von Papst Urban I. ab

Der Festtag des Heiligen wie auch seine historische Person spielen im kollektiven Gedächtnis heutzutage keine besondere Rolle mehr, da kaum jemand an einen konkreten Urban denkt.  Früher einmal freute man sich in der Gegend von Matzen und Horn in Niederösterreich auf den Urbanitag, weil bei dieser Gelegenheit dem Gesinde ein bäuerliches Festmahl gewährt wurde.

Im Weingebiet von Stainz gab es bis zum Jahr 1781 eine St.-Urban-Bruderschaft, und in Brunnkirchen bei Krems an der Donau stand eine Urbanikapelle, die im 18. Jahrhundert Ziel von Weinhauer Prozessionen aus Mautern, Rossatz und Stein an der Donau gewesen ist. Noch heute wallfahrtet man im Weinviertel von Gaiselberg zu Urbani nach Maria Moos in Zistersdorf. Im Großen und Ganzen ist man aber von der kultischen Verehrung am Urbanitag abgekommen.

Weingut Knoll: Heiliger Urban auf Etiketten mit Kultstatus

Nichtsdestoweniger spielt Urbanibrauchtum bis heute in diversen österreichischen Weinorten eine Rolle. Eine Statue des Heiligen oder eine Fahne mit seinem Bild wird von alters her häufig bei kirchlichen Prozessionen mitgetragen. 

Früher tauchte das Bildnis von Urban als Bischof mit Traube auch auf Weinetiketten auf. Schon vor längerer Zeit haben die Winzer damit aufgehört, Heiligenporträts als verkaufsfördernde Flaschenzier zu verwenden. Als einziger österreichischer Weinbaubetrieb von Rang schmückt bis heute das Wachauer Weingut Knoll in Unterloiben seine Etiketten mit dem Konterfei des heiligen Urbanus. Nachdem alle anderen Etiketten dieser Art längst abgekommen sind, genießt jenes von Knoll seit geraumer Zeit Kultstatus.

 

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Präsentation der Gumpoldskirchner Hauerfahne, 2017 © Johann Werfring
Der heilige Urban als Zierde eines Fassbodens im Weingut Knoll in Unterloiben. © Weingut Knoll
Der heilige Urban mit Weintraube als gotische Skulptur im museumkrems in Krems an der Donau, Leihgabe der Pfarre Stein, um 1490, Holz, farbig gefasst. © Johann Werfring
Johann Werfring: Weinbräuche in Österreich © Johann Werfring